Stand: 20.02.2016 12:23 Uhr

Altlasten - die stille Gefahr in Niedersachsen

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Aus stillgelegten Mülldeponien kann Sickerwasser ins Grundwasser gelangen. (Themenbild)

Die Gefahr ist oft nicht zu sehen, nicht zu hören, nicht zu riechen. Und trotzdem ist sie da - möglicherweise 94.650 Mal in Niedersachsen. So viele Flächen können potenziell gefährlich sein, wie aus dem aktuellen Umweltbericht des Landes hervorgeht. Es sind alte Mülldeponien, stillgelegte Munitionsfabriken und verlassene Tankstellengelände, die möglicherweise das Wasser verseuchen, den Boden verunreinigen oder die Luft verpesten können. Infolge dessen können sie sich auch negativ auf die Gesundheit von Menschen auswirken. Nur von einem Bruchteil - gerade einmal fünf Prozent - der Flächen ist bekannt, welche Gefahr von ihnen tatsächlich ausgeht. Nur langsam kommt das Land voran, die Standorte zu erfassen.

Besonders im Fokus: Rüstungsaltlasten

Auch die Sanierung der ausgewerteten Standorte läuft schleppend. Bisher wurden nur 2.447 betroffene Flächen saniert. Vorrangig untersuchen die Experten Gebiete, auf denen Waffen oder chemische Kampfstoffe hergestellt wurden. "Das Gefährdungspotenzial von Rüstungsaltlasten muss als besonders hoch eingeschätzt werden", heißt es im Umweltbericht. Das betrifft derzeit 181 Standorte in Niedersachsen. Einige Standorte wie in St. Andreasberg im Harz, in Ehra-Lessien im Landkreis Gifhorn und in Hambühren im Landkreis Celle wurden bereits von den Altlasten befreit. "Bei Untersuchungen des Landes wurden rüstungsbezogene Umweltchemikalien, sprengfähiges Material und in Einzelfällen auch chemische Kampfstoffe gefunden", heißt es weiter im Umweltbericht. "Diese führten zum Teil zu erheblichen Kontaminationen des Bodens und des Grundwassers."

438 Standorte werden saniert

Zurzeit sind Experten dabei, 438 Standorte zu sanieren. Einige davon sind umstritten, wie die Asbesthalde in Wunstorf. Dort könnten die Rückstände der Firma Fulgurit durch starken Regen freigelegt werden und die krebserregenden Asbestfasern anschließend in die Luft gelangen. Nachdem ein Abtransport des verseuchten Bodens auf Deponien in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern am Widerstand der dortigen Kommunen gescheitert war, soll die Halde nun mit Kunststoff abgedeckt und gesichert werden.

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