Stand: 18.09.2017 13:45 Uhr

Die Endlagersuche wird aufmerksam beobachtet

von Anja Haufe

Seitdem es in Deutschland Atomkraftwerke gibt, gibt es auch die Diskussion um die Lagerung des Atommülls. Eine Lösung gibt es bisher nicht. Die Endlager-Suche wird von einem Gremium aus Wissenschaftlern, Vertretern von Naturschutzverbänden und drei Bürgervertretern kritisch begleitet - eine von ihnen ist die Jura-Studentin Jorina Suckow aus Hamburg. Sie glaubt, dass ein Standort für die Endlagerung von hochradioaktivem Müll gefunden werden kann. NDR Info hat sie bei der Besichtigung der Schachtanlage Asse in der Nähe von Wolfenbüttel begleitet, wo sich das Gremium einen Überblick verschafft hat.

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Jorina Suckow (l.) und Alicja Balfanz vom Bürgernetzwerk.

Seit knapp einem Jahr ist Atommüll ein Thema für die Hamburgerin Jorina Suckow. Die 24-Jährige ist als eine von drei Bürgervertreterinnen in das Nationale Begleitgremium gewählt worden - als Vertreterin der jungen Generation. "Ich denke, es leuchtet allen ein, dass wir die sind, die damit Jahre, Jahrzehnte lang leben müssen - und nicht die Personen über 60", sagt sie. Dafür investiert Suckow viel Zeit, obwohl in einem Monat ihr erstes Staatsexamen ansteht. Sie liest sich in die Thematik ein, diskutiert mit Bürgerinitiativen oder informiert sich vor Ort - wie zum Beispiel in der Asse.

"Es ist ja ein gesellschaftliches Problem. Ich sehe das als meine Bürgerpflicht an, mich darum zu kümmern, dass man kommenden Generationen sagen kann, wir haben ein Endlager gefunden und ihr müsst euch darum nicht mehr sorgen. Das ist meine Motivation dahinter", sagt Suckow.

Ein Auffangbehälter für radioaktive Fluessigkeit steht in der Nähe von Remlingen im Atommüllendlager Asse Schacht 2 im Strahlenschutzbereich vor der noch verschlossenen Einlagerungskammer 8. © dpa-Bildportal Fotograf: Jens Schlueter

Klappt's jetzt? Die schwierige Endlagersuche

NDR Info - NDR Info Perspektiven -

Kann im Norden ein Endlager für Atommüll entstehen? Die Hamburger Studentin Jorina Suckow ist Teil eines Gremiums, das die Schachtanlage Asse in Niedersachsen überprüft.

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Das Problem in der Asse ist das Wasser

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Jorina Suckow (2.v.l.) mit einem Teil des Gremiums und des Bürgernetzwerks bei der Erkundung der Asse.

Zusammen mit den anderen Mitgliedern des Begleitgremiums geht es für Jorina 590 Meter unter die Erdoberfläche. Im Salzbergwerk Asse lagern seit Jahren 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll.

Salz hat zwar gute Eigenschaften, um Atommüll zu lagern, es ist beweglich und kann die Fässer im Idealfall umschließen. Es ist allerdings auch wasserlöslich - und in den Salzstock Asse dringt seit Jahren Wasser ein. Das macht ihn instabil, einige Zwischendecken sind schon eingebrochen. Deshalb sollen die Fässer zurückgeholt werden. So eine Berge-Aktion hat es weltweit noch nie gegeben - und sie wird dauern.

"Die Sicherheit steht im Vordergrund"

Erst ab 2033 sollen die Fässer geborgen werden. Dann soll auch die Suche nach dem Standort für das Endlager für hochradioaktiven Müll abgeschlossen sein. Dass es so lange dauern wird, stört Suckow nicht: "Die Sicherheit steht im Vordergrund. Und natürlich auch, dass dieser Prozess transparent und gemeinwohlorientiert mit den höchsten Sicherheitsstandards abgelaufen ist. Und wenn das dann ein Jahr oder zwei Jahre länger dauert, muss das für die Sicherheit hingenommen werden, das ist meine persönliche Meinung", sagt Suckow.

Transparenz ist der Studentin am wichtigsten

Die Studentin hat den jahrelangen Streit um ein Atommüll-Endlager nicht mitbekommen, dafür ist sie zu jung. Sie geht sehr unvoreingenommen und optimistisch an die Begleitung der Standortsuche - und sie betont immer wieder ihr oberstes Ziel: Transparenz. "Ich sehe meine persönliche Aufgabe darin, diesen unvoreingenommenen Blick von außen weiterhin zu behalten. Jeder soll nachvollziehen können, was hier passiert."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | NDR Info Perspektiven | 18.09.2017 | 07:20 Uhr

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