Stand: 30.03.2016 18:20 Uhr

Qabel - Die Daten-Verschlüsseler aus Hannover

von Beate Barrein
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Das Qabel-Team in Hannover beim Gruppenfoto-Termin.

Wie sicher sind eigentlich meine Daten, wenn jeder in der Lage ist, ein Smartphone zu knacken? Der Streit zwischen dem FBI und der Firma Apple zeigt deutlich, wie wichtig es ist, persönlichen Daten zu verschlüsseln. Leider haben nur die wenigsten Nutzer Ahnung, wie das geht. Die Verschlüsselungsprogramme sind in der Regel viel zu kompliziert. Ein Start-up aus Hannover will das jetzt ändern und die Kommunikation im Internet sicherer machen. Die App Qabel verschlüsselt Daten unkompliziert und ist für private Nutzer kostenfrei.

Aus dem Klingonischen

Das Wort "Qabel" stammt aus der Star-Trek-Sprache Klingonisch. Übersetzt bedeutet es "schlecht abzuhören". Die gleichnamige Plattform verwendet die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das sei an und für sich nicht neu, erklärt Qabel-Geschäftsführer Peter Leppelt: "Alles, was Ende-zu-Ende-verschlüsselt, funktioniert natürlich analog dazu. Nur versuchen wir, eine möglichst omnipotente Plattform dafür anzubieten. Die Idee ist, dass wirklich jedes Kommunikationsbit, was dann nach draußen geht, eines jeden Bürgers immer verschlüsselt ist."

Kostenlose Qabel-Box für alle

Das sind etwa Fotos oder Textdokumente. Für das verschlüsselte Ablegen der Daten startet Qabel mit einem Online-Speicher, einer Cloud, der "Qabel-Box". "Ich kann sie mir als Benutzer einfach runterladen, das kostet auch nichts. Ich kann einfach loslegen und als Hersteller oder als freier Entwickler kann ich diese vorhandene Plattform benutzen und muss mich nicht um das Thema Kryptografie kümmern", erklärt Leppelt.

"Der Schlüssel muss geheim sein"

"Kryptografie" begann mit den ersten Geheimschriften. Heute werden damit digitale Daten unlesbar gemacht. Die Qabel-Software zerlegt noch auf dem PC oder mobilen Gerät die hochgeladenen Fotos, Dokumente oder Multimedia-Dateien so, dass sie ohne den Schlüssel des Nutzers nicht wieder zusammengesetzt werden können. "Der Schlüssel muss geheim sein, sprich ihre eigene persönliche Zackung sozusagen. Aber der Mechanismus des Schlosses, der sollte öffentlich sein. Einfach damit er überprüfbar ist", sagt Leppelt.

Transparenz und Sicherheit stehen im Fokus

Laut dem Informatik-Ingenieur ist Qabel die einzige Verschlüsselungsplattform, die den Quellcode veröffentlicht, also die Programmiersprache. Es gehe dabei um Transparenz und mehr Sicherheit: "Wir wissen, dass da Fehler drin sind. In jeder Software sind Fehler drin. Das ist auch mathematisch beweisbar, dass es nicht anders geht. Wenn jetzt jemand etwas findet, dann kann er uns das sagen. Und wir werden das dann so schnell wie möglich reparieren. Und das auch wieder veröffentlichen. Dann kann der nächste reingucken."

Patent soll gemeinnütziger Organisation übertragen werden

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Qabel-Geschäftsführer Peter Leppelt rät dazu, die Sicherheit der eigenen Daten, auch gesamtgesellschaftlich, immer wieder zu hinterfragen.

Im Moment ist das Programm in der Testphase, in der Beta-Version. Für nicht kommerzielle Nutzer bleibt die Plattform kostenfrei. Gewerbliche müssen dagegen für die Dienstleistung bezahlen, so die Idee des Geschäftsmodells. Qabel will das Patent einer gemeinnützigen Organisation übertragen. Auf diese Weise lohnt es sich auch für Entwickler eigene Anwendungen anzudocken. "Jetzt ist die Plattform da und die Leute können es besiedeln. Wir freuen uns über jeden, der einen Dienst darauf schreibt. Zum Beispiel ein neues Social-Network. Dann kann ich mir einfach das fertige Werkzeug Qabel nehmen und bau das da drauf", so Leppelt.

Qabel kann Daten nicht wieder lesbar machen

Zunächst sollen E-Mail oder Kalender dazu kommen, später auch Telefonverschlüsselung. Die Daten selbst können von Qabel nicht wieder lesbar gemacht werden, auch nicht, wenn Polizei oder Bundeskriminalamt die Daten herausfordern würden, so Leppelt: "Die Behörden würden von uns einen großen Datenberg bekommen, der einfach komplett nutzlos ist. Das ist komplett legal so. Das ist prinzipbedingt. Aber, das wird natürlich wieder eine Diskussion auslösen."

Datenschützer sprechen sich für Verschlüsselung aus

Der Qabel-Geschäftsführer rät dazu, die Sicherheit der eigenen Daten, auch gesamtgesellschaftlich, immer wieder zu hinterfragen. Bei der öffentlichen Vorstellung der Qabel-Plattform hat sich der prominente Datenschützer Peter Schaar besonders vehement für Verschlüsselung als Basistechnologie ausgesprochen: "Es liegt nicht an den zu wenigen Daten, dass wir den Terrorismus haben. Es liegt nicht an der Kryptografie, dass terroristische Anschläge stattfinden, sondern das hat ganz andere Ursachen. Und da mal wirklich genauer hinzuschauen, das würde sich glaube ich lohnen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 31.03.2016 | 08:08 Uhr

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