Stand: 26.11.2013 11:00 Uhr

Überflüssig: Zu viele Krankenhäuser im Norden

von Mareike Burgschat & Philipp Hennig

Im kleinen Krankenhaus im niedersächsischen Salzhausen herrschen für Patienten paradiesische Zustände: Leere Flure, ruhige Zimmer, das Personal ist jederzeit ansprechbar. Kein Wunder, denn von den 56 Planbetten ist nicht selten nur ein Bruchteil belegt. Was für die Patienten wie eine Wohltat scheint, bedeutet für das Klinikum eine ernsthafte Gefahr.

Betten stehen auf einem Krankenhaus-Flur © dpa Fotograf: Rainer Jensen

Überflüssig: Zu viele Krankenhäuser im Norden

Panorama 3 -

In Niedersachsen schreiben zwei Drittel der Krankenhäuser rote Zahlen. Laut Experten wären 15 Prozent der Standorte verzichtbar - ohne Abstriche bei der medizinischen Versorgung.

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Seit September befindet sich das einzige genossenschaftliche Krankenhaus Deutschlands in einem Insolvenzverfahren, mehrere Mitarbeiter mussten schon entlassen werden.  Dabei hatte man in den vergangenen Jahren sogar noch sechs Millionen Euro in einen Anbau mit neuen Operationssälen investiert. Doch die Kosten für Notaufnahme, Bereitschaftsdienste und Unterhalt des OPs sind einfach zu hoch - bei so wenigen Patienten. Neue Investoren sollen das Krankenhaus nun doch noch retten.

Viele Krankenhäuser schreiben rote Zahlen

Mehr als die Hälfte der deutschen Krankenhäuser schreibt mittlerweile rote Zahlen. In Niedersachsen ist die finanzielle Lage der Kliniken noch schlechter - zwei Drittel werden in diesem Jahr keine Gewinne machen und sind von der Schließung bedroht. Das meldet die niedersächsische Krankenhausgesellschaft.

Dr. Boris Augurzky, Gesundheitsökonom am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) analysiert seit Jahren die Situation der deutschen Krankenhäuser. Er ist überzeugt: Niedersachsen hat einfach zu viele Standorte: "Wenn man Niedersachsen vergleicht mit anderen Bundesländern, dann könnte man in Niedersachsen auf rund 15 Prozent der Standorte verzichten. Und dann hätten wir noch längst keine toten Landschaften." 

Zu diesen 15 Prozent könnten Standorte wie Salzhausen gehören.  Doch auch wenn das Krankenhaus schließen müsste: In Salzhausen muss niemand Angst haben im Notfall nicht versorgt zu werden. Lüneburg und Winsen sind nur rund 20 Autominuten entfernt. Und bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall hätte das Klinikum Salzhausen ohnehin nicht die nötigen Geräte. 

Gesundheitsversorgung nicht gefährdet

Es geht also nur vordergründig um den Erhalt der Gesundheitsversorgung: Es geht vor allem um Gewohnheiten und um das Prinzip des ländlichen Krankenhauses. "Das Krankenhaus erfüllt hier eine starke emotionale Funktion für die Bevölkerung. Es ist mit der Bevölkerung gewachsen, es ist schon sehr alt. Unsere Bewohner legen großen Wert darauf, im Falle eines Falles auch hier betreut werden zu können", erläutert Bürgermeister Wolfgang Krause, der sich für den Erhalt des Krankenhauses einsetzt. 

Doch solche Argumente können die wirtschaftliche Not der Krankenhäuser nicht lindern - ob mehr Geld vom Land und den Krankenkassen die Lösung bringt, darf zumindest bezweifelt werden.  

 

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 26.11.2013 | 21:15 Uhr