Sendedatum: 17.09.2013 09:20 Uhr  | Archiv

Verschlüsseln für jedermann: Cryptopartys

von Michael Meyer
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Bei Cryptopartys lernen Nutzer, wie E-Mails und Festplatten verschüsselt werden.

Facebook und die NSA, Datenphishing und Edward Snowden - das sind Begriffe und Namen, die die Deutschen aufhorchen lassen. In einem Land wie Deutschland, in dem Geheimdienste und das Eindringen in die Privatsphäre historisch eine große Bedeutung haben, sorgen sich Internetnutzer zunehmend um ihre Datensicherheit. Wer hat Einblick in meine Daten, kann ich noch unbekümmert E-Mails schicken und Geld überweisen? Deshalb boomen wohl auch die Cryptopartys. Das sind Treffen, auf denen E-Mails und Festplatten verschlüsselt werden. 

So verschlüsseln Sie E-Mails

Party gleicht einem Uni-Seminar

Das Berliner Büro der "Linux User Group" liegt in einer unwirtlichen Ecke Berlins, in einer Seitenstraße unweit des Hauptbahnhofs. Drinnen sieht es so gar nicht nach Party aus, sondern eher nach Studentenbude: Neonlicht und abgewetzte Sofas - so stellt man sich das Zuhause eines Computer-Nerds vor. Mit einer Party hat das Ganze wenig zu tun: Zwar gibt es im Hinterzimmer Getränke und Knabberzeugs zu kaufen, ansonsten erinnert das Treffen eher an ein Uniseminar. An diesem Abend haben sich ein halbes Dutzend Interessierte eingefunden, ausschließlich Männer zwischen 30 und 45, um zu lernen, wie man eine Festplatte verschlüsselt. Informatiker Thomas Osterried erklärt den Teilnehmern, worum es geht: "Wenn ich Daten verschlüssele, kann ich das entweder auf Dateiebene machen oder auf Partitions, also der Festplattenebene."

Idee stammt aus Australien

Die Idee für die Cryptopartys ist noch nicht alt, sie stammt aus Australien, das Konzept dafür ist erst im letzten Jahr von einem Computertechniker und einer Datenschützerin entwickelt worden und stieß auf großes Interesse. Besonders in Deutschland, erklärt der Systemadministrator Hauke Laging, der in seiner Freizeit ebenfalls oft Seminare zur Datenverschlüsselung in den Räumen des Linux-Vereins abhält. Die Gründe, warum die Leute solche Cryptopartys besuchen, sind völlig unterschiedlich - der NSA-Skandal spielt sicher eine Rolle. "Ich halte es für sinnvoll, generell meine Daten zu schützen, damit nicht irgendjemand auf die Idee kommt, mir daraus einen Strick zu drehen", sagt Lauging.

Komplexes Thema, schwierige Umsetzung

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Schwierige Begriffe, komplexe Themen: PGP, CPU, Krypto Algorithmen und Hash-Verfahren.

Die Gründe, warum viele Computernutzer noch zögerlich sind, wenn es um Datensicherheit geht, erschließen sich im Laufe des Abends: Das Thema ist komplex und ist nicht so einfach umzusetzen wie ein Download. Nach zwei Stunden rauchen die Köpfe. PGP und CPU, Krypto-Algorithmen und Hash-Verfahren - da muss man sich schon auskennen, um all den Begriffen zu folgen. Manchem Teilnehmer dämmert: das wird wohl nicht die letzte Cryptoparty gewesen sein. 

Wie weit sich die Cryptopartys rumsprechen werden, ist noch nicht abzusehen. Hauke Laging meint, dass man es angesichts des NSA-Skandals auch nicht übertreiben dürfe bei der Datenverschlüsselung, aber sie sei wichtig: "Wir müssen da hinkommen, dass unterschiedlich wichtige Dinge unterschiedlich stark geschützt werden müssen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 17.09.2013 | 09:20 Uhr

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