Stand: 30.01.2016 10:39 Uhr

"Schwarzer Peter" bei Kritik am Wolfsmanagement?

von Ulrike Kressel

Die Rückkehr des Wolfes nach Niedersachsen ist ein hochemotionales Thema - kaum etwas wird so hitzig und kontrovers diskutiert. In einem Gespräch mit der Staatssekretärin Almut Kottwitz (Grüne) hatte der NDR nach gut sechs Monaten Wolfsbüro eine erste Bilanz gezogen. Kottwitz sah unter anderem Verbesserungsbedarf bei der Auswertung der DNA-Analysen bei Nutztierrissen. Zitat wörtlich:

"Verbesserungswürdig ist noch aus meiner Sicht die amtliche Feststellung von Schäden an Nutztieren - da haben wir immer noch bei der DNA-Untersuchung einen Rückstau, das dauert noch zu lange."

Diese Aussage sorgt für Verwirrung. Der Fachbereichsleiter des Senckenberg-Labors für Wildtiergenetik bei Frankfurt, Carsten Nowak, sieht sich veranlasst, auf den Bericht zu reagieren.

Chronologie: Der Wolf in Niedersachsen (ab 2015)

"Wolfsprobenbearbeiter haben nichts zu tun - alles ist abgearbeitet"

Alle aus Niedersachsen beauftragten Rissproben seien kurzfristig bearbeitet worden, die Ergebnisse lägen in der Regel bereits nach wenigen Tagen vor. Weiterhin stellt Nowak klar, dass es seit Monaten keine Verzögerungen bei den genetischen Untersuchungen gegeben habe. Mit der Aussage konfrontiert, heißt es aus dem Umweltministerium:

"Die Einschätzung der Staatssekretärin, dass die Auswertung insgesamt derzeit noch zu lange dauert, ist nicht als Kritik am Senckenberg-Institut zu verstehen, sondern bezieht sich auf den Gesamtprozess."

Verbesserungsbedarf nur im eigenen Haus?

Was nun genau "Gesamtprozess" zu bedeuten hat - das bleibt zunächst im Dunkeln. Ein Interpretationsversuch: An der amtlichen Feststellung von Nutztierrissen ist neben dem Senckenberg-Labor nur noch das niedersächsische Wolfsbüro beteiligt, und das liegt im Verantwortungsbereich des Umweltministeriums. Somit kann Staatssekretärin Kottwitz den Verbesserungsbedarf eigentlich nur noch im eigenen Haus sehen. Um die Interpretation so nicht im Raum stehen zu lassen, hat der NDR erneut nachgefragt und um eine Einschätzung des Umweltministeriums gebeten. Jetzt heißt es dazu: Staatssekretärin Kottwitz hätte in dem Gespräch mit dem NDR gemeint, dass

"die Auswertung sämtlicher Spuren an den gerissenen Tieren noch schneller erfolgen soll. Der Ablauf, zu dem die Meldung, die Probenahme, die Übersendung, die Untersuchung, ggf. die Beauftragung einer weiteren Probe, die Unterrichtung und die Auswertung aller Ergebnisse, sowie die Mitteilung an den Halter gehören, soll optimiert werden."

Menschen erwarten ehrlichen Umgang mit dem Thema

Darüber hinaus teilt das Umweltministerium mit, dass geplant sei, zwei Amtstierärzte beim Wolfsbüro einzustellen. Die sollen dann bei gerissenen Nutztieren gleich vor Ort beurteilen, ob der Wolf der Verursacher war. Die DNA- Nachweise würden dann nur noch das Monitoring unterstützen. Warum sich das Umweltministerium mit dem Eingeständnis, auch selber noch besser werden zu können, so schwer tut - die Frage bleibt. Aber genau das erwarten die Menschen, die Tierhalter in der Wolfsregion Niedersachsen: einen ehrlichen und offenen Umgang mit dem Wildtier Wolf. Zumal das Umweltministerium im vergangenen Jahr versprochen hatte, für mehr Transparenz sorgen zu wollen.

Kein Empfang - Sender zweier Wölfe geben kein Signal

Zum Thema Transparenz passt auch, dass erst jetzt bekannt wurde, dass die GPS-Halsbänder der beiden Wölfe aus dem Munsteraner Rudel keine Signale mehr senden. Bereits Mitte Dezember hatte der NDR beim NLWKN, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz schriftlich angefragt, ob es neue Informationen über die besenderten Wölfe gebe. Dass die Sender keine Signale mehr absetzen, wurde nicht erwähnt. Auch das verlangt Aufklärung. Nun, Ende Januar, kam dann auf wiederholte Nachfrage die Antwort: Demnach schickte der Sender der Wölfin seine letzte Positionsmeldung am 3. November, der des Rüden am 20. Dezember. Eine Ortung der Tiere sei nur noch mittels der althergebrachten Methode, der Kreuzpeilung, möglich. Die Förster der Bundesforsten würden, so ein Sprecher des NLWKN, etwa einmal pro Woche versuchen, den Wölfen auf der Spur zu bleiben. Sobald die Verbindung mit den Sendern wiederhergestellt werden könne, sei es möglich, die GPS-Daten auch nachträglich abzurufen. Ob das möglich sein wird, bleibe ungewiss, heißt es.

Um Akzeptanz für den Rückkehrer Wolf zu schaffen, wäre eine wirklich ernst gemeinte Öffentlichkeitsarbeit angebracht. Die momentan praktizierte Salami-Taktik - also nur auf permanente Nachfrage zu reagieren - treibt die Skeptiker nach vorne. Das Vertrauen in ein ernst gemeintes Wolfsmanagement schwindet.

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Aktuell | 30.01.2016 | 10:00 Uhr