Sendedatum: 29.07.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Was taugen medizinische Diagnosen im Netz?

von Annette Niemeyer

Es gibt etwa eine halbe Million deutschsprachiger Internetseiten, die sich mit Gesundheitsthemen beschäftigen, darunter Laienforen, Gesundheitsportale, in denen sich Mediziner und Wissenschaftsjournalisten äußern, Seiten von Pharmaunternehmen, aber auch von Universitäten, Ministerien und dazugehörigen Instituten, von Krankenkassen und Selbsthilfeorganisationen sowie die Artikel der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Um einschätzen zu können, wie vertrauenswürdig die Informationen sind, sollten sich die Nutzer immer fragen: Wer äußert sich hier, ein medizinischer Laie oder ein Arzt? Ein Unternehmen, das ein bestimmtes Produkt verkaufen will oder eine Institution, der an ausgewogener Information gelegen ist?

Qualitätssiegel sollen bei der Auswahl helfen

Für die deutschsprachigen Seiten gibt es zwei Qualitätssiegel, die Verbrauchern helfen sollen, qualitativ hochwertige Informationen zu finden. Das Siegel des gemeinnützigen Vereins "Health on the Net" garantiert Nutzern, dass sich die Betreiber der ausgezeichneten Seiten an einen bestimmten Verhaltenskodex halten. So soll immer angegeben sein, welche Qualifikation der Verfasser hat und welche Quellen er verwendet hat. Zudem soll die Finanzierung offengelegt und Werbeinhalt klar von redaktionellem Inhalt zu unterscheiden sein. Auch das Siegel des "Aktionsforums Gesundheitsinformationssystem" soll Transparenz und Qualität garantieren.

Die Gesundheitsportale netdoktor.de oder onmeda.de tragen zum Beispiel beide Siegel. Das bedeutet aber nicht, dass alle Inhalte solcher Portale medizinisch richtig sind. Auch hier müssen die User kritisch bleiben. Fehler können auf den besten Seiten stehen.

Gute Seiten gezielt ansteuern

Eine Übersicht von unabhängigen Informationen bietet beispielsweise das Angebot gesundheitsinformation.de des "Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Medizin" (IQWiG). Das Institut erforscht, welche medizinischen Leistungen wirtschaftlich sinnvoll und für den Patienten hilfreich sind. Auf seinem Verbraucherportal hat das IQWiG Informationen zu bestimmten Themenbereichen zusammengestellt, wie zum Beispiel zu Atemwegen, Zähnen, Herz und Kreislauf, Verdauung und Stoffwechsel.

Auch das "Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin", eine gemeinsame Einrichtung von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung, bietet unter patienten-information.de medizinische Informationen für den Laien.

Das Risiko der Überinformation

Gerade Gesundheitsportale bemühen sich um Sorgfalt und Vollständigkeit. Genau das kann einen verunsicherten Laien aber in Panik versetzen, wenn er eine Erklärung für seine Beschwerden sucht, aber bei der Recherche die schlimmste mögliche Diagnose findet. Man sollte sich also vor der Internet-Recherche bewusst machen, ob man sich selbst zumuten möchte, alle nur denkbaren Ursachen für bestimmte Beschwerden zu erfahren.

Die zweite Meinung - auch im Netz einholen

Wer von einem leibhaftigen Arzt eine schlimme Diagnose erfährt und daran Zweifel hat, würde immer eine zweite Meinung von einem anderen Arzt einholen. Bei der Suche nach Informationen aus dem Internet sollte man genauso verfahren und immer mindestens drei oder vier Seiten vergleichen.

Gerade schwerwiegende Diagnosen sollte man grundsätzlich nicht aufgrund einer Internetrecherche selbst stellen. Die Suche im Netz kann keinen Arzt ersetzen. Nur er kann die individuell passende Diagnose stellen und eine entsprechende Therapie verordnen.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 29.07.2013 | 20:15 Uhr

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