Sendedatum: 06.10.2012 11:56 Uhr  | Archiv

Teil 4: Enhanced E-Books

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E-Book oder Buch - für viele fast schon so etwas wie eine Glaubensfrage.

Mit der wachsenden Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs ändert sich unsere Mediennutzung. Schnell mal was googlen oder den Freunden von dem berichten, was man gerade gesehen, gehört oder gelesen hat. Auch Verlage müssen dem neuen Nutzungsverhalten gerecht werden.

Von Aline König, NDR Info

Ute Nöth sitzt an einem Glastisch, vor ihr ein neues iPad. Sie berührt die Bildschirmoberfläche, um im Roman "Schandweib" zu blättern. Das E-Book hat sie für den Verlag Hoffmann & Campe mit entwickelt. Auf den Seiten des digitalen Buches erscheinen einige Wörter in dunkelblau statt in schwarz. Sie tippt den Begriff "Husar" an: "Wir haben verschiedene "Hotspots"in den Text eingebaut. Vielleicht kennen Sie das: Sie lesen ein Buch und denken, das muss ich mal nachschlagen oder das müsst ich mal auf der Karte sehen. Ich weiß jetzt im Zweifel nicht, was ein Husar ist. Das können Sie sich dann alles direkt aus dem Text ausrufen. Also wir haben antizipiert, was der Leser zwischendurch für ein Informationsbedürfnis hat. Und das haben wir dann möglichst dezent eingearbeitet, damit der Lesefluss nicht gestört wird."

"Angereichte E-Books" können mehr

Etwa 4 Monate hat der Verlag an diesem sogenannten Enhanced E-Book gearbeitet. Enhanced E-Books oder auch angereicherte E-Books nennt man diejenigen elektronischen Bücher, in denen man auf Tablet-PCs und Smartphones erweitertes, oft multimediales Material abrufen kann. Zum Beispiel kann man im Anhang der E-Book-Version des historischen Romans Videos von den Originalschauplätzen ansehen. Ute Nöth und berührt ein kleines Videofenster auf dem Bildschirm, das Video startet. Die Autorin des Romans, die Historikerin Claudia Weiss, erzählt: "Hier in diesem kleinen Park in Sankt Georg, damals noch vor den Toren der Stadt, befand sich seit 1609 der Richtplatz…"

Keine Druckkosten, keine Logistik - warum sind E-Books nicht billiger?

E-Books sind im Schnitt um ein Fünftel günstiger als die gedruckte Version. Für viele Leser ist dieser Preis immer noch zu hoch. Schließlich entfallen Druck, Logistik und Lagerung. "Das stimmt", sagt Markus Dömer, Leiter des Bereichs Business Development beim Carlsen Verlag, "aber das Investment auf der Lektoratsseite, die Inhalte zu beurteilen, zu redigieren und zu lektorieren ist ja genauso hoch wie beim klassischen Papierbuch." Außerdem kostet die Verlage auch die technische Umsetzung Geld. Das gilt besonders für die Enhanced E-Books. Die dürften allerdings auch nicht zu teuer werden, sagt Ute Nöth, schließlich hätten nicht alle Leser des E-Books die entsprechenden Lesegeräte: "Denn wenn jemand ein Gerät hat, das diese Dinge nicht abspielen kann, dann soll er keine Nachteile erleiden."

Neueste Entwicklung ist die "Digital Soap"

Der Kinder und Jugendbuchverlag Carlsen geht sogar noch einen Schritt weiter und bringt in der kommenden Woche eine sogenannte "Digital Soap" für Jugendliche heraus. Sie heißt "So verliebt, so verwirrt, so schön". Jede Woche können sich die Leser für 99 Cent die neuste Episode im iBookstore herunterladen. In die Handlung sind Audios, Videos und Animationen eingebunden. Hier sind die Extrafunktionen kein Bonusmaterial, sondern integraler Bestandteil der Erzählung. Ohne Tablet-PC oder Smartphone würde die Geschichte also gar nicht funktionieren.

Lesen und mit der community diskutieren

Mareike Hermes tippt auf ihr iPad und startet die erste Episode der "Digital Soap". Zwischen den Textabschnitten können die jugendlichen Leser immer wieder Audios abspielen, wie etwa die Schulglocke zum Anfang einer Unterrichtsstunde, oder eine Unterhaltung zwischen zwei Protagonisten als Video ansehen. Am Ende jedes Kapitels finden die Leser einen Link zu einem sogenannten Social Reading Stream auf dem Internetportal lovelybooks. Dort können sich die Jugendlichen über das Gelesene austauschen. Sogar die Autorin wird auf lovelybooks die Handlung kommentieren und auf Leserfragen antworten. Carlsen will so dem veränderten Leseverhalten von Kindern und Jugendlichen entgegenkommen.

Auch Ute Nöth von Hoffmann und Campe hält es für notwendig, mit der Zeit zu gehen: "Ich glaube Literatur wird sich generell verändern und mit ihr die Frage, was ein Buch überhaupt noch ausmacht. Es wäre anachronistisch, wenn wir nicht die Fähigkeiten des Mediums nutzen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | | 06.10.2012 | 11:56 Uhr

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