Stand: 18.08.2017 14:55 Uhr

Der Fipronil-Skandal: Eine Chronologie

Der Skandal um die mit dem Insektizid Fipronil belasteten Hühnereier hat sich auf fast alle Bundesländer ausgeweitet. Der Ausgangspunkt soll bei einem Unternehmen aus Belgien liegen. Es soll das Insektengift einem Reinigungsmittel beigemischt haben. Hier ein Überblick über die wichtigsten Ereignisse:

22. Juli: Fipronil wird in den Niederlanden entdeckt

In den Niederlanden wird in Eiern von sieben Höfen das Insektenschutzmittel Fipronil entdeckt. Ermittlungen ergeben, dass ein Putz- und Desinfektionsunternehmen aus Belgien das Insektizid einem Reinigungsmittel unerlaubter Weise beigemischt hat. In der Kundenkartei des Unternehmens finden sich 180 Höfe in den Niederlanden und vier in Deutschland.

26. Juli: NVWA informiert deutsche Landkreise

Die niederländische Lebensmittelaufsichtbehörde NVWA sperrt die betroffenen 180 Höfe in den Niederlanden. Die NVWA informiert auch die Behörden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

31. Juli: Mit Fipronil belastete Eier sind nach Niedersachsen gelangt

Erste Testergebnisse in den Niederlanden ergeben, dass von den belasteten Eiern eine akute Gesundheitsgefahr ausgeht. Niedersachsen empfiehlt die Rückgabe von Eiern aus Belgien und den Niederlanden, die mit Fipronil belastet sein könnten.

2. August: Vier Betriebe werden gesperrt

In Niedersachsen sind die Eier aus den Chargen 1-DE-0357731, 1-DE-0358001 und 0-DE-0360521 betroffen. Im Internetportal www.lebensmittelwarnung.de werden alle Printnummern potenziell betroffener Eier aufgelistet. Die meisten davon stammen aus den Niederlanden. In Niedersachsen wird ein Betrieb aus der Grafschaft Bentheim mit 40.000 Freilandlegehennen nach einer Selbstanzeige gesperrt. Dort waren Rückstände des Insektizids gefunden worden. Nach Ermittlungen der niederländischen Behörden werden drei weitere Betriebe aus dem Landkreis Bentheim gesperrt. Sie waren auch mit dem Reinigungsmittel beliefert worden.

3. August: Zwölf Bundesländer betroffen

Ein weiterer Betrieb im Landkreis wird positiv auf Fipronil getestet und in der Folge gesperrt. Mittlerweile sind zwölf Bundesländer in Deutschland vom Eier-Skandal betroffen. Auch nach Schleswig-Holstein sind niederländische Eier geliefert worden, die mit Fipronil belastet sein könnten. Dem Verbraucherschutzministerium in Kiel liegt eine entsprechende Meldung vom Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel vor. In Mecklenburg-Vorpommern entdeckt ein Mann in Rostock in einem Supermarkt Eier mit dem betroffenen Kennzeichnungs-Code. Auch Hamburg bleibt von den Lieferungen nicht verschont. Betroffen ist dort etwa ein Großlager. Die in der Hansestadt zuständigen Bezirke sind laut Gesundheitsbehörde informiert worden.

Dennoch beschwichtigt die EU-Kommission. "Die Höfe sind identifiziert, die Eier geblockt, verseuchte Eier sind vom Markt genommen, sagt eine Sprecherin der Kommission. Man könne daher unbeschadet Eier essen, "hoffentlich". Der Lebensmittelhändler Rewe und seine Discounttochter Penny nehmen Eier aus den Niederlanden vorsorglich aus dem Verkauf.

4. August: Aldi nimmt Eier ganz aus dem Verkauf

Freitagmorgen gibt der Discounter Aldi bekannt, bis auf Weiteres keine Eier mehr zu verkaufen. Kritik an Aldi kommt vom Deutschen Bauernverband: Zum jetzigen Zeitpunkt sei die Maßnahme des Konzerns eine "überzogene Reaktion".

