Sendedatum: 26.09.2013 08:08 Uhr  | Archiv

Green IT - Energieeffizienz erreicht Software

Wer kennt das nicht: Die Batterieanzeige rutscht in den roten Bereich, während die Arbeit am Laptop noch nicht fertig ist oder auf dem Handy neue E-Mails ankommen - und eine Steckdose ist weit und breit nicht in Sicht. Immer mehr Software-Hersteller gehen dieses Problem an: Sie optimieren den Stromverbrauch ihrer Programme, nach Microsoft jetzt zum Beispiel auch Apple. Rollt da eine neue Welle der sogenannten Green-IT auf uns zu?

Von Daniel Bouhs

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Nutzer von Laptops und Tablet-PCs sind auf lange Akku-Laufzeiten angewiesen. Stromsparende Software- und Webbrowser-Programme helfen dabei.

Apple-Fans jubeln über ein recht dröges Thema: Im Grunde hat Entwicklungsschef Craig Federighi ihnen gerade nichts anderes versprochen als Energieeffizienz, als er bei der Produktschau des neuen Betriebssystems Mac OS Mavericks sagte: "Seht, was passiert, wenn ich meine Musiksammlung über den Browser ziehe: Der Energieverbrauch bricht ein."

Ein System, das etwa erkennt, welche Werbebanner Nutzer überhaupt sehen können und welche Animation es sich sparen kann, weil ein anderes Programmfenster diesen Ausschnitt ohnehin überdeckt: Um die Umwelt geht es Apple bei alledem nicht. Nutzer wünschten sich, so Federighi, dass ihre Computer unterwegs lange durchhalten. Es geht also zuallererst um Bequemlichkeit. Die soll das neue Betriebssystem bedienen.

Studie: Unterschiede beim Energieverbrauch zwischen 15 und 60 Prozent

Vorreiter ist Apple dabei nicht. Microsoft wirbt schon seit Jahren damit, dass sein Internet Explorer in bestimmten Fällen so sparsam ist wie kein anderer Browser. Der TÜV Rheinland hat das in einer Studie bestätigt, die der US-Konzern bezahlt hat. "Letztendlich kam heraus, dass bei unterschiedlichen Webbrowser-Typen je nach Anwendung die Unterschiede hinsichtlich des Energieverbrauchs zwischen 15 und 60 Prozent lagen", sagt TÜV-Techniker Florian Grießl.

Schon da zeigt sich: Das Potenzial ist mitunter enorm - je nach Anwendungsszenario und Plattform. Da viele Nutzer mit ihren Computern ständig im Internet unterwegs sind, setzt auch Apple vor allem bei seinem Browser an. Cheftechniker Federighi kündigt an, dass das Programm Safari andere abhängen werde. Firefox sehe im Vergleich regelrecht traurig aus. Ob das stimmt, wird sich zeigen. Den Wettbewerb aber befeuert Apple mit seinen Ankündigungen allemal.

Umweltschützer kritisieren stromintensive Geräte-Produktion

Für TÜV-Techniker Grießl wird das auch Zeit; jetzt, wo schon jahrelang der Stromverbrauch der Geräte an sich und der eingebauten Komponenten optimiert wurde: "Es ist  sicherlich so, dass das Thema energieeffiziente Software gegenüber der IT-Hardware etwas stiefmütterlich behandelt wurde und wir nun feststellen, dass energieeffiziente Programmierung zunehmend in das Blickfeld der Entwickler auf der einen Seite wie auch der Nutzer auf der anderen Seite rücken wird."

Doch sparsame Programme hin oder her: Umweltschützer mahnen, dabei dürfe nicht leichtfertig vergessen werden, wie viel Strom bereits die Produktion eines Gerätes frisst. "Wenn ein Notebook zehn Prozent energieeffizienter in der Nutzung ist, müsste man das Notebook 88 Jahre in der Nutzung haben, damit sich der Herstellungsaufwand amortisiert", verdeutlicht Marina Köhn vom Bundesumweltamt.

Nutzer tun der Umwelt also nicht zuletzt dann etwas Gutes, wenn sie ihren Geräten länger die Treue halten. Schonen dann noch Programme die Akkus - umso besser.

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NDR Info | Netzwelt | 26.09.2013 | 08:08 Uhr

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