Stand: 27.06.2013 07:06 Uhr  | Archiv

16-jähriger Hacker muss hinter Gitter

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Ein 16-jähriger Hacker aus Schüttorf hat unter anderem mit fremden Kreditkartendaten eingekauft. (Themenbild)

Ein Schüler aus Schüttorf im Landkreis Grafschaft Bentheim muss für zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Das Amtsgericht Nordhorn sah es als erwiesen an, dass der erst 16-Jährige neben illegalen Internet-Aktivitäten zahlreiche weitere Straftaten begangen hat. Die Liste der Vorwürfe ist lang und umfasst gewerbsmäßigen Betrug, Urkundenfälschung, Geldwäsche, Geldfälschung, Computersabotage, Erpressung, Ausspähen von Daten und Fälschen von beweiserheblichen Daten. Auf das Konto des Schülers gehen außerdem der Besitz und Handel mit weichen und harten Drogen sowie illegaler Waffenbesitz. Bei einer Hausdurchsuchung sei eine Schreckschuss-Pistole gefunden worden, so ein Gerichtssprecher.

"Hohe kriminelle Energie"

Den Hauptteil seiner Straftaten beging der Jugendliche jedoch im Internet. 76 verschiedene Vergehen wiesen ihm die Ermittler nach. Er habe sein umfangreiches Computer-Wissen mit hoher krimineller Energie genutzt, heißt es. In der Gerichtsverhandlung gestand der Jugendliche seine Taten ein. Wegen der Höhe der verhängten Strafe erhält er keine Bewährung. Insgesamt sei durch die Straftaten ein Schaden von mehr als 20.000 Euro entstanden, so die Staatsanwaltschaft.

Waren mit fremden Kreditkartendaten bestellt

Besonders ausgiebig soll der 16-Jährige Kreditkartenbetrug betrieben haben. Die Ermittlungen der Task Force Cybercrime der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück ergaben laut Staatsanwaltschaft, dass der Schüler als Administrator in verschiedenen Foren aktiv war und eine führende Stellung einnahm. Ein von ihm selbst betriebenes Forum habe sich mit dem Handel illegaler Daten aller Art befasst, insbesondere von Kreditkarten und Zugangsdaten für Packstationen. In einer Vielzahl von Fällen sei es dem Jugendlichen gelungen, mit fremden Kreditkartendaten Waren zu bestellen, die dann an eine geknackte Packstation gelieferten worden seien. Das Geld sei von den Konten der Kreditkarteninhaber abgebucht worden, während der Schüler die "hochwertigen Artikel", darunter oft teure Handys, im Internet weiterverkaufte, so die Staatsanwaltschaft.

Internetseiten lahmgelegt - und Unternehmen erpresst

Doch damit nicht genug: Der 16-Jährige soll sich auch falsche 50-Euro-Scheine verschafft und mit diesen in verschiedenen Betrieben bezahlt haben. Als "besonders ausgeklügelt" bezeichnet die Staatsanwaltschaft vier sogenannte DDoS-Attacken, durch die Internetseiten stillgelegt werden. Der Schüler habe daraufhin die Unternehmen aufgefordert, ihm große Summen Bargeld zu zahlen, andernfalls wollte er weitere Angriffe durchführen. Die Unternehmen zahlten nicht, brauchten aber zum Teil mehrere Tage, um ihre Internetseiten wieder in Betrieb zu nehmen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.06.2013 | 19:00 Uhr

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