Stand: 22.03.2017 16:20 Uhr

"Die Risiken für Täter sind noch zu klein"

von Alexander Nortrup
"Wir schauen nicht tatenlos zu" - BKA-Chef Münch bei seinem Vortrag auf der CeBIT.

Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, hat auf der CeBIT Unternehmen aufgefordert, intensiver mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Viel zu wenige Hacker-Angriffe kämen zur Anzeige, weil Firmen durch Ermittlungen Reputationsverluste und eine Störung ihrer Produktion fürchteten, sagte Münch bei den "Global Conferences". Er betonte dagegen, die Polizei könne durchaus diskret und ohne Störung von betrieblichen Abläufen Cybercrime bekämpfen: "Wir kommen nicht mit Blaulicht und nehmen den Firmenrechner mit." Der BKA-Chef gab eine Bestandsaufnahme der "gut strukturierten dunklen Wirtschaft" -  von Identitätsdiebstählen über Online-Erpressung bis hin zu Botnetzen und Angriffen auf Infrastrukturen. "Cybercrime ist ein wachsendes Geschäftsfeld", resümierte Münch, der seit 2014 im Amt ist. "Und die Risiken für Täter sind noch zu klein."

Münch betont Erfolge - und hofft auf mehr Kooperation

Die Ermittler könnten auf eine solch komplexe Bedrohung nicht durch Bürokratie reagieren – und täten das auch meist nicht: "Wir schauen nicht tatenlos zu." Das BKA habe etwa für alle Polizeibehörden eine sichere Forensik-Cloud zur Entgegennahme von Bild- und Videomaterial bei terroristischen Attacken entwickelt, die regelmäßig genutzt werde. Auch seien jüngst erfolgreich Plattformen abgeschaltet worden, auf denen man kriminelle Dienstleistungen buchen konnte. Solche Erfolge seien aber nur möglich, wenn Unternehmen und Privatpersonen nicht die Zusammenarbeit mit der Polizei scheuten, betonte Münch.

"Die Blauen sind schlauer als je zuvor"

Erst vor zwei Wochen habe man mit 14 Landeskriminalämtern und acht Staatsanwaltschaften erfolgreich die Ermittlungen gegen "crimenetwork.biz", das größte deutsche Darknet-Forum für illegale Dienstleistungen, abgeschlossen. Dazu seien Cyber-Spezialisten im BKA in Wiesbaden zusammengeholt worden, man habe 153 Täter identifiziert, deutschlandweit hätten mehr als 1.000 Polizisten 120 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Das Portal sei nun dauerhaft offline – und die Kommentare seiner Nutzer in abgehörten Mitteilungen zeugten von Respekt vor der Polizei. "Die Blauen sind schlauer als je zuvor", zitierte Münch einen der Darknet-Nutzer. An solche Erfolge müsse man anknüpfen, erklärte der Behördenleiter und bemühte ein Bild aus dem Fußball: Man spiele teilweise immer noch wie eine Jugendmannschaft, wo jeder dem Ball, also in diesem Fall dem Online-Kriminellen, hinterherrenne. Durch bessere Koordination könne man aber mehr erreichen. "Wir müssen in die Champions League", fasste Münch die Ambitionen seines Amtes noch einmal mit einem Vergleich aus dem Fußball zusammen.

Ein Mitschnitt des Auftritts von Münch wird am Abend auf dieser Seite veröffentlicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.03.2017 | 18:00 Uhr

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