Stand: 14.03.2016 10:45 Uhr

CeBIT: Das Schaufenster der Bits & Bytes

von Axel Franz, NDR.de
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Feinste Bürotechnik: Ausgestattet mit Laptop, Mobiltelefon, Modem und Drucker steht dieses Mini-Büro auf der CeBIT 1990.

Besucherrückgang und Ausstellerschwund? Als die Deutsche Messe AG in Hannover 1986 zur ersten eigenständigen CeBIT einlädt, sind solche Begriffe Fremdworte. Bereits seit den 60er-Jahren hält die Elektronik Einzug in die Verwaltung, das Interesse an moderner Bürotechnik nimmt rasant zu. Büromaschinen sind daher auf der traditionellen Industrieschau Hannover Messe längst vertreteten.

Die Messe bietet Anbietern aus dieser Branche unter dem Stichwort "Büroindustrie" sogar einen eigenen Bereich, es mangelt aber an Ausstellungsfläche. 1970 entsteht für diesen Sektor ein neues Quartier: Die größte ebenerdige Messehalle der Welt mit mehr als 70.000 Quadratmetern Fläche auf drei Etagen.

CeBIT = Centrum der Büro- und Informationstechnik

Mit der riesigen Halle bekommt die "Büroindustrie" auch einen neuen Namen: Centrum der Büro- und Informationstechnik oder kurz CeBIT. Wie glücklich der Begriff gewählt ist, zeigt sich bis heute, denn viele Besucher verbinden ihn mit dem Bit als kleinster Datenmenge in der Computersprache. Tatsächlich dreht sich auf der Hannover Messe immer mehr um Bits und Bytes. Die Datenverarbeitung fasst in nahezu allen Bereichen der Industrie Fuß und sorgt dafür, dass Anbieter aus dieser Branche immer größere Flächen buchen. Bald können die Messemacher nicht mehr alle Interessenten unterbringen: Die Flut von Computer- und Software-Firmen sprengt den Rahmen. 1980 steigt die Informations- und Kommunikationstechnik zum zweitgrößten Messe-Segment nach der Elektrotechnik auf. 1985 müssen sich Hunderte IT-Unternehmen mit einem Platz auf der Warteliste begnügen.

Vom Commodore 64 zur Smartwatch

Die Messe teilt sich

Doch die Organisatoren tun sich schwer, dem Bereich eine eigene Messe zu widmen. Nach monatelangen Gesprächen mit Ausstellerverbänden und Industrievertretern fällt die Entscheidung: Ab 1986 gibt es im März, vier Wochen vor der Industrie-Messe, eine eigene Hannover Messe CeBIT. Der Schritt bleibt allerdings weiter umstritten: Dem größeren Platzangebot steht die Befürchtung gegenüber, dass eine Messe ohne industrielles Umfeld weniger attraktiv sein könnte. Dennoch öffnet am 12. März 1986 die erste eigenständige CeBIT auf 200.000 Quadratmetern Fläche mit 2.142 Ausstellern. Davon stammen 190 Firmen aus dem neuen Bereich Telekommunikation. Er wird in den kommenden Jahren zur boomenden Branche und Kernsegment der CeBIT. Mit insgesamt 334.400 Besuchern während der acht Messetage 1986 zeigen sich die Veranstalter zufrieden.

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In den folgenden Jahren wächst die junge Messe stetig und gehört schnell zu den festen Terminen im Kalender aller Branchengrößen. Die CeBIT 1995 geht als Mega-Messe in die Historie ein: Mehr als 6.100 Aussteller und 755.000 Besucher drängen sich auf dem längst vollständig genutzten Messegelände. Computer gehören inzwischen nicht nur in der Wirtschaft zum Standard, es gibt auch immer mehr private Nutzer.

CeBIT Home floppt

Das riesige Publikumsinteresse wird für die Messe zunehmend zum Problem: Handys und PCs locken viele junge Leute an, die als Schaugäste und Souvenirjäger die CeBIT überfüllen. Dem Konzept einer Fachmesse stehen sie im Wege. Die Veranstalter reagieren mit deutlich höheren Eintrittspreisen und streichen einen Messetag. Außerdem heben sie 1996 die CeBIT Home aus der Taufe: eine Messe speziell für die Konsumenten der Elektronik-Branche. Der Plan geht allerdings nicht auf, die Messe findet nicht den erwarteten Anklag und wird schon im Jahr 2000 wieder aufgegeben.

Vom Boom in die Krise

Die CeBIT selbst boomt weiter. Auf dem Höhepunkt der Internet-Euphorie entstehen zahllose Minifirmen im IT-Bereich und drängen an die Börse und auf die Messe. Zur Jahrtausendwende kommen mehr als 7.800 Aussteller und 750.000 Besucher nach Hannover. Danach platzt die Internet-Blase und die Branche gerät in die Krise. 2001 kann die langfristig organisierte Messe zwar noch mit guten Zahlen glänzen, doch die Stimmung ist gedämpft. Ein Jahr später zeigt sich dies auch in mageren Geschäften.

Besucherzahl sinkt auf Anfangsniveau

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Nach vielen Jahren stetigen Wachstums kämpft die CeBIT nun gegen schrumpfende Besucherzahlen.

Seitdem kämpft die CeBIT gegen schrumpfende Aussteller- und Besucherzahlen. Mehrere zugkräftige Großunternehmen kommen nicht mehr nach Hannover, andere verkleinern ihre Messestände. 2004 zählt die Messe AG knapp 500.000 Gäste und 2010, als Folge der Weltwirtschaftskrise, nur noch 4.157 Aussteller und 334.000 Besucher - weniger als im Premierejahr 1986. Auch die Produkte der IT-Branche selbst stellen die Messe in Frage: immer schnellere Datenverbindungen zu günstigen Preisen, Video-Konferenzen und das weltweite Präsentations- und Werbemedium Internet. Sind große Messen an starren Terminen noch zeitgemäß?

Mehr Konferenzen gehören zum neuen Konzept

Die Messe-Leitung passt ihr Konzept immer wieder den aktuellen Entwicklungen an und versucht so, den Trend umzukehren. Um Kosten zu senken, wird die CeBIT 2010 auf nur noch fünf Tage verkürzt. Außerdem gibt es mehr Kongresse und Firmenveranstaltungen. Neben der Information über neue Produkte stehen Diskussionen und Konferenzen zunehmend im Mittelpunkt. So wirbt die CeBIT 2011 zum 25. Jubiläum für die "CeBIT Global Conferences". Außerdem wird die Messe erstmals nicht nach Themenbereichen gegliedert, sondern nach Zielgruppen. Dabei sind auch Endverbraucher wieder willkommen. Die Bilanz fällt dennoch bescheiden aus: Nach den fünf Messetagen registrieren die Veranstalter ein kleines Plus von 5.000 Besuchern gegenüber dem Minus-Rekord von 2010.

Erneut weniger Besucher

Offenbar behalten die Skeptiker jedoch Recht. 2012 sinkt die Zahl der Besucher erneut deutlich - auf nur noch 312.000. Die Messe AG begründet das unter anderem mit einem eintägigen Streik im öffentlichen Nahverkehr Hannovers. Inhaltlich stehen "Vertrauen und Sicherheit in der digitalen Welt" im Mittelpunkt. Konsumenten werden mit einem Entertainment-Bereich aus Musik und Spielen sowie viel Smartphone-Zubehör auf das Messegelände gelockt.