Stand: 09.02.2012 06:00 Uhr  | Archiv

Diaspora: Eine Alternative zu Facebook?

Facebook führt verpflichtend die Timeline ein, Google+ ändert seine Datenschutzrichtlinien: Viele Nutzer von Sozialen Netzwerken fürchten um ihre Privatsphäre und trauen den Mega-Unternehmen nicht mehr über den Weg. Das Netzwerk Diaspora wirbt damit, kein Interesse an Nutzerdaten zu haben. Aber ist es wirklich eine Alternative zu Facebook und Co.?

Von Elise Landschek, NDR Info

Robert Solms klappt seinen Laptop auf. Die Facebook-Seite taucht sein Gesicht in blau-weißes Licht. Solms gibt seinen Namen und sein Kennwort ein - zum allerletzten Mal. Dann löscht er sein Profil. Nach der zwangsweisen Umstellung auf die Timeline sei das für ihn die einzige Option gewesen, sagt er: "Auf diesem Weg in eine Richtung, die mir nicht gefällt, die immer weiter die Daten optimiert für die Werbekunden von Facebook, ist das einfach der Schritt zu viel, den ich nicht mitgehe."

Datenschutz bei Diaspora gesichert?

Doch der 35-jährige Grafikdesigner hat schon eine neue digitale Heimat gefunden - so hofft er zumindest. Noch während er bei Facebook war, hat er sich bei Diaspora angemeldet. Deren Schwerpunkt, die Privatsphäre zu sichern, habe ihn überzeugt. Auch Kai-Uwe Steffens vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung sieht in Diaspora einen gewaltigen Fortschritt in Sachen Datenschutz: "Bei Diaspora handelt es sich auch um ein soziales Netzwerk, bei dem man auf Freunde und Bekannte einen Zugriff hat. Es ist aber im Unterschied zu den großen Anbietern kein zentrales Netzwerk, sondern ein dezentrales. Das heißt, wir kennen hier nicht das Risiko, dass Daten im großen Umfang missbraucht werden."

Persönliche Webserver 

Diaspora funktioniert tatsächlich anders. Anders als bei Facebook legt der Anwender seine Daten auf persönlichen Webservern - sogenannten pods - ab. Und er behält damit die Kontrolle über diese Daten. Der Datenaustausch der Server untereinander soll trotzdem problemlos möglich sein. Genau das ist für Solms der Grund, warum er überhaupt in einem sozialen Netzwerk ist: "Es verlagert sich schon einiges auf diese Art ins Netz, zum Beispiel Einladungen zu irgendwelchen Veranstaltungen. Und ab und zu kommen Leute, die sich neu angemeldet haben, und dann kommt man wieder in Kontakt, was vorher aus irgendwelchen Gründen nicht passiert ist. Das finde ich auch nett, klar."

Noch wenig Nutzer bei Diaspora unterwegs

Aber genau hier hakt es bei Diaspora. Solms gibt verschiedene Namen seiner Freunde in das Suchfeld an - Treffer: Fehlanzeige. "Erstmal ist kaum jemand da, den ich auf Facebook kenne. Das ist wirklich das Hauptkrititerium, was noch nicht so richtig funktioniert." Rund 360.000 Nutzer soll Diaspora inzwischen haben. Kein Vergleich zu den derzeit 845 Millionen Mitgliedern bei Facebook.

Solms behilft sich damit, in spezifischen Nutzergruppen über seine Interessensgebiete zu diskutieren - die kann er mit sogenannten Hash-tags eingrenzen. So habe er schon viele neue Leute kennengelernt. Allerdings ist auch das System selbst noch längst nicht ausgefeilt: "Man merkt, es ist ein bisschen langsam. Die einzige Anwendung, die hier für geschrieben wurde, wo man was mit Fotos machen kann, die ging dann nicht. Es ist alles noch in der Entwicklungsphase." Solms spricht auch von vielen Freaks, die bei Diaspora unterwegs seien: "Wenn man hier mit der Erwartung hingeht, man findet hier einen Facebook-Klon, dann wird man eher enttäuscht."

Spendenvolumen flaute ab

Vor zwei Jahren gründeten vier amerikanische Mathematikstudenten die Alternative zum Netzwerkgiganten Facebook. Der erste Hype spülte mehr als 200.000 Dollar in die Kassen der Macher, danach flaute das Spendenvolumen wieder ab und brachte das Projekt in die Bredouille. Ob sich Diaspora halten kann? Datenschützer Steffens jedenfalls ist begeistert. Er erinnert daran, dass auch Facebook mal klein angefangen habe: "Das ist ein sehr vernünftiger Ansatz. Wenn das dann irgendwann auch mal vernünftig läuft, kann ich mir vorstellen, das auch selber zu nutzen."

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NDR Info | 09.02.2012 | 08:08 Uhr

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