Stand: 31.03.2013 12:03 Uhr  | Archiv

Der Wald hat jetzt Internet

von Niels Walker

Das Haus steht im Wald, ringsherum ragen die Tannen bis in den Himmel. Hinter dem Fenster gen Nordosten steht eine runde Antenne. "Wir haben mehrere Tage ausprobiert, wo es den besten Empfang gibt, und das ist genau hier", erklärt Familie Schrader. Nicole Schrader hält ein selbstgebasteltes Fensterbild aus roter Alufolie in der Hand: "Das mussten wir abnehmen. Das Signal geht fast ganz weg, wenn wir das wieder ins Fenster hängen."

Auch vom Land ins schnelle Internet

Ihr zehn Jahre alter Sohn Timo zeigt voller Stolz das Antennenkabel, das sein Vater an der Wand montiert hat. "Wir sind hier jetzt richtig schnell im Internet!" Hier, das ist in Sprakensehl (Landkreis Gifhorn), im Wald. Und die Antenne ist für LTE, das neue drahtlose Internet. Schnell soll es sein und die ländlichen Gegenden aus der Internet-Steinzeit in die Gegenwart katapultieren.  

2011 versprach die Landesregierung, 90 Prozent des Landes mit Breitbandinternetanschlüssen zu versorgen - auch die kleinen Dörfer. Da der Ausbau mit DSL-Leitungen den Betreibern der Telefonnetze viel zu teuer war, fiel die Entscheidung auf LTE. Eine Funktechnik, die erst möglich wurde, nachdem das analoge Fernsehen abgeschaltet war. Die Frequenzen, auf denen dieses früher übertragen wurde, tragen heute Fernsehen und Internet zugleich - die digitale Technik macht es möglich.

Keine Alternative zum LTE-Anschluss

Schrader junior guckt sich im Internet gerne Fußballspiele an, die er verpasst hat. Dass der Netzausbau mehrere Milliarden Euro gekostet hat, weiß er nicht. Was sind schon 4,4 Milliarden Euro, wenn man dafür Fußball gucken kann? Trotzdem ist ein LTE-Anschluss für Privatpersonen nicht teurer als herkömmliches DSL, 40 Euro zahlen Timos Eltern im Monat. Die Netzbetreiber Telekom, Vodafone, Telefonica (O2) und E-Plus hoffen auf das Langzeitgeschäft. Da es auf dem Land keine Alternative zu einem LTE-Anschluss gibt, wird Familie Schrader auch nicht wechseln können, selbst wenn sie wollte.

Timo und seine Eltern gehören zu den 90 Prozent der Bevölkerung, die theoretisch einen Breitbandzugang nutzen können. Diese 90 Prozent sind das Ziel, das sich die Bundesnetzagentur im Auftrag der Landesregierungen gesetzt hat. Dabei ist es egal, ob der Breitbandanschluss über DSL, TV-Kabel oder LTE erfolgt, Hauptsache Breitband. 

Erst das Land, dann die Städte

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Auch in kleinen Dörfern gibt es jetzt Internet mit akzeptabler Geschwindigkeit.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Wer zu den anderen zehn Prozent gehört, hat Pech. Die Bundesnetzagentur hat den Ausbau der LTE-Netze in ländlichen Regionen für abgeschlossen erklärt. Die Mobilfunkanbieter sind ihrer Pflicht nachgekommen, erst das Land und dann die Städte mit LTE zu versorgen - so hatte es die Politik gewollt. Jetzt konzentrieren sich die Anbieter auf den Netzausbau in den Großstädten, wo mehr zahlende Kundschaft zu erwarten ist. Wer also auf dem Land in einem Funkloch wohnt, der wird sich nicht wie Timo im Internet schnell die Fußballtore des Tages ansehen können.

Technik im Internet - ein Überblick

ISDN (integrated services digital network) ist ein digitales Telekommunikationsnetz. Bevor es ISDN gab, hatten Telefon oder Fernschreiber jeweils ein eigenes, analoges Netz.
DSL (digital subscriber line) funktioniert über Kupferleitungen. Die Leistung reicht bis zu 500 Megabit pro Sekunde. Die Geschichte von DSL begann bereits Ende der 1980er-Jahre.
GPRS (general packet radio service) gilt als Wegbereiter des mobilen Internets und ist eine Vorstufe der UMTS-Technik.
UMTS (universal mobile telecommunication system) ist eine Technik, die vor allem im Bereich des mobilen Internets zum Einsatz kommt - also bei Handys, Smartphones oder Laptops.
LTE (long term evolution) ist eine Nachfolgetechnik von UMTS und ermöglicht besonders hohe Datenübertragungsraten. Die Frequenzen für LTE wurden 2010 versteigert, die Anbieter verpflichteten sich, zuerst den Ausbau in den ländlichen Regionen voranzutreiben.

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