Stand: 25.08.2017 15:47 Uhr

Wasser im Fisch: "Das ist Verbraucherbetrug"

Die gute Nachricht, die Agrar- und Verbraucherschutzminister Christian Meyer (Grüne) am Freitag mitgebracht hat: Niedersachsen ist im vergangenen Jahr 2016 von größeren Lebensmittelskandalen verschont worden. Die schlechte Nachricht: Verbraucher werden betrogen und bekommen verunreinigte Lebensmittel auf den Teller. Auch mit der Nachhaltigkeit von Produkten ist es offenbar zum Teil nicht so weit her, erklärte der Minister bei der Vorstellung des Verbraucherschutzberichts 2016.

Fischfilets mit Zusatz verbotener Substanzen

Betrug sieht Meyer bei einer großen Zahl gefrorener Fischfilets. Jedes fünfte sei künstlich mit Wasser aufgepumpt. "Der Wasserzusatz führt zu einem höheren Volumen. Das ist Verbraucherbetrug zulasten derer, die das nicht machen", sagte der Minister und versprach: "Da bleiben wir dran." 124 Proben hat das Institut für Fische und Fischereierzeugnisse in Cuxhaven untersucht. In 26 von ihnen wurden Carbonate gefunden - wasserbindende Stoffe, die dafür sorgen, dass das Fischfilet mehr Wasser aufnehmen kann. Carbonate in unverarbeiteten Fischprodukten sind jedoch verboten. Verbrauchertäuschung stellten Prüfer auch in anderen Bereichen fest. So seien Fruchtsäfte unerlaubt gezuckert worden.

Niedersächsischer Verbraucherschutzbericht 2016

Der Verbraucherschutzbericht informiert jährlich über die Resultate der Kontrollen und Probenahmen bei Herstellern und Transporteuren, im Einzelhandel und in der Gastronomie. Gleichzeitig gibt er Auskunft über die Sicherheit von Futtermitteln sowie über aktuelle Entwicklungen bei Tierschutz und Tierarzneimitteln.

2016 nahmen Prüfer der amtlichen Veterinär- und Lebensmittelüberwachung rund 64.000 Kontrollen in gut 42.000 Betrieben vor. Von den rund 28.000 Proben, die sie dabei nahmen, wurden 16 Prozent beanstandet.

Eis mit Sahne - und Keimen

Unerfreuliches vermeldete Meyer für Fans von Fertig-Schlagsahne, wie sie zum Beispiel in Cafés zu Kuchen und Eis serviert wird. Prüfer haben Keime in der Sahne gefunden: In 31 Prozent der Proben wurde eine erhöhte, in 15 Prozent sogar eine stark erhöhte Keimzahl festgestellt. Das könne daran liegen, dass Cafés häufig Maschinen zum Aufschlagen der Sahne einsetzen - würden diese nicht regelmäßig gereinigt, könnten Keime entstehen. Mehr als unangenehme Folgen hatte der falsche Umgang mit Lebensmitteln in mehreren Gemeinschaftsküchen, zum Beispiel in Kliniken: In 36 Fällen erkrankten ganze Gruppen von Personen an Noroviren.

Geschirr, das Umwelt und Gesundheit belastet

Untersucht wurden auch Haushaltsgegenstände, darunter Geschirr, das als besonders umweltschonend beworben wurde. Kontrolleure fanden heraus, dass auch alternative Kunststoffe unter Einsatz schwer abbaubarer Zusätze wie Schmiermittel und UV-Stabilisatoren hergestellt wurden. Und die Überprüfung von Kindergeschirr aus Bambusfasern zeigte, dass das Geschirr bis zu 80 Prozent aus Melaminharz besteht. "Kunststoffe aus Melamin können bei hohen Temperaturen Formaldehyd freisetzen, das Allergien auslösen kann und in Verdacht steht, beim Einatmen krebserregend zu sein", teilte das Ministerium mit.

Weniger Bakterien, Viren, Schimmel

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Laut Hubert Meyer vom Landkreistag zeigt der Verbraucherschutzbericht: Die Lage hat sich gebessert, doch es ist noch viel zu tun.

"Es gibt nach wie vor eine hohe Beanstandungsquote von 51 Prozent bei den kontrollierten Betrieben", bilanzierte der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistags (NLT), Hubert Meyer. Bei den meisten Verstößen habe aber keine konkrete Gesundheitsgefährdung vorgelegen. "Die Anzahl mikrobiologischer Beanstandungen mit Bakterien, Viren, Schimmel oder Hefepilzen ist mit einem Anteil von 13 Prozent weiter zurückgegangen", so Hubert Meyer weiter. Nichtsdestotrotz hätten die kommunalen Lebensmittelüberwachungsbehörden 572 Bußgeld- und 59 Strafverfahren nach Mängeln bei Betriebskontrollen sowie 122 Bußgeld- und 55 Strafverfahren aufgrund beanstandeter Proben eingeleitet.

"Wir sind deutlich krisenfester geworden"

Der Verbraucherschutzminister zeigte sich mit der Entwicklung zufrieden. Sowohl bei der Vogelgrippe als auch im Fall der mit Fipronil belasteten Eier habe man schnell reagieren können. "Wir sind deutlich krisenfester geworden, viele andere Bundesländer beneiden uns um das hohe Niveau des Verbraucherschutzes", so Meyers Fazit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 25.08.2017 | 14:00 Uhr