Stand: 27.11.2015 21:58 Uhr

Der Schatz im Bergeteich: Probebohrungen laufen

Wer verstehen will, warum in einem Teich über Jahrzehnte Metalle im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro schlichtweg liegen geblieben sind, der sollte zuerst an seinen Frühstücksjoghurt denken. Egal wie akribisch man versucht, die Joghurtreste mit einem Löffel aus dem Glas zu kratzen: Es bleiben immer Reste zurück. So erging es früher auch den Bergbauarbeitern des Rammelsbergs bei Goslar. Aus dem Erz versuchten sie, so viel Silber, Blei, Kupfer, Zink und sogar Gold wie möglich zu gewinnen. Doch die Verfahren waren noch nicht so weit, die Kristallstruktur der Metalle war zu fein, und so blieben wertvolle Metallrückstände zurück. Diese Rückstände, sogenanntes Bergematerial, wurde in Teiche gekippt. Ein alter, schwarzer Schlamm, der nun zu Geld gemacht werden soll - weil die Technik mittlerweile so weit ist.

Suche nach Metall-Schätzen in Harzer Teichen

Ingenieur Holm: "Wir betreten Neuland"

"Wir können aus diesen Schlämmen Stoffe rausziehen, die vor 30 Jahren nicht zu gewinnen waren", sagt Diplom-Ingenieur Björn Holm vom Institut für Geotechnik und Markscheidewesen der Technischen Universität (TU) Clausthal. "Wir betreten Neuland. Das hat es weltweit noch nicht gegeben." Holm gehört zu jenem Konsortium aus Unternehmen und Wissenschaftlern, das ein Verfahren entwickelt hat, um aus dem Schlamm feinste Reste von Edel- und Sondermetallen zu ziehen. Der 39-jährige Holm koordiniert die Probebohrungen in den sogenannten Bergeteichen am Bollrich zwischen Goslar und Oker. Mit ihrer Hilfe soll die genaue Lage der Metalle festgestellt werden.

Spezielle Bohrgeräte werden auf Pontons installiert

Dabei ist es sehr kompliziert, in dem sehr feinen Schlamm zu bohren, sagt Holm. "Mit den üblichen Bohrverfahren bekommen wir die Bohrkerne gar nicht erst nach oben." Deswegen nutzen die Wissenschaftler ein spezielles Bohrgerät aus den Niederlanden, das den feinen Schlamm auch im Kernrohr halten kann. Der Bohrer steht auf einem Ponton, der zuvor von einem Kran auf den Teich gehievt wurde. Nach einem festgelegten Raster werden die Bohrkerne entnommen. Sie bilden das Ausgangsmaterial für weiterführende mineralogische und chemische Analysen.

Im Sediment lagern "Metalle im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro"

"Man kann davon ausgehen, dass in dem Sediment Metall im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro lagert", sagt Daniel Goldmann, der an der TU Clausthal einen Lehrstuhl für Rohstoffaufbereitung und Recycling hat. Aufgrund früherer Untersuchungen ist es laut Goldmann wahrscheinlich, dass sich unter Wasser etwa 1,5 Tonnen Gold, 200 Tonnen Silber, 14.000 Tonnen Kupfer, 70.000 Tonnen Blei, 100.000 Tonnen Zink und eineinhalb Millionen Tonnen Schwerspat (Baryt) befinden. Zudem haben es die Forscher auch auf Sondermetalle wie Kobalt, Gallium und das sehr seltene Indium abgesehen. Letzteres wird in der Halbleiterproduktion, für Plasmabildschirme und in der Photovoltaik eingesetzt. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit zwei Millionen Euro.

300 neue Arbeitsplätze für die Region?

Bis Dezember sollen die Probebohrungen beendet sein, anschließend werden die entnommenen Bohrkerne in der TU Clausthal untersucht. Laut Goldmann wird es dann aber noch einige Jahre dauern, bis die Verfahren zur Aufbereitung des metallhaltigen Materials entwickelt seien. Eine alte Anlage am Bollrich solle für die Aufbereitung wieder instand gesetzt werden. Goldmann hofft, dass in der Region dadurch langfristig mehr als 300 Arbeitsplätze entstehen könnten.

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