Stand: 15.02.2017 20:18 Uhr

Schluss mit dem Mist

Überdüngte Felder und mit Nitrat belastetes Grundwasser könnten bald der Vergangenheit angehören. Bund und Länder haben sich am Mittwoch auf ein neues, strengeres Düngerecht geeinigt. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) lobte am Mittwoch in Hannover die Neuregelungen. "Nur so kommen wir schwarzen Schafen auf die Spur, die rücksichtslos die Felder überdüngen und damit die Gewässer schädigen." Die Neuregelung ist auch eine Reaktion auf EU-Vorgaben: Brüssel hatte bereits 2013 bundesweit erhebliche Grundwasserbelastungen mit Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen angemahnt und ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet.

Gülle Hauptursache für hohe Nitratwerte

In der Neuregelung sind unter anderem Obergrenzen für die Stickstoffdüngung in Gebieten mit kritischen Werten geplant. Die Nitratbelastung des Grundwassers einiger Regionen könne jedoch noch über Jahre hoch bleiben, sagte Meyer, der derzeit Vorsitzender der Agrarministerkonferenz ist. Die EU schreibt einen Nitrat-Grenzwert von maximal 50 Milligramm pro Liter vor. Unter anderem müssen Landwirte in einer sogenannten Stoffstrombilanz künftig genau nachweisen, welche Mengen an Gülle oder Mist sie auf ihre Felder kippen. Übermäßiger Einsatz von Gülle und stickstoffhaltigem Dünger gilt als Hauptursache für zu hohe Nitratwerte im Grundwasser. Dies ist in Niedersachsen vor allem in den Kreisen Cloppenburg und Vechta ein Problem.

Das neue Dünge-Gesetz

Ab 2018 sollen zunächst alle größeren Betriebe eine Stoffstrombilanz vorlegen. Das betrifft nach Angaben des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums für Höfe mit einer Tierbesatzdichte von mehr als 2,5 Großvieheinheiten (GV) pro Hektar, wobei eine GV etwa 500 Kilogramm Tiergewicht entspricht.  

Ausnahmen für kleine Höfe

Die neue Verordnung unterscheide dabei zwischen Groß- und Kleinbetrieben, sagte Meyer weiter. Großbetriebe mit hohem Viehbestand müssen bereits ab Januar 2018 die Stoffstrombilanz vorlegen - das sind laut Meyer etwa zehn Prozent der niedersächsischen Agrarbetriebe. Alle anderen müssten die Bilanz erst ab 2023 erstellen. Eine Ausnahme gilt für kleine Höfe mit wenig Vieh. "Wir gehen davon aus, dass 30 Prozent der Höfe unterhalb der Bagatellgrenze liegen werden", sagte Meyer.

Meyer rechnet mit Anpassung der Tierbestände

Die geschätzten Mehrkosten von bundesweit 60 Millionen Euro würden vor allem für die großen Viehhaltungsbetriebe mit wenig Landfläche entstehen, weil etwa Gülle in viehärmere Regionen transportiert werden muss. Als Konsequenz aus dem neuen Gesetz rechnet Meyer mit einer Anpassung der Tierbestände in einigen Regionen. Das Gesetz und die darauf aufbauende Düngeverordnung sollen am Donnerstag im Bundestag beschlossen werden und noch im Frühjahr in Kraft treten. Brüssel hatte bereits 2013 bundesweit erhebliche Grundwasserbelastungen mit Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen angemahnt und gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren wegen Verstoßes gegen die EU-Nitratrichtlinie eingeleitet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.02.2017 | 16:00 Uhr

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