Stand: 13.02.2017 15:43 Uhr

Weniger Einbrüche, mehr Körperverletzung

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat am Montag die polizeiliche Kriminalstatistik für 2016 vorgestellt. Demnach wurden weniger Straftaten registriert als noch im Jahr zuvor. Die Gesamtzahl sank dem Minister zufolge leicht um 1,1 Prozent auf insgesamt 561.963 Fälle. Das entspreche einem Rückgang um 6.507 Fälle gegenüber 2015. Die Aufklärungsquote wurde nach Angaben des Ministers um 0,2 Prozent auf jetzt 61,4 Prozent verbessert. "Niedersachsen ist und bleibt ein sicheres Bundesland", so Pistorius.

Einbrüche bleiben Problem

Bei den Wohnungseinbrüchen gibt es laut Innenministerium keine Entwarnung - obwohl die Zahl leicht zurückgegangen ist. Im Jahr 2016 verzeichnet Pistorius' Ressort mit insgesamt 16.405 Einbrüchen 170 Fälle weniger als noch 2015. "Das sind selbstverständlich immer noch viel zu viele. Wir wissen, dass ein Opfer diese Tat oft noch lange beeindruckt und beschäftigt." Deshalb sollen die Geschädigten noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt von der Polizei aufgesucht werden, auch die psychischen Folgen der Tat sollen in die Ermittlungsakte eingehen. Pistorius verwies im Kampf gegen international agierende Banden auf die Zusammenarbeit zwischen der Polizei aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Kollegen aus Belgien und den Niederlanden.

Mehr Tatverdächtige unter Flüchtlingen

Innenminister Pistorius hob am Montag hervor, dass durch den Flüchtlingszuzug mehr Menschen in Niedersachsen leben. Trotzdem habe die Kriminalitätsbelastung nicht proportional zugenommen. Kamen 2015 auf 100.000 Einwohner 7.263 Straftaten, lag die Zahl im vergangenen Jahr bei 7.090. Allerdings habe es mehr Tatverdächtige unter den Flüchtlingen gegeben, so das Innenministerium. Ihre Zahl stieg von 13.084 auf 18.655. Ein Großteil der tatverdächtigen Flüchtlinge ist männlich, durchschnittlich ist diese Gruppe acht Jahre jünger als andere Tatverdächtige. Die häufigsten Straftaten seien Ladendiebstahl, gefolgt von Körperverletzung und Raub. Pistorius betonte, die überwiegende Zahl der Flüchtlinge sei nicht straffällig geworden.

Mehr Körperverletzung, weniger straffällige Minderjährige

  • Mord und Totschlag: Die Zahl stieg insgesamt von 392 in 2015 auf 514 - Mordfälle gab es 169, 100 mehr als im Vorjahr. Das hänge mit der Mordserie des Ex-Krankenpflegers Niels H. in Oldenburg zusammen. Mehr als 70 Fälle aus der Serie seien im vergangenen Jahr abgeschlossen worden und daher in die Statistik für 2016 eingegangen, sagte Landespolizeipräsident Uwe Binias.
  • Körperverletzungen: Die Zahl der Körperverletzungsdelikte ist um 4.798 auf 57.018 Fälle gestiegen. Insgesamt haben sogenannte Rohheitsdelikte von 74.736 auf 80.497 Fälle zugenommen.
  • Cybercrime: "Im Zuge der Digitalisierung aller Lebensbereiche gibt es natürlich immer mehr Verbrechen, die den Cyberraum für immer neue transnationale und illegale Geschäftsmodelle nutzen", heißt es. Ein Schwerpunkt in der Ermittlungsarbeit bleibe die Internet-Kriminalität, so das Innenministerium.
  • Minderjährige: Im Jahr 2016 wurden laut Statistik 34.480 Straftaten von 26.246 Minderjährigen begangen. Im Zehn-Jahres-Vergleich ergebe sich damit ein Rückgang von fast 64 Prozent.
  • Drogendelikte: Auch die Rauschgiftkriminalität nahm laut Statistik wieder leicht zu: von 30.593 auf 31.771 Fälle. Darunter waren 20.151 Cannabis-Delikte, 577 mehr als 2015.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.02.2017 | 12:00 Uhr

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