Stand: 26.01.2016 16:39 Uhr

Somalischer Pirat für Verurteilung zu jung

Im Mai 2010 haben Piraten vor der somalischen Küste den Tanker "Marida Marguerite" einer emsländischen Reederei überfallen. Acht Monate lang hielten sie die Besatzung des Schiffes gefangen und folterten sie. Einige der Täter sind mittlerweile im Gefängnis, einer sitzt etwa seine zwölfjährige Haftstrafe in Oldenburg ab. Doch der mutmaßlich schlimmste Folterer ist auf freiem Fuß, wohnt als Asylbewerber unter dem Namen Ahmed in Hannover. Belangen können Niedersachsens Ermittlungsbehörden den Mann nicht - auch wenn sich die Ermittler vom Landeskriminalamt (LKA) in Hannover sicher sind, dass Ahmed eigentlich auf den Namen "Buudi Gaab" hört und für Folter auf dem Schiff verantwortlich gewesen sein soll. Das Problem: Niemand weiß, wie alt er wirklich ist, Papiere hat er nicht. Einem Altersgutachten zufolge soll er zum Zeitpunkt der Taten erst zwischen zwölf und 14 Jahre alt gewesen sein - zu jung für eine Strafverfolgung, wie René van Münster, Sprecher der Osnabrücker Staatsanwaltschaft, am Dienstag den Bericht von Panorama 3 und der "ZEIT" kommentierte. Deshalb sei das Verfahren eingestellt worden.

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Mutmaßlicher Pirat: Folterer oder unschuldiges Kind?

Das LKA Niedersachsen ist sicher: Ahmed war bei der Entführung der "Marida Marguerite" dabei, hat Seeleute gefoltert. Doch er ist auf freiem Fuß, weil sein wahres Alter im Dunkeln liegt. mehr

Ahmed nicht unter Beobachtung

Das Gutachten, bei dem ein Mediziner anhand verschiedener Knochen ein Mindestalter bestimmt hat, sei umstritten. Doch um das Ergebnis zu widerlegen, bräuchten die Ermittler Papiere, die ein anderes Alter beweisen, erklärt das LKA. Dass der Mann, der im März 2015 eher zufällig wegen gefälschter Papiere aufgegriffen wurde, sich aktuell in Hannover aufhält, hat nach Information der Behörde nichts mit den Ermittlungen zu tun. Seinen Aufenthaltsort habe sich Ahmed selbst ausgesucht. Derzeit gebe es auch keinen Grund, ihn unter Beobachtung zu stellen.

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"Er kannte keine Gnade"

26.01.2016 21:15 Uhr
Panorama 3

Für Chirag Bahri, ehemaliger technischer Offizier der "Marida Marguerite", ist Buudi Gaab "die grausamste Person, die ich je kennengelernt habe". Bahri wurde an Bord massiv gefoltert. Video (01:24 min)

"Im Zweifel für den Angeklagten"

Bei den Ermittlungen wurde das niedrigste Alter zugrunde gelegt, schließlich gilt der Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten". Für ihn gelte die Unschuldsvermutung, sagt der für den Fall zuständige Osnabrücker Staatsanwalt Jörg Schröder. "Doch die Beweismittel, die wir auswerten konnten, sind stichhaltig." Dazu zählen aktuelle Zeugenaussagen, die Ahmed als Buudi Gaab identifizieren, sowie Dutzende Fingerabdrücke an Bord des Schiffes.

LKA ermittelt auch zu anderen Frachter-Entführung

Bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück und dem LKA in Hannover wird auch wegen der Entführung der "Susan K." ermittelt. Das Schiff einer Reederei aus Leer war im April 2011 vor der Küste Omans von Piraten gekapert worden. Fast zweieinhalb Monate wurde die Besatzung festgehalten. Erst als die Reederei Lösegeld in mehrfacher Millionenhöhe zahlte, kamen die Menschen frei. In diesem Fall habe das Landgericht Aurich bereits in zwei Fällen Urteile gesprochen, sagte der Sprecher des Landgerichts, Jürgen Rohlfs.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.01.2016 | 16:00 Uhr