Stand: 15.12.2014 14:25 Uhr  | Archiv

Wo sind Gruben mit giftigem Bohrschlamm?

von Alexa Höber
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Kontaminierter Bohrschlamm stellt eine Bedrohung für das Grundwasser dar.

Nach Recherchen von Markt ist der Boden in Niedersachsen an vielen Stellen stark mit Öl verunreinigt. Bis in die 70er-Jahre wurde kontaminierter Bohrschlamm aus der Öl- und Gasförderung häufig direkt neben Förderanlagen in Gruben gefüllt. Deshalb liegen bis heute in ländlichen Gebieten Zehntausende Tonnen giftigen Bohrschlamms, der Schwermetalle, radioaktive Stoffe und Mineralölkohlenwasserstoffe enthalten kann.

Umweltminister Wenzel: "Ein Programm für Jahre"

Wo genau Gruben mit giftigem Bohrschlamm liegen und ob Sanierungsbedarf besteht, will jetzt eine Arbeitsgruppe des Wirtschafts- und Umweltministeriums und des Landesbergamts herausfinden. "Das ist ein Programm für Jahre", sagt der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel.

Bürger können Verdachtsflächen melden

Augenzeugen, die Hinweise auf alte Bohrschlammgruben haben, können sich beim niedersächsischen Umweltministerium, dem Wirtschaftsministerium, dem Landesbergamt oder den jeweiligen Landkreisen melden. Auch Markt hat eine Karte eingerichtet, auf der Verdachtsflächen gekennzeichnet werden können. Voraussetzung, um einen Ort zu markieren, ist ein Google-Konto. Eine andere Möglichkeit ist, den Ort möglichst genau in einer E-Mail an die Redaktion zu beschreiben: markt@ndr.de.

Umweltminister sieht Unternehmen in der Pflicht

Verantwortlich für die Bohrschlammgruben sind die Rechtsnachfolger des Verursachers, die Unternehmen Exxon Mobil und RWE DEA. Sie haben bereits angekündigt, die Kosten für Sanierungen zu tragen. Umweltminister Wenzel sieht die Unternehmen außerdem in der Pflicht, sich an den Untersuchungen finanziell zu beteiligen. Allein der Landkreis Rotenburg hat dafür im Haushalt 2015 rund 100.000 Euro eingeplant.

Anzahl der Bohrschlammgruben ist unbekannt

Nach Schätzungen des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie gibt es in Niedersachsen wenige hundert bis mehrere tausend Bohrschlammgruben. Nur 38 Gruben stehen unter Bergaufsicht und werden damit vom Landesbergamt beaufsichtigt. Alle anderen Gruben liegen in der Zuständigkeit der Landkreise, in denen sich die Gruben befinden.

Schadstoffe im Grundwasser

Nach Recherchen von Markt muss jetzt auch die Bauschuttdeponie Steimbke im Landkreis Nienburg/Weser untersucht werden, weil dort verunreinigter Bohrschlamm eingefüllt wurde und Schadstoffe ins Grundwasser gelangt sind. Das zeigen Wasserproben, die bis 2009 genommen wurden. Seitdem gab es keine weiteren Untersuchungen. Der Fall sei liegen geblieben, sagt Stefan Wittke, Pressesprecher des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums. Nach dem Bericht von Markt wurde erneut Proben genommen. Mit Ergebnissen wird noch vor Weihnachten gerechnet.

Strafrechtliche Folgen für Exxon Mobil?

Verantwortlich für den Bohrschlamm in der Bauschuttdeponie Steimbke ist Exxon Mobil, Nachfolger der BEB Erdgas und Erdöl GmbH. Das Unternehmen steht in der Pflicht, eine möglicherweise notwendige Sanierung zu bezahlen, heißt es im Wirtschaftsministerium. Die ungenehmigte Ablagerung wassergefährdender Stoffe könne auch strafrechtlich verfolgt werden. Da die Verschmutzung womöglich schon Jahrzehnte zurückliege, könne es aber schwierig werden, jemanden persönlich haftbar zu machen.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 15.12.2014 | 20:15 Uhr