Stand: 08.07.2013 19:15 Uhr

Todesfalle Windrad: Schutz für Fledermäuse

von Michael Engel
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Fledermäuse jagen vor allem in warmen Nächten.

Gut für die Umwelt - schlecht für den Tierschutz: Windräder werden immer wieder zu Fallen für Fledermäuse, die nachts in die Anlagen fliegen und dort oft erschlagen werden. Forscher der Universitäten Hannover und Erlangen haben nun ein Programm entwickelt, das die Windräder vorübergehend abschaltet, um den bedrohten Tieren freie Bahn zu lassen. Der wirtschaftliche Verlust soll dabei relativ gering sein.

Zwölf tote Fledermäuse pro Windrad

An jedem Windrad verenden im Jahr etwa zwölf Fledermäuse. Das sind zu viele, finden Umweltschützer. Denn die kleinen Flugtiere sind in Deutschland vom Aussterben bedroht. Um herauszufinden, wie sehr die Windkraftanlagen die Tiere gefährden, haben Forscher und ehrenamtliche Helfer ein halbes Jahr lang jeden Morgen nach toten Tieren gesucht. 70 Anlagen haben sie täglich untersucht und mussten dabei früh vor Ort sein, um Aasfressern zuvorzukommen.

Ihr Ergebnis: Das Risiko für die Fledermäuse war immer dann besonders hoch, wenn viele von ihnen unterwegs sind - in warmen Nächten, wenn es viele Insekten gibt und die Jagdbedingungen für die Fledermäuse gut sind. Für die Säugetiere muss es außerdem relativ windstill sein. Bei einer Windstärke von über drei bleiben sie in ihren Höhlen. Mit diesem Wissen über das Flugverhalten der bedrohten Tiere haben die Wissenschaftler ein Computerprogramm entwickelt, dass die Windkraftanlagen automatisch anhält, wenn besonders viele Fledermäuse umherfliegen.

Energieeinbußen sollen gering sein

Das Forscherteam um Projektleiter Michael Reich hat die Abschalttechnik an 16 Windkraftanlagen getestet. Neben der aktuellen Windstärke und der Uhrzeit kennt das Computerprogramm auch das Datum, denn im Juli wird es später dunkel als zum Beispiel im Mai. Mithilfe des Fledermaus-Schutzprogramms können Windkraftanlagen in Zehn-Minuten-Intervallen ein- und ausgeschaltet werden. Wann und wie lange ein Windrat angehalten werden muss, hängt aber auch von seinem Standort ab. In wald- und höhlenreichen Regionen wie dem Harz gibt es mehr Fledermäuse als anderswo.

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Windräder sind eine Gefahr für Fledermäuse und Vögel.

Die Wissenschaftler schätzen jedoch, dass die wirtschaftlichen Einbußen für die Anlagenbetreiber gering ausfallen werden. Ein Prozent weniger Energie würde durch den Fledermäuseschutz gewonnen, so die ersten Berechnungen. "Das Schlagrisiko für die Fledermäuse hängt sehr stark von der Windgeschwindigkeit ab", sagt Projektleiter Reich. Für die Betreiber sei wichtig, dass die Windräder nicht unnötig früh abgeschaltet werden, betont Reich. Die Ertragseinbußen sollten so gering wie möglich gehalten werden.                                          

Neue Technik schützt keine Vögel

Das Bundesumweltministerium hatte das Projekt mit 400.000 Euro gefördert. Unklar ist noch, ob die Ergebnisse in neue Gesetze einfließen werden. Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt eigentlich vor, dass keine Anlage errichtet werden darf, die Tiere tötet. Trotzdem sterben jedes Jahr Tausende Vögel und Fledermäuse an den Rotorblättern. Umweltschützer wünschen sich, dass diese Abschaltautomatik bei allen neuen Windrädern Pflicht wird. In Bayern könnte das schon bald Realität werden. Von dort kam das Signal, dass künftig nicht mehr als zwei tote Tiere pro Jahr und Anlage toleriert werden. Den Vögeln dürfte die auf Fledermäuse zugeschnittene Technik aber wenig helfen.                                                              

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 09.07.2013 | 08:53 Uhr