Stand: 05.09.2012 08:08 Uhr  | Archiv

Wikipedia lernen - Unterricht für Lehrer

Bei Schülern ist Wikipedia eine beliebte Quelle für Hausarbeiten. Kein Wunder, dass Lehrer die Online-Enzyklopädie skeptisch sehen. Ein Kurs extra für die Pädagogen soll helfen.

Von Kersten Mügge, NDR Info

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Einige Lehrer können immer noch nichts mit Wikipedia anfangen. (Symbolbild)

In der Online-Enzyklopädie Wikipedia findet man eigentlich alles wichtige und unwichtige Wissen der Welt. Kein Wunder, dass Schüler die Wikipedia gern für Hausarbeiten nutzen. Manche Lehrer sehen das allerdings skeptisch. Ihnen ist ein Lexikon, an dem jeder mitschreiben kann, der möchte, irgendwie suspekt. Um die Wikipedia besser kennenzulernen und zu verstehen, veranstaltet der deutsche Förderverein der Wikipedia Seminare für Lehrer.

Rechercheaufträge für Lehrer

Eine kleine Recherchefrage für 15 Lehrer im Computerraum des Richard-Wossidlo-Gymnasiums in Ribnitz-Damgarten: Gibt es Wikipedia-Artikel über einen Absolventen der Schule? Englisch-Lehrerin Cornelia Adler geht im Kopf ein paar Namen durch. "Ich habe mir überlegt, wie unser erster Schulleiter hieß", sagt sie und tippen den Namen Achenbach ein. "Jetzt habe ich hier einfach mal auf 'Suchen' geklickt." Aber das Ergebnis fällt etwas anders aus, als gewünscht: Sie findet einen anderen Achenbach aus Münster.

Im Seminar erfährt Cornelia Adler dann, wie man Wikipedia-Artikel nach bestimmten Begriffen durchsuchen kann. Bislang war sie eher skeptisch gegenüber der Wikipedia. "Als Lehrerin verlässt man sich auf die Lehrbücher. Das ist für mich was Handfestes. Anders als das, was im Internet ist. Da kann jeder was ändern." Geographie-Lehrerin Sigrid Schermuk hat da weniger Vorbehalte, auch wenn sie nicht alle Wikipedia-Artikel gelungen findet, nutzt sie das Lexikon öfter zur Unterrichtsvorbereitung. Nur ihre Schüler schlagen da nach ihrer Erfahrung noch häufiger nach. "Da ich die meisten Quellen auch lese, merke ich das an den Inhalten und ganz oft an den sprachlichen Übereinstimmungen, die jeden verraten", sagt sie.

Fans und Feinde der Wikipedia

Das sind typische Lehrermeinungen, sagt Uwe Rohwedder vom Verein Wikimedia, der das Seminar leitet. Es gibt unter den Lehrern Skeptiker und Fans. Beiden erklärt er im Seminar genau mit die Funktionsweise des Mitmach-Lexikons. Die meisten wüssten zum Beispiel nicht, dass man nicht nur den Artikel lesen kann, wie in einem klassischen Lexikon, sondern sich auch die Diskussionsseiten angucken muss, wo über Inhalte gestritten wird. Auch die Versionsgeschichte sei wichtig, sagt der erfahrene Wikipedia-Autor.

Rohwedder verdeutlicht den Lehrern auch, dass es gerade bei zeitgeschichtlichen Themen ein Vorteil sein kann, dass die Wikipedia sich stets verändert und keine vermeintlich feststehenden Wahrheiten verbreitet, wie ein Schulbuch. "Es geht ja nicht nur darum, Fakten zu finden im Internet. Sondern es geht auch darum, zu lernen Fakten einzuordnen und das kann man - wenn man weiß, wie Wikipedia funktioniert - erst recht lernen.“

Auch was für Lehrer dabei

Die Geographie-Lehrerin Sigrid Schermuk will die Wikipedia jetzt noch stärker für den Unterricht nutzen. Außerdem ist sie auf spezielle Lern- und Unterrichtsprojekte auf den Unterseiten der Wikipedia gestoßen. Und Englischlehrerin Cornelia Adler sieht das Online-Lexikon jetzt mit anderen Augen: "Diese Voreingenommenheit ist jetzt weg bei mir." Zwar verstehen die Lehrer jetzt besser, wie Wikipedia funktioniert. Ihren Schülern müssen sie nun aber noch beibringen, dass Copy und Paste von Wikipedia-Artikeln allein nicht das Richtige ist, um Wissen zu sammeln.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 05.09.2012 | 08:08 Uhr

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