Stand: 01.03.2016 11:27 Uhr

Spenden: Rekord für Kirchen und Hilfsorganisation

von Holger Bock
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Die Deutschen spenden 2015 mehr als fünf Milliarden Euro für Kirchen und gemeinnützige Organisationen. (Themenbild)

Die Deutschen spenden gerne, sind hilfsbereit. Seit Jahren gehen die Spendensummen nach oben. Im vergangenen Jahr sind bundesweit rund 5,5 Milliarden Euro an gemeinnützige Organisationen und Kirchen gegangen. Im Vergleich zum Rekordjahr 2014 noch einmal eine Steigerung von 11,7 Prozent. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Deutschen Spendenrates. Zweites Ergebnis: 47 Prozent der Bundesbürger haben sich im vergangenen Jahr für Flüchtlinge in Deutschland engagiert. Und Ergebnis Nummer drei: "Rund die Hälfte der Deutschen befürchtet durch die Flüchtlingswelle benachteiligt zu werden", sagte Daniela Felser vom Deutschen Spendenrat.

Spendengewinner waren Not- und Katastrophen- sowie Flüchtlingshilfen

Hauptnutznießer der großen Hilfsbereitschaft waren die Not und Katastrophenhilfen sowie alle Organisationen, die sich um Flüchtlinge im In- und Ausland gekümmert haben. Diese Organisationen machten rund 80 Prozent der Spendensumme aus, im Vergleich zum Jahr 2014 ein Plus von 476 Millionen Euro. So manche Organisation, die nichts mit Flüchtlingen zu tun hatte, befürchtete schon Ende des vergangenen Jahres aufgrund der Flüchtlingskrise mit weniger Spenden auskommen zu müssen. Und diese Befürchtung ist wohl auch eingetreten, wie die Umfrage des Spenderates belegt. Die Bedeutung der Kirchen und der Top 30 der nicht konfessionellen Organisationen ist weiter angestiegen, kleinere Initiativen haben an Bedeutung verloren.

Niedersächsischer Kinderschutzbund fordert mehr Unterstützung

So zum Beispiel beim niedersächsischen Kinderschutzbund: "Dort sind im vergangenen Jahr bei allen Kreis- und Ortsverbänden zusammen zwar Spenden und Beiträge Höhe von rund 2,4 Millionen Euro eingegangen", sagte der Landesvorsitzende Johannes Schmidt. "Das ist in etwa so viel wie in den Vorjahren." Allerdings würden in den Kommunen nun auch immer mehr Flüchtlingskinder Hilfen benötigen. Um diesen zusätzlichen Hilfen anbieten zu können, würde der Kinderschutz auch mehr Geld brauchen. Mit den vorhandenen Mitteln sei das nicht möglich, so Schmidt, auch mit Blick auf die vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge.

Niedersachsens Tafeln: Spenden konstant hoch - Ehrenamtliche fehlen

Auch andere Institutionen in Niedersachsen mussten zwar keine Einbrüche durch die Flüchtlingskrise hinnehmen, übernehmen jetzt aber mehr und mehr zusätzliche Aufgaben. Die Hilfsbereitschaft sei weiterhin hoch, berichtet Karl-Heinz Krüger von den Tafeln in Niedersachsen und Bremen. Die Bereitschaft Nahrungsmittel zu spenden sei immer noch hoch. Allerdings würden nun an einigen Standorten ehrenamtliche Helferinnen und Helfer fehlen, weil die Zahl der Kunden auch im vergangenen Jahr wieder gestiegen sei. Zu den neuen Kunden der Tafeln würden in vielen Kommunen mittlerweile eben auch die Flüchtlinge gehören.

Kein Einbruch bei Spenden für Tier- und Umweltschutz in Niedersachsen

Andere Organisationen sind schon froh, wenn sie ihre Spendensumme der Vorjahre halten können. Doch genau das scheint vielen Initiativen auch gelungen zu sein, aber nur, weil die Spendensumme des Jahres 2015 insgesamt wieder erheblich angestiegen ist. Und nur deshalb gab es bei anderen Organisationen eben auch keine Einbrüche, höchstens ein paar Sorgenfalten.

Drogenberatung "Neues Land" spürt Umverteilung von Spenden zu Flüchtlingen

So zum Beispiel der christlichen Drogenberatung in Hannover. Die Streetworker sind für ihre Arbeit auch auf Spenden angewiesen und spüren nach eigenen Angaben nun auch eine Umverteilung hin zu Flüchtlingen. Ähnlich sieht es bei der Obdachlosenhilfe aus, allerdings sieht man das beim Obdachlosenmagazin "Asphalt" in Hannover auch positiv. Soziale Themen seien wieder in der öffentlichen Diskussion präsent, das werde langfristig auch anderen Gruppen helfen, ist man sich dort sicher.

Tierschutzvereine in Niedersachsen mit Spendenjahr zufrieden

Weitgehend zufrieden mit dem Spendenaufkommen des Jahres 2015 ist beispielsweise Heiko Schwarzfeld vom Verband Niedersächsischer Tierschutzvereine. Zu den Verlierern beim Wettbewerb um Spenden könnte im vergangenen Jahr die Denkmalpflege gehören. Zumindest bundesweit gehören die Denkmalpflege (im Vergleich zu 2014 ein Minus von 11 Millionen Euro Spendengeld) sowie der Umwelt- und Naturschutz (im Vergleich zu 2014 ein Minus von 19 Millionen Euro Spenden) zu den Verlierern. Ob das auch für den Naturschutz in Niedersachsen zutrifft, ist noch unklar. Denn traditionell spenden Niedersachsen für Tier- und Umweltschutz überproportional mehr als beispielsweise Nordrhein-Westfalen, sagen jedenfalls die Konsumforscher der GfK.