Stand: 03.01.2016 16:04 Uhr

Gehen Windpark-Verpächter über Vogel-Leichen?

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Wo der Rotmilan fliegt, dürfen keine Windräder gebaut werden. (Archivbild)

Windkraft ist ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende. Doch nicht überall, wo die Windkraftanlagen viel Strom erzeugen könnten, dürfen sie auch gebaut werden. Denn die riesigen Anlagen mit den großen Rotorblättern sind für manche Tiere wie Vögel und Fledermäuse gefährlich. Neue Anlagen dürfen deshalb nicht in Gebieten gebaut werden, wo bedrohte Arten leben. Die Deutsche Wildtier Stiftung und der Naturschutzbund (Nabu) erheben nun den Vorwurf, dass auf potenziellen Flächen für Windkraftanlagen Vogelnester zerstört, Jungvögel und erwachsene Tiere getötet werden. Betroffen seien vor allem der Rotmilan und der Schreiadler, die beide auf der Roten Liste für bedrohte Tierarten stehen.

Umweltverbände: 80.000 Euro jährlich für eine Windanlage

Bundesweit wurden nach Angaben des Biologen Jochen Bellebaum in den vergangenen vier Jahren 41 Fälle von Übergriffen auf Tiere gezielt - rund die Hälfte davon 2015. Grundlage für die Erhebung der Umweltschützer sind die zur Anzeige gebrachten Vorfälle - denn die Zerstörung von Horsten ist eine Straftat. So sollen Anfang Dezember im Landkreis Helmstedt Bauinteressenten Nester von Rotmilanen zerstört haben. In Nordrhein-Westfalen wurden nach Informationen der Umweltschützer sogar Jungvögel im Nest erschlagen. Wer die Täter sind, sei meistens unklar, so Bellebaum. Der gesunde Menschenverstand lege aber den Verdacht nahe, dass es die Eigentümer der Ländereien seien, die diese gewinnbringend an Windanlagen-Betreiber verpachten wollten. Nach Angaben der Umweltverbände erhalten Landeigentümer rund 80.000 Euro für eine Anlage im Jahr - das seien in 20 Jahren 1,6 Millionen Euro.

Bundesverband Windenergie: Datenlage ist zu dünn

Als "absurd und nicht real" bezeichnet der Bundesverband Windenergie diese Zahlen. Wo Nester von Greifvögeln zerstört würden, gebe es auch keine Baufreigabe, sagte ein Sprecher des Verbands. Seiner Meinung nach ist die Datenlage der Naturschützer zu dünn. Tatsächlich gibt es laut einer Sprecherin des Umweltbundesamtes keine seriöse Dokumentation. Das Problem an sich sei aber vom "Hörensagen bekannt". Auch das niedersächsische Umweltministerium und der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz sind mit der Problematik vertraut. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt allerdings vor voreiligen Schlüssen: "Illegales Handeln Einzelner darf nicht als Messlatte für alle benutzt werden", sagte Magnus Wessel, Leiter der Naturschutzpolitik des BUND.

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