Stand: 14.03.2016 12:03 Uhr

So schnell verraten Haushaltsgeräte Ihre Daten

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Kühlschrank mit Internetanschluss: Experten raten aus Datenschutzgründen davon ab.

Waschmaschine, Babyphone, Kaffeemaschine - das ist nur eine sehr kleine Auswahl von Haushaltsgeräten, die es mittlerweile schon mit einer Internet-Anbindung gibt. Das "Internet der Dinge" produziert täglich eine Unmenge von Daten. Viele von ihnen sind bisher aber kaum gegen unberechtigten Zugriff geschützt. Die CeBIT hat das Thema Datensicherheit erneut zu einem ihrer Schwerpunkte gemacht.

Vibratoren mit Bluetooth

Der Sicherheits-Experte Udo Schneider von Trend Micro zeigt, was die Digitalisierung unseres Alltags konkret bedeuten kann. Er hackt ein Sexspielzeug - einen Vibrator. Von Schneiders Handy aus ferngesteuert, brummt das Gerät fröhlich los - ganz ohne Zutun des oder der Eigentümerin. "Das Interessante an den Geräten ist: Die sind komplett ohne Sicherheit", sagt Schneider. Vibratoren mit Bluetooth-Anbindung gehören laut Schneider schon heute zum "Internet der Dinge": "Das kommt nicht erst in zehn Jahren".

Hersteller verdienen an Internet-Anbindung

Der Grund, warum die Hersteller dieser - im weitesten Sinne - "Haushaltsgeräte" so sehr an einer Internet-Anbindung interessiert sind, liegt auf der Hand. Es lässt sich viel Geld damit verdienen - bei überschaubaren Mehrkosten von etwa 1,50 Dollar für einen WLAN-Chip. Durch diesen erhält der Kunde laut Schneider ein sogenanntes "Smart Device", also einen informationstechnisch aufgerüsteten Alltagsgegenstand, beispielsweise mit passender Handy-App oder Facebook-Integration. "Und peng! Aus einem 20-Euro-Wasserkocher haben Sie einen 40-Euro-Wasserkocher gemacht."

"Kein Datensatz, der nicht zu Geld gemacht wird"

Bei einer Internet-Anbindung besteht aber nicht nur die Gefahr, dass Geräte gekapert werden, sondern auch, dass Dritte sich die Daten, die sie fortwährend ins Netz schicken, zunutze machen. In dieser Hinsicht solle sich niemand Illusionen machen, sagt Thorsten Urbanski vom Sicherheitssoftware-Unternehmen G-data. Es gebe für alles einen Markt, seien es Telefonnummern oder Accountdaten: "Es gibt heutzutage keinen Datensatz, der nicht zu Geld gemacht wird", sagt er.

Täter im Darknet "hochprofessionell"

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Erst Ende Februar war das Bundeskriminalamt mit einer großen Razzia gegen das sogenannte Darknet vorgegangen - also gegen Internet-Plattformen, auf denen mit gestohlenen Daten gehandelt worden ist. Die Täter, so sagt Dirk Kollberg vom Sicherheitssoftware-Hersteller Kaspersky, seien aber häufig einen Schritt weiter als die Ermittler. Sie arbeiten demnach hochprofessionell und international. Ähnlich wie bei Marktplattformen im Internet seien beispielsweise auch im Darknet Bewertungen von Anbietern zu finden - bloß, dass es sich dabei um Kriminelle handle.

Experten raten zu Geräten ohne Internet-Anschluss

Noch sei es für die Verbraucher schwierig, sich vor dem Verlust ihrer Daten zu schützen, sagen die Experten. Solange die Hersteller nicht für mehr Sicherheit sorgten, sei es im Zweifel besser, sich für ein Gerät ganz ohne Internet-Anschluss zu entscheiden.

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NDR Info | 14.03.2016 | 07:41 Uhr