Stand: 25.06.2012 15:40 Uhr  | Archiv

Fernsehen: Die Telekom guckt mit

von Hanna Grimm
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Ab Juli will die Telekom die Nutzerdaten speichern.

Abends vor dem Fernseher ist die Welt noch in Ordnung. Hier ist Privates noch privat - das Thema Datenschutz ist für den Fernsehzuschauer kein Thema. Doch für Nutzer des Telekom-Dienstes Entertain wird sich das bald ändern. Denn die Telekom plant, die Daten ihres Internetfernsehens zu erheben und auszuwerten.

Was gucke ich, wann schalte ich um und wann mache ich den Fernseher an oder aus - dies und mehr will die Telekom wissen. Per Mail fordert das Unternehmen momentan ihre Nutzer auf: "Unterstützen Sie uns bei der Optimierung des Entertain Programms". In Deutschland läuft in 1,5 Millionen Haushalte das Internet-Fernsehen der Telekom - eine riesige Datenmenge, über die das Unternehmen verfügen würde.

Zustimmung wird vorausgesetzt

Auch der Hamburger Malte Wurmbach hat eine Mail von der Telekom erhalten. Darin steht, dass ab dem 16. Juli 2012 seine Nutzungsdaten erhoben werden. Seine Zustimmung setzt die Telekom voraus. Nur wenn Wurmbach explizit sagt, dass seine Daten nicht erhoben werden sollen, wird er ausgenommen. "Die Art und Weise wie ich gefragt wurde, finde ich sehr ärgerlich", sagt Wurmbach.

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Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert kritisiert die Telekom. Sie informiere ihre Nutzer nicht ausreichend.

Mehr als ärgerlich findet Thilo Weichert, der Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, das Vorgehen der Telekom. Es genügt seiner Meinung nach nicht, die Nutzer per Mail anzuschreiben. "Es wäre wünschenswert, dass die Nutzer postalisch informiert werden. In jedem Fall sollte eine Benachrichtigung in das Entertain-Angebot eingebunden werden." Eine E-Mail würde von den Betroffenen nicht wahrgenommen, da sie schnell unter der sonstigen Telekom-Werbung untergehe.

Daten ungenügend geschützt?

Unklar ist, wie die Telekom die Daten der Nutzer schützt. Das Unternehmen teilt in seiner Mail mit, die Erhebung werde pseudonymisiert durchgeführt und anonymisiert ausgewertet. Für Entertain-Nutzer Wurmbach ist nicht deutlich, was das genau bedeutet. "Da liegt natürlich die Vermutung nah, dass die Daten für Werbung verwendet werden könnten", befürchtet er.

Die Telekom schreibt auf Anfrage von NDR.de, das Unternehmen garantiere, dass die Daten nur innerhalb der Telekom und nicht zu Werbezwecken verwendet würden. Zusätzlich sollen sie an TV-Sender geliefert werden. Die TV-Senderstatistiken seien aber absolut anonym und enthielten nur Zahlen und keine personenbezogenen Daten.

Anonym, pseudonym?

Wenn Daten eines Nutzers pseudonymisiert erhoben werden, bekommt er einen anderen Namen, ein Pseudonym. Es ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, um wessen Daten es sich handelt. Es ist jedoch theoretisch möglich, das Pseudonym zu entschlüsseln. Wenn Daten anonymisiert erhoben werden, werden sie so stark verändert, dass sie nicht mehr einer bestimmten Person zugeordnet werden können.

Von Anonymität kann für Datenschützer Weichert keine Rede sein. "Ein Pseudonym kann von der Telekom jederzeit reidentifiziert werden", erklärt er. Die Nutzungsdaten lassen seiner Meinung nach sehr wohl Rückschlüsse auf die Kunden zu. "Der Schutz der personenbezogenen Daten ist nicht gegeben."

Ohne Pin geht nichts

Um sich von der Datenerhebung abzumelden, müssen die Nutzer ihren Benutzer-Pin eingeben. Auch hier sieht Weichert einen Regelverstoß. "Für mich ist das überhaupt nicht logisch, technisch oder rechtlich begründbar. Ich denke, dass so Widersprüche der Nutzer verhindert werden sollen."

Für Wurmbach ist klar: Er wird auf keinen Fall bei der Erhebung mitmachen. "Wenn ich vernünftig gefragt worden wäre, hätte ich es mir noch überlegt. Aber so ganz sicher nicht."

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