Stand: 19.03.2017 10:35 Uhr

Stade: AKW-Rückbau dauert länger als geplant

Das Atomkraftwerk in Stade an der Elbe war 1972 ans Netz gegangen und ging am 14. November 2003 außer Betrieb. Am 7. September 2005 wurde es stillgelegt - laut Betreiber E.ON, weil es unwirtschaftlich war. Es befindet sich in der sogenannten Rückbauphase. Diese sollte ursprünglich 2015 abgeschlossen sein, wegen erhöhter Strahlenwerte am Sockel des Reaktors verzögert sich der Abriss jedoch. Er soll bis 2023 andauern. Betreiber E.ON rechnete ursprünglich mit Kosten von 500 Millionen Euro; nun wird von einer Milliarde Euro ausgegangen. Die Baukosten hatten umgerechnet 150 Millionen Euro betragen.

Das AKW Stade und darüber sind Schlagzeilen wie "Nichts ist sicherer als ein Atomkraftwerk" gelegt. © Hamburg Journal

Hamburg damals: AKW vor der Tür

Hamburg Journal -

In den 70er-Jahren entdeckt Deutschland die Atomkraft für sich. Viele Menschen wollen die auf den ersten Blick saubere Energie. Am 8.1.1972 geht das AKW Stade in den Probebetrieb.

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Brennelemente im französischen La Hague

Nach einer Nachbetriebsphase begann im Jahr 2005 der Rückbau der nuklearen Anlagen. Die Brennelemente waren bereits zuvor entfernt und in die französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague gebracht worden. In der ersten Phase wurde im Kontrollbereich Platz geschaffen und nicht mehr benötigte Komponenten abgebaut; unter anderem Flutwasserbehälter und Druckspeicher. Zusätzlich entfernten die Arbeiter nichtnukleare Anlagenteile wie Frischdampf- und Speisewassersystem, Notstromdiesel, Turbinen und Generatorkomponenten. In der zweiten Phase erfolgte unter anderem der Abbau der vier je mehr als 160 Tonnen schweren Dampferzeuger.

Herzstück des Meilers bereits zerlegt

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Zurück zur "Grünen Wiese"

Das Atomkraftwerk Stade wird Stück für Stück zurückgebaut. Ein aufwendiger und teurer Prozess, der etwa zehn Jahre dauert. Bildergalerie

In der dritten Phase waren die am stärksten belasteten Komponenten an der Reihe. Die Zerlegung des Herzstücks des Atommeilers - des Reaktordruckbehälters - war die brisanteste Aufgabe, denn im Reaktordruckbehälter befanden sich während des Betriebs die 157 Brennelemente. Hier erreichte die Radioaktivität der Anlage ihren Maximalwert. An vorderster Front arbeiteten deshalb auch keine Menschen, sondern ferngesteuerte Roboter in einem hermetisch abgeriegelten Raum, kontrolliert von einer Videoanlage. Mit Schneidbrennern wurde der 190 Tonnen schwere und acht Meter hohe Behälter in 273 Einzelteile zerlegt. Die Arbeiten im Herz des Atommeilers wurden 2010 beendet; insgesamt fielen dabei nach Angaben von E.ON 253 Tonnen Strahlenschrott an. In der vierten und letzten Phase des Rückbaus wurden alle noch verbliebenen Systeme im Kontrollbereich abgebaut - zuletzt Abwasseraufbereitung und Abluftanlage.

Wohin mit dem Strahlenschrott?

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In einer Halle auf dem Gelände lagern schwach- und mittelradioaktive Abfälle.

In Stade fallen insgesamt rund 330.000 Tonnen Schrott an. Der weitaus größte Teil der Rückbaumasse ist Betonschutt oder Stahlschrott. Material, das für unbelastet befunden wurde, kann laut E.ON in anderen Bereichen weiterverwendet oder verwertet werden. Für etwa 3.000 Tonnen Abfälle niedriger und mittlerer Aktivität steht seit 2007 auf dem Gelände das Zwischenlager "LarA" bereit. Die Abfälle lagern in Stahlcontainern und sogenannten Mosaikbehältern. Letztere sind für mittelradioaktive Abfälle ausgelegt und mit Blei verstärkt. Das Zwischenlager, das ausschließlich Abfälle aus dem Rückbau und Betrieb des Kernkraftwerks Stade aufnimmt, ist bis zum Jahr 2047 genehmigt. E.ON will den strahlenden Müll jedoch so früh wie möglich wegschaffen. Er soll ins geplante Endlager Schacht Konrad in Salzgitter gebracht werden.

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