Rewe und Penny wollen auf einen solchen radikalen Schritt verzichten, melden die Unternehmen im Anschluss. Bei Rewe sehe man "keine Veranlassung" dazu, man beobachte die Entwicklung genau: "Sollten wir im Sinne unserer Kunden zu der Erkenntnis kommen, dass weitergehende Schritte notwendig werden, so werden wir entsprechend reagieren", hieß es bei Rewe. Ganz ähnlich äußerte sich Edeka. Die Eier der Edeka-Eigenmarken würden ausschließlich aus Deutschland stammen.

Von der Bundesregierung verlangt Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) strengere Vorschriften. Es gebe keine Kennzeichnungspflicht bei der Weiterverarbeitung. Deswegen wisse niemand, ob belastete Eier in Nudeln oder Kuchen gelandet sind, so Meyer. Freitagabend werden schließlich sechs Salatprodukte des Herstellers Neue Mayo Feinkost wegen belasteter Eier zurückgerufen.

5. August: Belgische Behörden kannten Fipronil-Verdacht

Es wird bekannt, dass die belgischen Behörden schon Anfang Juni von einem Fipronil-Verdacht wussten. Dennoch habe die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK sich nach Angaben einer Sprecherin entschieden, den Fall zunächst nicht öffentlich zu machen.

7. August: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Betriebe

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat gegen die Legehennenbetriebe in Niedersachsen, die positiv auf Fipronil getestet worden waren, ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es bestehe der Verdacht, gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz verstoßen zu haben, so eine Sprecherin. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat die Landkreise Leer, Bentheim, Emsland sowie Vechta, Cloppenburg, Oldenburg, Rotenburg und die Grafschaft Bentheim indessen dazu aufgefordert, in Hühnerhöfen mit mehr als 3.000 Stallplätzen sowie in Packstellen stichprobenartig nach Hinweisen auf Fipronil suchen.

8. August: Niedersachsens Landwirtschaftsminister Meyer gibt leichte Entwarnung

In rund 280 Proben aus niedersächsischen Betrieben ist kein Fipronil festgestellt worden. Laut Landwirtschaftsministerium sind damit außer den vier bereits gesperrten Legehennenbetrieben keine weiteren Höfe betroffen. Minister Christian Meyer wertet das als erstes Zeichen der Entwarnung. Insgesamt wurden 16 Millionen belastete Eier aus Niedersachsen verkauft.

16. August: Unklarheit über Zahl belasteter Eier

Der Bund und das Land Niedersachsen streiten darüber, wie viele belastete Eier tatsächlich an Verbraucher gelangten. Das Bundeslandwirtschaftsministerium spricht von 10,7 Millionen möglicherweise belasteter Eier, die nach Deutschland geliefert wurden. Nach Angaben des niedersächsischen Agrarministers sind allein in das Bundesland 35,3 Millionen Eier geliefert worden, die möglicherweise mit Fipronil belastet waren. Dies gehe aus Daten des EU-Schnellwarnsystems hervor, sagte Minister Christian Meyer (Grüne) im Landtag. Der Streit zieht sich über Tage.

18. August: Bentheimer Bauern erhalten Schlachterlaubnis

Die drei gesperrten Legehennen-Betriebe in der Grafschaft Bentheim dürfen ihre insgesamt rund 100.000 Tiere schlachten lassen. "Eine nochmalige Beprobung des Fleisches auf Fipronil ist in allen Fällen negativ ausgefallen", sagte Amtsveterinär Hermann Kramer. Die Betriebe sind allerdings weiterhin gesperrt und keine Eier verkaufen.

Weitere Informationen

Fipronil: Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen drei Legehennenbetriebe in der Grafschaft Bentheim sowie einen Betrieb im Landkreis Leer. Sie waren positiv auf Fipronil getestet worden. (07.08.2017) mehr

Fipronil in Millionen Eiern - auch Salat betroffen

Laut Landwirtschaftsminister Meyer sind allein über Niedersachsen zehn Millionen Fipronil-belastete Eier nach Deutschland gelangt. Auch Salate mit Ei wurden schon zurückgerufen. (04.08.2017) mehr

Fipronil: So gefährlich sind verseuchte Eier

Der Skandal um mit Fipronil verseuchte Eier weitet sich aus. Wie gefährlich das Insektizid für Erwachsene und Kinder ist und auf was Sie achten müssen, erfahren Sie hier. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 18.08.2017 | 17:00 Uhr

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