Stand: 22.11.2012 13:45 Uhr  | Archiv

Inselkinder im virtuellen Klassenzimmer

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Konferenzschaltung der Inselschulen: Am Donnerstag startete das Pilotprojekt "Virtuelle Schule".

Nur ein einziger Schüler in der 8. Klasse. Das klingt nach einer intensiven und auf den Schüler abgestimmten Betreuung, wie es sich wohl viele Eltern für ihre Kinder in überfüllten Großstadtklassen wünschen. Aber das kann auch Nachteile haben, sagen die, die es täglich erleben - in den Schulen auf den ostfriesischen Inseln. Denn nicht für jedes Wunschfach gibt es dort die entsprechenden Lehrer. Und nicht jedes Inselkind ist sofort den Anforderungen gewachsen, die eine weiterführende Schule am Festland mit sich bringt. Damit sich das ändert, hat sich Niedersachsen etwas Besonderes einfallen lassen: die "Virtuelle Schule", also Unterricht per Videokonferenz vom Festland auf die Inseln.

"Einmalig in Deutschland"

Am Donnerstag ist der Startklick für das bundesweite Pilotprojekt gefallen. Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) begrüßte vom Internatsgymnasium in Esens (Landkreis Wittmund) aus alle sieben Inseln. Das zeitgleiche Lehren und Lernen über weite Distanzen sei "einmalig in Deutschland", so Althusmann

Fachunterricht soll verbessert werden

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Mit der neuen Technik können Inselschüler zum Beispiel den Englischunterricht am Internatsgymnasium in Esens verfolgen.

Von dem modernen Fernunterricht versprechen sich die betroffenen Schulen viel. So zum Beispiel Spiekeroog: Die Inselschule würde gern eine zweite Fremdsprache anbieten. Borkum hingegen möchte vor allem seine Physik-Schüler fitmachen, sodass sie keine Startschwiergkeiten haben, wenn sie ab der 11. Klasse auf das Festlandsinternat wechseln. Und Langeoog hofft, so Ersatz zu bekommen, wenn eine Lehrkraft mal krank wird. Das sind drei Ziele des Modellprojekts. Ganz nebenbei trainiert es aber auch den Umgang mit der neuen Technik und vermittelt Medienkompetenz.

Ein weiterer Vorteil: Auch Elternabende und Fortbildungen, für die sonst eine Reise zum Festland nötig war, können jetzt durch Videokonferenzen ersetzt werden.

200.000 Euro fürs E-Learning

Rund 150 Inselschüler der Jahrgänge fünf bis zehn profitieren vom sogenannten E-Learning. Das Land Niedersachsen hat insgesamt 200.000 Euro in das Projekt investiert, das zunächst bis 2015 läuft. Trotz Fernunterricht ist schummeln übrigens kaum möglich: In den Inselklassen gibt es immer eine Aufsicht, die aufpasst.

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