Stand: 20.03.2017 11:10 Uhr

CeBIT 2017: Schnelleres Internet kommt langsam

von Alexander Nortrup
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Mobiles Internet ist in allen Händen - aber wie schnell es ist, unterscheidet sich zum Teil erheblich (Themenbild).

Darf es ein bisschen schneller sein? Da sagt wohl kaum ein Nutzer des mobilen Internets "Nein". Und auch die Besucher der CeBIT bekamen in der Vergangenheit immer wieder neue Mobilfunkstandards zu sehen. GPRS, UMTS, LTE - alle diese Techniken wurden in Hannover einst dem staunenden Publikum vorgeführt- obwohl die CeBIT zu keiner Zeit schwerpunktmäßig eine Mobilfunkmesse war. Doch massenkompatibel ist das Thema allemal - wohl jeder kennt das Gefühl, dass die mobile Datenübertragung nicht gut genug ist. Kein Wunder also, dass auch 2017 eine entsprechende Zukunftsvokabel auf vielen Ständen zum Repertoire zählt: 5G.

Die Fotocollage zeigt eine Frau mit ihrem Smartphone auf dem das Bild einer Schnecke zu sehen ist. © fotolia Fotograf: George JMC Little / Gina Sanders

Rasende Entwicklung beim Mobilfunkstandard

Um deutlich zu machen, wie sehr die Geschwindigkeit der Mobilfunkstandards in den vergangenen Jahren gestiegen ist, ziehen wir hier den maßstabsgetreuen Vergleich.

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Mehr Speed, weniger Energie

Wie immer bei neuen Standards geht es um Zahlen, Zahlen, Zahlen. Bei der aktuellen Technik LTE (4G) sind je nach Anbieter und Endgerät inzwischen Bandbreiten bis zu 375 MBit/s im Downlink und bis zu 50 MBit/s im Uplink nutzbar. 1.000 MBit sollen in mehreren Ausbaustufen noch möglich werden. 5G dagegen soll eine deutlich höhere Datenübertragungsrate ermöglichen und in der Spitze 10.000 MBit (zehn Gigabyte) pro Sekunde übertragen können. Weil 5G zugleich dramatisch weniger Energie brauchen und eine Ansprechzeit ("Latenz") von weniger als einer Millisekunde haben soll, ist die Erwartungshaltung groß. Doch wirklich ausprobieren kann man die Technik nicht - dazu fehlen die Endgeräte.

Basis für 5G wird gezeigt

Dafür kann man sich am Stand von IBM und Ericsson schon einmal ansehen, wie die neue Technik künftig verbreitet wird. Die beiden Firmen zeigen Basisstationen, die als Antennen für 5G einen Durchbruch darstellen sollen. Die Module sind etwa halb so groß wie ein gängiges Smartphone und arbeiten mit Frequenzen im 28-GHz-Spektrum, einem zehn Mal höheren Frequenzbereich als dem, den heutige Mobilgeräte nutzen.

Vielfältige Anwendungen für 5G

Dass mobiles Internet mehr Dampf braucht, ist unbestritten - und bezieht sich nicht nur auf einfaches Surfen. Künftig sollen mobile Anwendungen viel mehr Bedeutung in zentralen gesellschaftlichen Bereichen bekommen: Autonomes Fahren etwa ist ohne eine stabile, schnelle Internetverbindung undenkbar. Das "Internet der Dinge", mit dem unter anderem Produktionsprozesse intelligenter und effizienter werden sollen, benötigt viel Bandbreite und ebenso viel Zuverlässigkeit. Ultra-HD-Filme mit hohen Datenmengen können heute schon mit vielen Smartphones gedreht werden und werden 5G brauchen, um in angemessener Zeit übertragen zu werden. Virtual-Reality-Gaming, unzählige Sensoren, die in der Stadt bei der Suche nach Parklücken helfen, optimierte Verkehrsleitsysteme - die Möglichkeiten sind schier unendlich.

Schneller Einblick: Was die Abkürzungen bedeuten

Das mobile Internet begann in Deutschland mit GPRS (General Packet Radio Service), und zwar im Jahr 2000. Die Übertragung in Paketen war allerdings nach heutigen Maßstäben überaus langsam: bis zu 54 Kilobit pro Sekunde waren maximal möglich. Als nächste Stufe folgte 2006 EDGE (Enhanced Data Rates for GSM), das bis zu 217 Kilobit pro Sekunde erlaubt. Wenige Monate danach wurde der 3G-Standard UMTS eingeführt. Eine noch schnellere Variante von UMTS bietet seit 2011 HSPA (High Speed Packet Access): bis zu 168 MBit/s im Downlink und 23 MBit/s im Uplink. Seit Ende 2012 ist LTE oder 4G in der Fläche verfügbar, es erlaubt erstmals Videokonferenzen in HD. Mit 5G steht schließlich bereits der nächste Standard in den Startlöchern, rasend schnell mit bis zu 10 Gigabyte pro Sekunde. Aber wie immer wird es dauern, bis er auch wirklich verfügbar ist.

Einführung dauert noch

Aber wann wird die Technik denn nun verfügbar sein? "Das ist ein Prozess", lächelt Caren Altpeter von Vodafone Deutschland. "Bis 2020 soll 5G eingeführt werden." Skeptiker gehen eher von 2022 oder 2025 aus - schließlich habe LTE auch mehrere Jahre länger gebraucht als angekündigt. Zum Start solle dann aber ein zentrales Problem heutigen mobilen Surfens ausgemerzt werden: Unterbrechungen. "In der Tat ist es ein Ziel, dass die Latenzzeit, also die Geschwindigkeit, in der die Maschinen miteinander kommunizieren, auf einen Wimpernschlag, eine Millisekunde, reduziert wird", sagt Altpeter. Nur dadurch könne bald in Echtzeit aus der Ferne operiert werden. Und nur dadurch sei auch der Wechsel zwischen Funkzellen bald nicht mehr spürbar. Auf dem Vodafone-Stand bekomme man schon einmal "Einblicke in den Straßenverkehr der Zukunft": Eine multisensorische Erfahrung mitsamt einer Virtual-Reality (VR)-Brille zeigt, wie das Auto bald mit der Straßenlaterne, der Ampel und dem Vordermann kommuniziert. Wenn dann der Verkehr nicht ganz so schnell fließt, kann man immerhin schnell surfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.03.2017 | 06:00 Uhr

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