Stand: 30.03.2016 15:19 Uhr

Mit dem Smartphone am Steuer in den Unfall

SMS, Eilmeldung, Push-Mitteilung - die Versuchung, während der Autofahrt aufs Handy zu schauen und so vom Verkehr abgelenkt zu werden, ist groß. Diese Entwicklung betrachtet die Polizei und das Innenministerium in Niedersachsen mit großer Sorge. Jahrzehntelang war die Zahl der Verkehrstoten im Land zurückgegangen. Seit zwei Jahren steigt sie wieder. 457 Menschen kamen im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen ums Leben. Polizei und Ministerium sind davon überzeugt, dass immer mehr Unfälle aufgrund von Ablenkung entstehen. Eine aktuelle Studie aus den USA belegt, dass Ablenkung zu 68 Prozent der Unfälle beiträgt. Nun hat die Landesverkehrswacht, in Kooperation mit dem Land und dem Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung, angekündigt, ihre vor zwei Jahren gestartete Kampagne "Tippen tötet" auszuweiten.

Tippen während der Fahrt - Unfallgefahr steigt

Der US-Studie zufolge steigert der Griff zum Handy die Unfallgefahr etwa um das Fünffache, das Lesen und Schreiben sogar um das Zehnfache. Nach einer Hochrechnung der deutschen Versicherungswirtschaft steigt das Unfallrisiko mit dem Schreiben von SMS und Mails am Steuer sogar um das 23-fache. "Wenn der abgelenkte Fahrer in den Gegenverkehr gerät, werden Unbeteiligte hineingezogen. Es können Menschenleben ausgelöscht und ganze Familien zerstört werden", sagte der niedersächsische Landespolizeipräsident Uwe Binias am Mittwoch.

Plakate und Banner sollen Fahrer sensibilisieren

Mit 22 Spannbändern auf den Autobahnen im Land, 250 Plakaten in sieben niedersächsischen Großstädten, 50.000 kostenlosen Postkarten und einem Filmspot bei Facebook und Twitter will die Landesverkehrswacht Auto- und Lkw-Fahrer dafür sensibilisieren, dass der Gebrauch von Smartphones beim Autofahren unter Umständen zum Tod führt. "Wer bei einem Tempo von 50 Kilometern pro Stunde fünf Sekunden lang auf das Handy schaut, legt in dieser Zeit 70 Meter zurück. Mit so einem Blindflug gefährdet man sich und andere", erklärte Staatssekretärin Daniela Behrens zu Beginn der Kampagne im März 2014. Nach Angaben der Organisatoren ist "Tippen tötet" die bundesweit erste Kampagne dieser Art.

Pistorius für höhere Bußgelder

Um der steigenden Zahl der Verkehrstoten entgegenzuwirken, hatte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) vor wenigen Wochen angekündigt, auf Bundesebene für eine Diskussion um höhere Bußgelder und Strafen einzutreten. "Wir unterstützen diesen Vorstoß", erklärte Behrens nun am Mittwoch. Wer während der Fahrt mit einem Handy erwischt wird, muss aktuell ein Bußgeld von 60 Euro zahlen und bekommt einen Punkt in der Verkehrssünder-Kartei in Flensburg. "Unsere europäischen Nachbarn gehen bei den Bußgeldern viel härter ran", betonte Heiner Bartling, Präsident der Landesverkehrswacht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.03.2016 | 16:00 Uhr