Stand: 14.02.2016 17:58 Uhr

Von Bordell-Gutscheinen für Flüchtlinge und anderen Hoaxes

Auf der interaktiven Online-Karte hoaxmap.org werden falsche Gerüchte über Flüchtlinge entlarvt.

Anfang Februar hat ein in Hannover gedrehtes Video eines russischen Fernsehsenders für großes Aufsehen gesorgt. Angeblich sollte es eine Vergewaltigung und einen Mord in einer hannoverschen Flüchtlingsunterkunft belegen. Die Polizei betonte mehrfach, dass es derartige Taten nicht gegeben habe, dennoch verbreitete sich das Gerücht rasant in den sozialen Netzwerken. Weil diese Geschichte kein Einzelfall ist und immer häufiger Falschmeldungen über Flüchtlinge im Internet kursieren, hat Karolin Schwarz aus Leipzig jetzt eine interaktive Online-Karte ins Leben gerufen.

Nach wenigen Tagen schon 229 Fälle

Auf hoaxmap.org visualisiert die 30-Jährige Orte, an denen Gerüchte über Flüchtlinge entstanden und widerlegt worden sind. Wie sich zeigt, gibt es davon jede Menge: Denn bereits nach einer knappen Woche listet die Karte 229 Fälle aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf, sieben davon stammen aus Niedersachsen. "Heutzutage gibt es an jeder virtuellen Straßenecke Gerüchte über Flüchtlinge, die gefühlt an Intensität zugenommen haben", sagte Schwarz dem Evangelischen Pressedienst (epd). Für jede Falschmeldung gibt es auf der Karte einen gelben Punkt, hinter dem sich Informationen über das Gerücht verbergen. Außerdem wird der Nutzer über einen Link auf den entsprechenden Presseartikel geleitet, der die Falschmeldung entlarvt.

Was ist ein Hoax?

Hoax ist das englische Wort für Jux, Scherz oder auch Schwindel. Es bezeichnet eine Falschmeldung, die oftmals über das Internet gestreut wird und auf die Gutgläubigkeit der Nutzer setzt, die die Meldung weiterverbreiten.

Angeblich Bordellgutscheine für Flüchtlinge

Die im Internet verbreiteten Gerüchte sind haarsträubend: So sollen Flüchtlinge in Ilsede angeblich große Mengen von Abfall illegal entsorgt haben, während in Wilhelmshaven angeblich die Stadt einen Großeinkauf von Schuhen bezahlt haben soll. In Weyhausen (Landkreis Gifhorn) wiederum kursierte die Falschmeldung, dass sich drei Asylbewerber auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums ungefragt in das Auto einer 76-Jährigen gesetzt hätten und dann verlangten, sie in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Ehra-Lessien zu fahren. Noch übertroffen wird das allerdings von einem Gerücht aus Bremen: Hier soll das Land - so erzählt man sich im Internet - wegen der Zunahme an sexuellen Übergriffen Bordellgutscheine an männliche Flüchtlinge verteilt haben.

Viele Hinweise auf Falschmeldungen

Schwarz hat die meisten falschen Gerüchte über Suchmaschinen und den Kurznachrichtendienst Twitter entdeckt. Seit die Karte am 8. Februar online gegangen ist, hat sie zudem zahlreiche Hinweise auf Gerüchte und deren Widerlegung bekommen. Nach sorgfältiger Prüfung der Informationen will sie diese in ihre Seite einbauen. Mit den Gerüchten über Flüchtlingen beschäftigte sich die Unternehmensberaterin ausschließlich in ihrer Freizeit. Die Idee zu der Seite sei ihr während ihrer ehrenamtlichen Arbeit in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Leipzig von August bis Ende des Jahres 2015 gekommen. "Wenn man Leuten erzählt, dass man mit Flüchtlingen arbeitet, dann kommen ganz automatisch Gerüchte, mit denen man konfrontiert wird", so Schwarz.

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