Stand: 04.01.2016 10:38 Uhr

Pistorius gegen Flüchtlings-Obergrenze

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Boris Pistorius hält eine Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr für unrealistisch.

Die Debatte über eine Obergrenze für Flüchtlinge reißt nicht ab. CSU-Chef Horst Seehofer hat zum ersten Mal eine konkrete Zahl genannt: 200.000 Flüchtlinge pro Jahr seien verkraftbar. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hält diese Zahl für unrealistisch und zu niedrig. Das sagte der SPD-Politiker auf NDR Info.

"Deutschland ist in der Lage mehr Flüchtlinge aufzunehmen"

"Wer eine Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen festlegt, sollte sich Gedanken darüber machen, wie er das einhalten will, wenn die Menschen da sind", so Pistorius. Deutschland sei durchaus in der Lage, mehr Flüchtlinge aufzunehmen als 200.000 pro Jahr. Dafür brauche man aber Konzepte, und den festen Willen auf beiden Seiten, Integration zum Erfolg werden zu lassen, sagte er.

"Wir brauchen eine faire Verteilung"

Nach Auffassung von Pistorius sei klar, dass man nicht jedes Jahr 750.000 oder gar eine Million Flüchtlinge aufnehmen könne. Das sei nicht leistbar. "Wir brauchen eine europäische Lösung und eine faire Verteilung", forderte er. Außerdem müsse man sich darum bemühen, dass sich die Flüchtlinge in Deutschland schnell integrieren. "Integration kostet Kraft und Geld", sagte der Politiker. Dabei habe er auch den sozialen Frieden im Blick. "Wir müssen den Menschen, die schon hier leben und die von hier kommen, das Gefühl geben, dass sie nicht vergessen werden", so Pistorius.

Mehr Abschiebungen geplant

"Selbstverständlich" würde Niedersachsen in Zukunft mehr und verstärkt Menschen abschieben. Dies ginge zum Schutz des Asylsystems nicht anders. Allerdings seien viele Asylanträge derzeit noch nicht fertig bearbeitet. "Erst im Laufe diesen Jahres wird die Zahl der Abschiebungen deutlich spürbar nach oben gehen können", sagte er.

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