Stand: 31.08.2017 15:35 Uhr

Geflügelpest: Wie weiter mit der Stallpflicht?

Es ist mittlerweile ruhig geworden um die Vogelgrippe und ihre hochpathogene, seuchenartige Form, die Geflügelpest. Im Winter bis in den Frühling hinein hatte diese den Geflügelhaltern schwer zugesetzt. Allein in den Landkreisen Cloppenburg und Oldenburg wurden knapp 800.000 Puten getötet. In weiteren Landkreisen mussten die Tiere monatelang im Stall bleiben. Das Thema Stallpflicht erhitzt auch jetzt noch die Gemüter. Für die Halter ist sie eine große Belastung - gleichzeitig warnen die Fachleute davor, die Gefahr zu unterschätzen oder in Bezug auf die Sicherheit nachlässig zu werden. Auf dem "2. Niedersächsischen Tiergesundheitssymposium" in Oldenburg wurde am Donnerstag darüber diskutiert.

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LAVES: Virus ist nicht besiegbar

Auch wenn in den deutschen Ställen seit April keine Geflügelpest mehr aufgetreten ist: Die Krankheit könne jederzeit wiederkommen, warnte Christine Bothmann, zuständige Abteilungsleiterin beim Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). "Die Gefahr der Vogelgrippe ist überhaupt nicht aus der Welt", so Bothmann. Da Wildvögel den Erreger in sich trügen, gehe man beim LAVES nicht davon aus, dass die Krankheit überhaupt zu besiegen sei, sagte die Expertin. "Wir müssen unsere Haus- und Wirtschaftsgeflügelbestände schützen."

Strenge Regeln für Massentierhalter, Lockerung für Hobbyzüchter

Doch wie schützt man sie am wirksamsten? Erst einmal sind die Betreiber der großen Mastbetriebe hier selbst gefragt, findet Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). Sie müssten alle Vorgaben für die Bio-Sicherheit einhalten, mahnte der Minister. Er regte an, den Bauern bei Nachlässigkeit weniger Schadenersatz zu zahlen, wenn sich in ihren Ställen die Seuche ausbreite. Meyer schlug außerdem vor, Halter kleiner Geflügelbestände mit bis zu 1.000 Tieren im Seuchenfall von der Stallpflicht auszunehmen. Hobby- und Freiland-Halter seien die eigentlichen Leidtragenden der Vogelgrippe gewesen, obwohl diese fast ausschließlich in den großen Putenmastställen ausgebrochen sei.

Hintergrund: Geflügelpest und Vogelgrippe

Vogelgrippe-Viren können in zwei Formen bei Hausgeflügel und Wildvögeln auftreten: als gering krankmachende Form (niedrigpathogen) oder stark krankmachende Form (hochpathogen). Wenn sich die hochpathogene Form, die meist zum Tod der Vögel führt, wie eine Seuche ausbreitet, sprechen Experten von Geflügelpest.

Hochpathogene Influenzaviren sind zum Beispiel die Subtypen H5N1, H5N5 und H5N8. Letzteres tritt derzeit im Norden vermehrt auf. Bislang sind keine Fälle bekannt, dass sich Menschen mit H5N8 angesteckt haben. Das Risiko wird als sehr gering eingeschätzt. H5N5 ist ein Mischvirus, das sich durch die Vermengung von H5N8-Viren mit anderen H5-Stämmen bildet. Der Subtyp H5N1 gilt als besonders aggressiv und ist auch auf den Menschen übertragbar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 31.08.2017 | 15:30 Uhr