Stand: 31.05.2017 07:50 Uhr

Landtags-Kommission: Der Stasi auf der Spur

von Angelika Henkel

Mindestens 400 Personen in Niedersachsen waren nachweislich im Visier der Stasi. Zu diesem Ergebnis kommt nach Informationen von Hallo Niedersachsen die Enquete-Kommission des Landtages "Verrat an der Freiheit - Machenschaften der Stasi in Niedersachsen aufarbeiten" in ihrem Abschlussbericht. Die Dunkelziffer könnte nach Einschätzung von Experten noch deutlich über dieser Zahl liegen.

Stasi interessiert sich für einflussreiche Personen

Insgesamt beschäftigte sich die Staatssicherheit der DDR mit einer großen Zahl prominenter und einflussreicher Personen. Vielfach waren es Menschen, die bereits vor 1945 Karriere gemacht hatten und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in der Polizei- oder Justizverwaltung eingesetzt wurden.

Drei Personengruppen im Visier

Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass drei Personengruppen im Fokus standen. Rund 200 Personen wurden als "Angreifer" von der Stasi bearbeitet. Darunter verstand das Ministerium für Staatssicherheit jene Menschen, die der offenen oder verdeckten Arbeit gegen die DDR verdächtig wurden, zum Beispiel oft in die DDR reisten. Etwa 100 Personen galten als "Verräter". Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) meinte damit all jene Personen, die aus der DDR in die Bundesrepublik geflüchtet waren. Rund weitere 100 Menschen wurden von der Stasi auf Nützlichkeit überprüft, etwa weil man glaubte, sie seien für eine Zusammenarbeit mit dem DDR-Geheimdienst bereit.

Sendereihe des NDR als Auslöser

Erste Ergebnisse der Kommissionsarbeit werden am Dienstag im Landtag dem "Niedersächsischen Netzwerk der SED- und Stasiopfer" vorgestellt. Die Enquete-Kommission hat zwei Jahre lang systematisch die Ziele und Methoden der Stasi aufgearbeitet. Auslöser war eine Sendereihe von Hallo Niedersachsen und NDR Info, die über Top-Spione, Netzwerke und Schicksale berichtet hatte.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 30.05.2017 | 19:30 Uhr

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