Stand: 01.06.2015 16:53 Uhr

"Allgäu-Orient-Rallye": Amman in Sicht

von Maximilian Engel

Seit dem 10. Mai läuft die "Allgäu-Orient-Rallye": 111 Teams mit jeweils drei Autos und sechs Mitgliedern fahren von Bayern in die jordanische Hauptstadt Amman - ohne Navis und ausschließlich auf Nebenstrecken. Mit dabei sind die "Drei Seifenkisten", die - passend zu ihrem Namen - kiloweise gespendete Seife zu einem Flüchtlingscamp bringen. Das Team besteht zur Hälfte aus gebürtigen Göttingern - darunter NDR.de Mitarbeiter Maximilian Engel, der für uns seine Eindrücke aufschreibt.

Zum Frühstück gibt es asiatische Instant-Nudeln, die - je nach Sorte - angeblich nach Ente, Shrimps oder Steinpilzen schmecken sollen. Philipp und Juri diskutieren, ob die japanische oder die thailändische Variante kulinarisch reizvoller ist. Halbwegs gesättigt steigen wir in die Autos, bis zum Nachmittag soll die Grenze zu Jordanien überquert werden.

Niemandsland mit Endzeitstimmung

Dafür fahren wir zunächst rund 100 Kilometer in Richtung Norden, zurück in israelisches Territorium, nach Maoz Haim. Am Grenzübergang bildet sich eine lange Schlange, die fast ausschließlich aus Fahrzeugen der "Allgäu-Orient-Rallye" besteht. Und dann sitzt da noch eine verschleierte Frau alleine auf einer Bank am Straßenrand, neben ihr türmen sich die Koffer. Wie bereits an anderen Stationen unserer Reise herrscht auch im Niemandsland zwischen Israel und Jordanien gespenstische Endzeitstimmung. Ein verrostetes und von verrottenden Palmen umgebenes Verkehrsschild wirkt, als sei es einem Horrofilm des Regisseurs George A. Romero entsprungen.

Sechs Eis für 44 Schekel

Ein paar Meter weiter steht ein Kiosk am Straßenrand, es gibt Eis und kalte Getränke. Wir werfen unser Geld zusammen: 44 Schekel - nicht genug für sechs Wassereis. Mit Euro - oder anderen Währungen - können wir nicht bezahlen. David will aber nicht akzeptieren, dass wir mit weniger als sechs Eis die Grenze passieren, redet minutenlang auf die Verkäuferin ein - und verlässt den Kiosk schließlich doch mit sechs erfrischend kalten Eispäckchen in den Händen.

Tipps, Broschüren und Kaffee

Auf jordanischem Boden angekommen, werden zunächst die Pässe aller Rallye-Teilnehmer kopiert und abgeheftet. An einer Wand in dem Gebäude hängt ein großes Portrait des Königs. In einem Zelt davor erhalten wir Kaffee mit Kardamom, kalte Getränke und Info-Broschüren für Touristen. Soldaten in grauer Fleck-Tarnkleidung drücken jordanische Flaggen auf die Windschutzscheiben und raten uns, immer genug Wasser zu trinken. "Endlich fühlt man sich mal richtig willkommen. Und gut organisiert ist es auch", freut sich Juri.

Geplatzter Reifen in den Bergen

In der ersten Rallye-Woche hatten wir eine Mail von einer Frau aus Hessen bekommen, die mit einem Jordanier verheiratet ist: Von Freunden habe sie von unserem Trip erfahren und würde sich freuen, wenn wir sie und ihren Mann Hassim in Jordanien treffen würden. Und so fahren wir Richtung Amman, mit einer Einladung zum Abendessen. Doch dann, in den Bergen vor der Hauptstadt, platzt der rechte Vorderreifen des blauen Subarus mit Philipp und David an Bord. "Das war ein ganz klarer Fahrfehler", nörgelt David und holt den Schraubenschlüssel für die Radmuttern aus dem Werkzeugkasten. Nur wenige Minuten später halten zwei jordanische Männer neben uns, parken auf der abschüssigen Straße, helfen Tilmann, die Ersatzräder vom Dach zu holen und die Reifen zu wechseln. Anschließend laden sie uns ein, bei ihnen Tee zu trinken. Wir bedanken uns, müssen aber leider absagen, da wir bereits spät dran sind.

Videos
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"Unglaublich, was die Autos wegstecken"

Die "Drei Seifenkisten" und ihr Team sind in Jordanien angekommen. Bei Hitze und starkem Wind heißt es nun für die sechs Jungs, sich mit den Autos durch die Wüste zu kämpfen. Video (00:59 min)

Reichlich Humus, Fisch, Fleisch - und Anisschnaps

Am frühen Abend erreichen wir die Hauptstadt, fahren zu der verabredeten Adresse, einem großen Bürogebäude im Bankenviertel der Stadt. Hassim ist Manager bei einem asiatischen Mobilfunkkonzern - und Teil der größten christlichen Familie in Jordanien, wie er erzählt. Im alten Stadtzentrum lädt er uns zu einem traditionellen jordanischen Abendessen ein, es gibt reichlich Humus, Fisch und Fleisch. Dazu rauchen wir Shisha und trinken Arak, einen jordanischen Anisschnaps. Seit Tagen haben wir nicht mehr so gut - und so reichlich - gegessen. Anschließend bekommen wir noch eine kurze Stadtrundfahrt inklusive kurzem Blick ins römische Amphitheater und werden dann zu unserer Unterkunft eskortiert.

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"Allgäu-Orient-Rallye": "Seifenkisten" ganz unten

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