Stand: 20.04.2017 06:00 Uhr

Kokainfunde in Ostfriesland: Spur nach Belgien

Nach den jüngsten Funden von elf Kokain-Paketen auf den ostfriesischen Inseln führt eine Spur nach Belgien. Die Staatsanwaltschaft Brügge hält es nach Informationen von NDR Info für möglich, dass die jetzt gefundenen Drogen von derselben Bande stammen wie das Kokain, das Anfang April aus der Nordsee vor Belgien gefischt wurde.

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Angespülte Kokain-Päckchen auf ostfriesischen Inseln: Gibt es einen Zusammenhang mit ähnlichen Funden an der belgischen Küste?

1,25 Tonnen Kokain in 25 Sporttaschen hatte die belgische Polizei am 2. April aus dem Meer vor Ostende geborgen. Marktwert: mehr als 60 Millionen Euro. In den Taschen fanden sich in schwarzer Folie verschweißte Päckchen. Und die sähen auf den ersten Blick genauso aus wie die ziegelsteingroßen Pakete, die jetzt auf Borkum, Baltrum und Norderney gefunden wurden, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Brügge auf Anfrage von NDR Info. Sie kündigte an, man werde Kontakt mit der deutschen Polizei aufnehmen - um herauszufinden, ob es sich um Kokain derselben Schmugglerbande handelt. Noch habe sich aus Niedersachsen niemand gemeldet.

Pakete gehen auf hoher See über Bord

Zurückgehen könnte der Fund auf einen Schmuggel aus Südamerika nach Europa nach der sogenannten Drop-Off-Methode. Zollfahnder Wolfgang Schmitz sagte darüber vor kurzem in einem NDR-Interview, man habe auch in der Vergangenheit Fälle gehabt, "in denen Täter Kokain wasserdicht verpackt haben, so dass es hochseetauglich war". Die Drogen würden dann gar nicht erst in Häfen gebracht. Entdeckt werden sie oft nur, wenn etwas schiefläuft. Schmitz erinnert an einen Fall 2007, als Kokain auf Sylt am Strand gefunden wurde. "Offensichtlich wurden die Säcke ins Wasser abgeworfen, in der Hoffnung, dass jemand da ist, der sie dort auffängt."

Dramatische Zunahme des Kokainschmuggels

Die Spur führte damals nach Belgien - wie auch im aktuellen Fall. Wenig überraschend, denn der Hafen von Antwerpen war vergangenes Jahr das wichtigste Einfallstor für Kokain nach Westeuropa. Aber auch in den norddeutschen Häfen Hamburg und Bremerhaven werden Rekordfunde gemeldet. Die seit Januar vom Zoll sichergestellte Menge liegt bei mehr als einer Tonne und damit schon jetzt über der Menge von 2016.

Seit Jahren wird weltweit immer mehr Kokain gefunden, stellt das Bundeskriminalamt (BKA) fest. Nach Zahlen einer internen Auswertung des BKA, über die der NDR Anfang März berichtet hatte, stiegen die weltweit sichergestellten Kokainmengen über 50 Kilogramm in den vergangenen beiden Jahren um 72 Prozent auf 576 Tonnen an. BKA-Referatsleiterin Bettina Fehlings sprach von einer "dramatischen Entwicklung, die uns tatsächlich Sorgen bereitet". Das gestiegene Angebot treffe in Deutschland auf eine erhöhte Nachfrage der Konsumenten.

Wunsch nach mehr Personal

Rauschgiftfahnder bei Polizei und Zoll schätzen, dass sie nur einen Bruchteil des Kokains finden und nur einen Teil der Drogenschmuggler festnehmen können. Sie wünschen sich mehr Personal für verstärkte Kontrollen und komplizierte Ermittlungen. Sie wissen aber auch: Es wird ein Wunsch bleiben in Zeiten von Terrorismusbekämpfung und Flüchtlingskrise.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 20.04.2017 | 06:11 Uhr

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