Stand: 18.05.2017 15:44 Uhr

Papp-Papst macht Urlaub in Vechta

von Anna Novak

An der Universität Vechta gibt es in diesem Jahr eine besondere Ringvorlesung: "Alles neu? Aufbrüche unter Papst Franziskus". Als kleine Werbeaktion hat die Hochschulgemeinde der Uni eine lebensgroße Pappfigur von Papst Franziskus im Foyer der Campuskirche aufgestellt. Doch nun hat sich diese offenbar aus dem Staub gemacht.

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Die Campuskirche in Vechta sieht die "Urlaubsreise" des Papp-Papstes locker.

Der Papst ist weg. Als die Theologen der Hochschulgemeinde an der Uni Vechta am Dienstagmorgen in die Kirche auf dem Campus kommen, sei der lebensgroße Pappaufsteller von Papst Franziskus spurlos verschwunden gewesen, erzählt Pastoralreferent Peter Havers. "Zurückgeblieben ist ein Bekennerschreiben, mit dem Hinweis, dass der Papst Urlaub macht."

Zu der Papppast-Entführung bekannt hat sich eine Gruppe, die sich "Feministische Aktion Vechta" nennt. Dahinter stecken - wenig verwunderlich - Studentinnen und Studenten, wie die Hochschulgemeinde vermutete. Lebenszeichen aus dem Urlaub gab es bereits: "Zweimal hat er sich gemeldet. Einmal steht er auf einem der hiesigen Supermarktparkplätze und hat einen Einkaufswagen vor sich mit Snacks und ein Bier in der Hand. Der zweite Gruß ist sehr chillig: Offensichtlich hat er sich ein bisschen ausgeruht bei einer Fernsehserie und darüber nachgedacht, was Männer und Frauen sind, was sie unterscheidet - und was den Begriff 'Gender' so ausmacht."

Aktionsgruppe nennt Motive

Ihre Motive erklärt die Feministische Aktion Vechta in einem Statement exklusiv gegenüber NDR Kultur: Sie wollen für Gleichberechtigung eintreten und auf alltäglichen Sexismus hinweisen.

"Wir haben den Papstaufsteller aus der Tristesse der Uni Vechta "befreit", damit er uns bei der Aufklärung und Bekämpfung geschlechtsspezifischer gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten helfen kann. Mit alltäglichem Sexismus umzugehen ist für niemanden einfach und kommt auch in einem universitären Kontext vor. Mit dem ländlichen Raum in Vechta kommen weitere traditionelle und eingefahrene Verhaltens- und Gedankenweisen zum Tragen: Die direkte Anwendung von Kirche und Uni und die Beziehung von Religion und Bildungsstätte. Zu einer aufgeklärten Weltsicht gehört, nach Meinung der FAV die Trennung dieser Beziehung und das Erkennen und Verhindern alltäglichen Sexismus. Leider sind heutige bedeutende Figuren in unserer Gesellschaft immer noch männlich, weiß und heteronormativ-denkend und bis zur völligen Gleichberechtigung aller Geschlechter ist es noch ein langer Weg. Wir möchten also die Gesellschaft mit Hilfe dieser kleinen Aktion ein wenig aufrütteln, zum intersektionalen Denken anregen und aufzeigen, wie wichtig der Feminismus auch im 21. Jahrhundert noch ist. Das Oberhaupt einer Institution, die die ganze Gesellschaft durchdringt und Frauen bewusst unterdrückt, eignet sich daher sehr gut als Sprachrohr für unser Anliegen." Feministische Aktion Vechta

Theologen sehen es gelassen

Peter Havers und seine Theologenkollegen nehmen die Aktion den Entführern nicht krumm. Im Gegenteil: Sie ärgern sich, dass sie nicht selbst auf die Idee gekommen sind, den Papst auf die Reise zu schicken: "Wenn wir unseren Papst richtig verstehen, Papst Franziskus, dann wäre er der Letzte, der im Foyer der Kirche am Campus stehenbleibt. Sondern auch, dass er rausgeht zu den Menschen, mitten in die Gesellschaft und mit den Leuten ins Gespräch kommt. Hören will, wie das Leben geht und die Botschaft, für die wir stehen als Christen, dort verkünden will."

Urlaubsanträge mit Papp-Papst erwünscht

Wenn der Papstaufsteller aus dem Urlaub zurückgekehrt ist, wünschen sich Havers und die Hochschul-Pastoren einen Dialog: "Wir haben schon den zweiten Papp-Papst bestellt und würden uns freuen, wenn sich Gruppen melden, die auch mal mit dem Papst unterwegs sein wollen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 18.05.2017 | 18:40 Uhr

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