Stand: 01.03.2012 06:00 Uhr  | Archiv

Netzwelten: Wikileaks berichtet über "schmutzige Dinge"

von Katja Keppner, NDR Info
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Die Internetplatform Wikileaks hat es sich zur Aufgabe gemacht, aus "öffentlichem Interesse" geheime Dokumente zu veröffentlichen

Neuer Coup von Wikileaks: Die Internetplattform hat Recherchen über die Firma Stratfor veröffentlicht. Der private Informationsdienstleister liefert Einschätzungen über Widersacher, oder einfach nur politische Analysen. Aus den brisanten Dokumenten, die nun veröffentlicht wurden, soll hervorgehen, dass Stratfor geheimdienstähnliche Methoden anwendet.

Assange: "Hier passieren die schmutzigsten Dinge"

Vor einigen Monaten hatte sich Julian Assange das letzte Mal in der Öffentlichkeit gezeigt, Anfang dieser Woche war es dann wieder soweit: In brauner Lederjacke und offenem Hemd trat er ans Rednerpult. Neben ihm Vertreter der internationalen Presse. Sie werten den Inhalt von circa fünf Millionen E-Mails des privaten Informationsdienstleisters Stratfor aus.

Der Vorwurf von Wikileaks: Der Konzern aus Texas mache sich zum Handlanger für staatliche Geheimdienste und das mit inakzeptablen Methoden, erklärt Wikileaks-Gründer Julian Assange: "Die Industrie privater Nachrichtendienste ist eine Verlängerung der staatlichen Nachrichtendienste, sie hat aber keine Kontrollmechanismen. Darum passieren hier die schmutzigsten Dinge."

Eine Überwachungskamera vor dem Wikileaks Logo. © fotolia Fotograf: vege, Tryfonov

Wikileaks: Spionage oder Recherche?

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Sensible Informationen sind das Kapital des privaten US-Informationsdienstleisters Stratfor. Doch offenbar ahnen viele der Informanten nicht, wessen Geschäft sie da besorgen.

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Wissen Quellen gar nicht, dass sie Quellen für Stratfor waren?

Offiziell bietet zum Beispiel Stratfor im Internet sogenannte geopolitische Analysen an. All dies geschehe, so das Unternehmen auf seiner Internetseite, auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen. Doch eine der Journalistinnen, die für den NDR das Wikileaks-Material über Stratfor auswertet, hat mit ihrem Team herausgefunden, dass das Unternehmen offenbar deutlich weiter geht als es offiziell zugibt. "Anders als zum Beispiel Journalisten geben sich eben Stratfor-Mitarbeiter nicht immer zu erkennen. Das heißt, Quellen wissen eben möglicherweise gar nicht, dass sie Quellen waren für Stratfor. Und das ist natürlich problematisch, da muss man natürlich sofort fragen, ob das nicht einen Art Auslandsspionage ist. Aber dazu will sich Stratfor nicht äußern", erklärt NDR Autorin Jasmin Klofta.

"Finanzielle, sexuelle oder psychologische Kontrolle"

Stratfor-Konzernchef George Friedman, von Haus aus Politologe, fühlt sich offenbar ungerecht behandelt. In einem Statement heißt es: "Stratfor hat daran gearbeitet, gute Quellen in vielen Ländern weltweit aufzubauen. Wir haben das zielstrebig getan und wir sind den höchsten professionellen Standards verpflichtet."

Was sich gut anhört, liest sich in einer E-Mail an eine seiner Mitarbeiterinnen etwas anders. "Wenn Sie vermuten, dass diese Quelle wertvoll ist, dann müssen Sie Kontrolle über sie erlangen. Finanzielle, sexuelle oder psychologische Kontrolle ...", heißt es in dem Schreiben. Woher die E-Mails kommen, will Wikileaks nicht preisgeben. Allerdings haben Internet-Aktivisten der sogenannten Anonymous-Gruppe bereits erklärt, sie hätten die Daten bei einem Hackangriff vergangenen Dezember gestohlen.

Brisante Enthüllungen oder neuer Stoff für Verschwörungstheoretiker?

Es sind Daten, die auch einige pikante Details offenbaren. "Der Einblick in die E-Mails hat gezeigt, dass sie über sehr detaillierte Informationen verfügen. Oder es gibt auch Details über eine angebliche Erkrankung des türkischen Premierministers aus einer Quelle, die im Regierungsberaterkreis sitzt", sagt NDR Journalistin Klofta. Ebenso geht aus den E-Mails hervor, dass etwa Coca-Cola Stratfor beauftragte, Aktivisten der Tierschutzorganisation PETA auszuspionieren. In einer anderen E-Mail wird ein israelischer Geheimdienstoffizier damit zitiert, dass der Konflikt mit dem Iran nur eine Ablenkung von der Euro-Krise sei.

Brisante Enthüllungen oder neuer Stoff für Verschwörungstheoretiker? Global agierende Konzerne lassen sich mit den Analysen von Stratfor beliefern und profitieren von den fragwürdigen Methoden des Privatunternehmens. Und Wikileaks hat inzwischen weitere Enthüllungen angekündigt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 01.03.2012 | 08:08 Uhr

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