Stand: 01.08.2016 19:57 Uhr

GEW-Studie: Gymnasiallehrer arbeiten zu viel

Wie viel arbeiten Lehrer in Niedersachsen wirklich? Ihre Arbeitszeit beschäftigt nicht nur die Lehrkräfte und ihre Schulleiter seit Jahren, sondern auch die Landespolitik und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Letztere hat Forscher der Universität Göttingen mit einer Studie beauftragt. Etwa ein Jahr lang, von Ostern 2015 bis Ostern 2016, notierten 2.869 Lehrer aus 255 Schulen ihre Arbeitszeit - auch in den Ferien, an Wochenende und Feiertagen. Das Ergebnis stellte die GEW nun vor: Niedersachsens Gymnasiallehrer arbeiten im Durchschnitt pro Woche drei Stunden und fünf Minuten zuviel.

GEW gegen Arbeitszeiterhöhung

Landesweit kämen so an Gymnasien etwa 50.000 unbezahlte Überstunden pro Woche zusammen. Grundschullehrer leisten der Studie zufolge pro Woche eine Stunde und zwanzig Minuten Mehrarbeit. "Damit ist es aus und vorbei mit allen Versuchen in Niedersachsen, die Unterrichtverpflichtung zu erhöhen", sagte Eberhard Brandt, Landesvorsitzende der GEW, die gegen Pläne der Landesregierung kämpft, die Arbeitszeit für Gymnasiallehrer zu erhöhen.

40-Stunden-Woche als Grundlage

Die Wissenschaftler legten ihrer Befragung die 40-Stunde-Woche von Verwaltungsbeamten zugrunde. "Da Lehrer durch die Ferien mehr Urlaub haben, kommen wir rein rechnerisch auf ein Soll von 46 Stunden und 38 Minuten pro Woche", erklärt Frank Mußmann von der Uni Göttingen. Soviel müsste ein Lehrer theoretisch arbeiten, wenn man davon ausgehe, dass er in den Ferien nur Freizeit habe, erläuterte Mußmann.

Gymnasiallehrer: 49 Stunden 43 Minuten Arbeit

Laut der Erhebung arbeiten Lehrer an Gymnasien im Schnitt 49 Stunden und 43 Minuten. An Gesamtschulen sieht es hingegen besser aus: Dort kommen die Lehrkräfte durchschnittlich auf 46 Stunden und 42 Minuten, das sind vier Minuten über dem Soll. Grundschullehrer liegen bei 47 Stunden und 58 Minuten.

Heiligenstadt begrüßt Studie

Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) will sich die Studie genau anschauen. Sie begrüßte die Erhebung als einen wichtigen Diskussionsbeitrag. "Wir werden diesen sachlichen Beitrag genau analysieren", sagte die Ministerin. Im Rahmen der eigenen Initiative des Kultusministeriums zur Betrachtung der Arbeitsbelastung von Lehrkräften und Schulleitungen werde die Studie der GEW angemessen berücksichtigt werden. In einer Online-Befragung des Ministeriums können derzeit 90.000 Lehrer Auskunft über ihre Arbeitsbelastung geben.

Eine Stunde Mehrarbeit verfassungswidrig

Der GEW-Studie ging ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg aus dem Juni 2015 voraus: Die Richter hatten entschieden, dass die von der Landesregierung beschlossene Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer von 23,5 auf 24,5 Wochenstunden verfassungswidrig ist. Das Gericht kritisierte unter anderem, dass es bislang keinerlei belastbare und nachvollziehbare Erfassung der Arbeitsbelastung der Lehrer gibt.

Weitere Informationen

Ministerium startet Befragung von 90.000 Lehrern

Rund 90.000 Lehrer in Niedersachsen sind dazu aufgerufen, an einer Online-Befragung des Kultusministeriums teilzunehmen. Ziel sei es, die Überlastung von Pädagogen zu reduzieren. (01.06.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 01.08.2016 | 18:00 Uhr

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