Stand: 06.01.2016 15:02 Uhr

Kommentar: "Köln darf sich nicht wiederholen"

von Marlis Fertmann
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Marlis Fertmann, Fernsehchefin im Landesfunkhaus Niedersachsen, kommentiert die sexuellen Angriffe in der Silvesternacht.

In der Silvesternacht sind Frauen in Köln, Hamburg und Stuttgart von Männern sexuell angegriffen worden, wurden ausgeraubt. Die Polizei spricht Neujahr von einer friedlichen Nacht.
Das macht mich wütend.
Wütend macht mich, dass das ganze Ausmaß dieser abscheulichen Straftaten erst nach und nach ans Licht kommt und öffentlich wird.

Frauen, die feiern wollten, werden von Männern umzingelt, werden von ihren Freundinnen systematisch getrennt, ihnen wird in den Schritt, unter den Rock, in den Slip gegriffen, sie werden am Busen begrapscht, ausgeraubt.

Warum fängt man mit der Strafverfolgung erst Tage später bei null an?
Warum geht nicht sofort, sondern erst Tage später ein Aufschrei durch dieses Land?
Warum rät die Oberbürgermeisterin von Köln den Frauen, sich nur auf Armeslänge Männern zu nähern?
Warum wurden diese Täter nicht festgenommen?

Es waren Männer, die aus dem nordafrikanischen oder arabischen Raum kommen.
Warum sprechen viele davon, dass man Flüchtlinge nicht unter Generalverdacht stellen darf?
Das tut niemand. Es ist eine Täterbeschreibung. Nicht mehr nicht weniger.
Wer gegen unsere Gesetze verstößt, wird belangt.
Unabhängig von seiner Nationalität, Hautfarbe, Religion und seines Geschlechts.

Ich möchte wissen, was sind das für Männer?
Welches Ziel verfolgen sie?
Sind sie organisiert? Haben sie sich über soziale Netzwerke verabredet? Dafür spricht vieles, denn es passierte in Köln, Hamburg und Stuttgart.

Wir leben in einem Rechtsstaat und ich vertraue darauf, dass der funktioniert. Die Gesetze gelten für alle und die Gesetze schützen alle, Männer und Frauen, Deutsche, Migranten und Flüchtlinge.

Diese Straftaten sind unfassbar, sind nicht hinnehmbar und werden nicht hingenommen, weil uns unsere Gesetze schützen und weil unsere Gesetze Straftaten wie diese verbieten.

Köln darf sich nicht wiederholen.

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