Sendedatum: 07.05.2012 08:27 Uhr  | Archiv

Wahl im Netz: Piraten und FDP heiß diskutiert

von Fiete Stegers, NDR.de
Bild vergrößern
Viele Internet-Kommentatoren freuen sich über das Abschneiden der Piraten (Archivbild).

"Vorsicht, ab 18 Uhr ist mit hohen Konzentrationen nautischer Metaphern zu rechnen", warnte der Politikwissenschaftler Christoph Bieber vor der Ergebnis-Prognose via Twitter. "Kielholen" hatte die schleswig-holsteinische Piratenpartei selbst als Schlachtruf für den Einzug in den Landtag an der Förde ausgeben. Damit sorgt die Partei am Wahlabend tatsächlich für viele maritime Metaphern in der Medienberichterstattung - und für große Freude im Netz.

Dass die Piratenpartei künftig auch im Kieler Landtag sitzt, ist am Wahlabend wahrscheinlich das am meisten diskutierte Thema auf Twitter, Facebook und anderen Internetseiten. Während die Piraten im Internet auf ein überwiegend positives Echo stoßen, spaltet das Abschneiden der FDP die Kommentatoren: "Welche 'Träumer' wählen denn FDP?" fragt beispielsweise Nutzerin Renate John auf der Facebook-Seite von NDR.de. "Und welche Träumer die Piraten?" kontert" Winfried Schultz.

  • "8,5 Prozent in Schleswig Holstein für die FDP - geht doch! Juchu :)", freut sich Martin Bahrmann auf Twitter.

  • "Die FDP gewinnt Wahlen offenbar nur noch gegen die FDP selber" spottet Twitter-Nutzer Sven Lehmann.

  • "Auf dem nächsten FDP Bundesparteitag könnte die Heiligsprechung von Wolfgang Kubicki anstehen", meint Wolfram Bölte ebenfalls auf Twitter.

     

zurück
1/4
vor

Oliver Olpen sieht auf der Facebook-Seite von NDR.de dagegen beide Parteien als Sieger: "Die Piraten sind Sieger, weil sie konsequent das Lagerdenken aufbrechen und die FDP gehört auch zu den Gewinnern, weil sie trotz Stimmverlusten das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte Schleswig-Holsteins geschafft hat und den Negativtrend der vergangenen Wahlen brechen konnte."

Bild vergrößern
Ein Top-Thema bei Twitter: Die Landtagswahl und ihre Folgen.

"Bitter für die #SPD: weder stärkste Partei noch Mehrheit für rot-grün", kommentiert "Kaffeeanne" auf Twitter das Ergebnis der Sozialdemokraten. Andere Twitter-Nutzer bemängeln, dass sich der auf Twitter sonst sehr aktive SPD-Politiker Ralf Stegner zunächst nicht zur Wahl zu Wort meldete. Dafür twitterte die Hamburger SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Annkathrin Kammeyer: "Richtig glücklich macht einen dieses Wahlergebnis ja auch nicht... ".

 

In Reimen zum Sieger erklärt

Twitter-Tipp

Kommentare und Nachrichten zur Wahl in Schleswig-Holstein werden auf Twitter mit den Schlagworten "#sh12" und "#ltwsh" gekennzeichnet.

Wer soll jetzt regieren, wer kann eine Regierungsmehrheit bilden? Für den CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Jarzombek aus Düsseldorf ist die Sache so klar, dass er auf Twitter ins Dichten verfällt: "Waren die Umfragen auch noch so mager - Ministerpräsident wird Jost de Jager!" Dass de Jager allerdings wegen der vielen Direktmandate seiner Partei nicht kein eigenes Mandat für den Landtag errungen hat, meldete Oliver Das Gupta, Journalist der "Süddeutschen Zeitung", als erstes via Twitter.

Nutzer "Volker" auf NDR.de sieht die mögliche knappe Mehrheit für Koalition von SPD mit Grünen und SSW positiv: "Mit einer Ein-Stimmen-Mehrheit zu regieren, ist gar kein Wagnis. Denn es stehen sich nicht mehr nur die klassischen Lager gegenüber. Dazwischen spuken die Piraten rum, und die sind ja offensichtlich so offen, nicht in Links/Rechts-Kategorien zu denken, sondern etwas differenzierter abzustimmen," erwartet er.

Viele Anhänger der Piraten ärgern sich im Netz darüber, dass in Fernsehinterviews eine mögliche Koalitionsbeteiligung ihrer Partei von vornherein ausgeschlossen würde. "Sind denn die Piraten mit ihren - evtl. 6 Stimmen - von der Wahl des Ministerpräsidenten ausgeschlossen? Wenn ja - warum?" fragt "Joapa" auf NDR.de.

"Gefährdung für die Demokratie"?

Auch die geringe Wahlbeteiligung ist unter den Internet-Kommentatoren ein häufiges Thema im Netz.

  • "Bei aller Piraten-Freude - die schlechte Wahlbeteiligung gefährdet die Demokratie", warnt Jürgen Ertel bei Twitter.

  • "Ich sehe die Ergebnisse und kann im Geiste schon die Worte hören, egal welcher Coleur der jeweilige Politiker ist. 'Wir sind der Sieger dieser Wahl'  oder auch gerne "Der Bürger hat es nicht verstanden". Doch der Bürger hat es gut verstanden, eine solche Wahlbeteiligung ist für eine Demokratie eine schallende Ohrfeige", formuliert Nutzer "Ede" bei NDR.de

  • "Wer in einer Demokratie lebt und dann nicht wählen geht, zahlt auch fürs All-You-Can-Eat-Buffet und isst dann einen kleinen gemischten Salat", kritisiert Twitter-Nutzer "Rock_galore".

     

zurück
1/4
vor

Journalist Georg Watzlawek verweist in seinem Twitter-Account auf das ungewöhnliche Wahlergebnis von der Hallig Gröde: "11 Wähler, 100 % Beteiligung". Die Grünen sind dort stärkste Kraft, gefolgt von SSW und Piratenpartei.

Und die Gruppe "Antifa Pinneberg" freut sich auf Twitter über den Stimmenrückgang für die NPD: "Sehr schön: NPD verschlechtert ihr Wahlergebnis von 0,9% auf 0,7% in Schleswig-Holstein".

 

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/wahlinternet101.html