Stand: 20.09.2013 21:39 Uhr  | Archiv

Präventionstheater gegen Cybermobbing

von Britta Nareyka

Das Internet ist ein riesengroßer Spielplatz der unbegrenzten Möglichkeiten. Was aber besonders Jugendliche oft nicht vor Augen haben: Das Internet kann auch zur Gefahrenquelle werden. Denn Bilder und private Informationen verbreiten sich manchmal schneller als den Usern lieb ist. Und geraten dann häufig in die falschen Hände, wie das vor einigen Wochen zum Beispiel in Nordhorn der Fall war. Mit dem hochaktuellen Thema "Cybermobbing" beschäftigt sich das Theaterstück "Click it!2", das für zwei Tage in Lingen (Landkreis Emsland) gastiert. Aufgeführt wird das Stück von Schauspielern und Theaterpädagogen des Vereins Zartbitter aus Köln, der sich schon seit Jahren gegen sexuellen Missbrauch bei jungen Leuten einsetzt.

"Hilfe ist kein Verrat"

Die Geschichte von "Click it!2" greift die Erfahrungen vieler Jungen und Mädchen auf, die sie im Internet gemacht haben. Und diese Erlebnisse sind teilweise schockierend: Immer wieder werden junge Leute mit harter Pornografie konfrontiert, sexuell angemacht und erhalten Ekel- und Horrorvideos. Auf spielerische Art und Weise versuchen die Schauspieler, diese ernsten Hintergründe kind- und jugendgerecht zu verpacken. Dabei helfen die beiden Hauptfiguren "Silvio" und "Billa", mit denen sich die jungen Leute identifizieren sollen. Die beiden fiktiven Figuren bekommen im Laufe des Theaterstücks Mobbing im Internet am eigenen Leib zu spüren. 

Ziel dabei: Die jungen Zuschauer sollen für einen respektvollen und sicheren Umgang im Netz sensibilisiert werden. Gleichzeitig sollen sie ihre Scheu ablegen. Im Notfall können Freunde, Lehrer und Eltern hilfreich zur Seite stehen. "Hilfe ist kein Verrat" - so die im Netz überlebenswichtige Botschaft der Schauspieler.

"Das ist ganz schön erschreckend"

Nach der gut einstündigen Aufführung wird gemeinsam diskutiert. Den Schülerinnen und Schülern der 5. bis 7. Klassen ist das eine oder andere Thema dann doch etwas peinlich. Gekicher ist zu hören, als es zum Beispiel um per SMS verschickte manipulierte Nacktbilder geht. Doch den Kindern ist der Ernst der Situation durchaus bewusst. Einige berichten, wie sie selbst oder Freunde mit Cybermobbing zu tun gehabt haben und wie sie sich dabei verhalten haben. Die Schauspieler übernehmen nun die Rolle der Aufklärer. "Tut euch zusammen, behaltet so etwas bloß nicht für euch", raten sie den jungen Leuten. Denn: Das Internet vergisst nie. Auch gelöschte Daten sind nie für immer von der Bildfläche verschwunden. "Ich werde auf jeden Fall noch vorsichtiger sein", versichert ein junger Besucher. Sein Freund stimmt zu: "Das ist schon ganz schön erschreckend, wenn einem das so deutlich gemacht wird."

Mehr Aufmerksamkeit und Achtsamkeit

Prävention ist wichtig - da sind sich auch die Beratungsstelle Logo des Deutschen Kinderschutzbundes, das Präventionsteam der Polizei Emsland/ Grafschaft Bentheim sowie die Abteilung Jugendschutz der Stadt Lingen einig. Sie haben sich dafür eingesetzt, dass das Stück "Click it!2" in Lingen gezeigt wird. "Die Kinder kommen immer früher mit dem Internet in Berührung. Und sie sind eben neugierig und können die Gefahren oft nicht richtig einschätzen. Wir wollen für mehr Aufmerksamkeit und Achtsamkeit werben, wie jetzt mit dem Theaterstück", so Hiltrud Frese vom Präventionsteam der Polizei.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/cybermobbing209.html