Stand: 21.08.2012 22:00 Uhr  | Archiv

Rock am Ring für Nerds kommt nach Berlin

von Fiete Stegers
Bild vergrößern
Gern gesehen: tollkühne Gamer mit ihren aufgemotzen Computern

Kein Geringerer als Tim Berners-Lee wird kommen, der Erfinder des World Wide Webs - und mit ihm erwarten die Veranstalter 10.000 App-Entwickler, Blogger, Gamer und andere Computer-Freaks. Seit heute findet in Berlin die "Campus Party Europe" statt. Dahinter verbirgt sich keine Studentenparty, sondern ein "Rund-um-die-Uhr-Technologie-Festival". Sechs Tage lang finden auf dem ehemaligen Flughafen-Gelände Berlin-Tempelhof Vorträge, Programmier-Sessions und Workshops statt - die Themen reichen von Social Media über Fotografie und Robotik bis zur Biotechnologie.

Doppelt so groß wie Treffen des Chaos Computer Clubs

Sogar gezeltet werden kann auf dem Gelände. Auch die Dimensionen erinnern eher an ein Musikfestival. Zwar rechnen die Organisatoren längst nicht mit so großen Besucherzahlen wie bei reinen Produkt-Messen wie CeBIT oder Gamescom. Aber die angekündigten knapp 10.000 Besucher und rund 500 Redner wären mehr als doppelt so viel Teilnehmer wie bei den beiden wichtigsten vergleichbaren Veranstaltungen der deutschen Internet-Szene, der Konferenz re:publica (ebenfalls in Berlin) und Chaos Communication Congress (2012 in Hamburg).

Hälfte der Besucher aus dem Ausland

Bild vergrößern
Bei der Campus Party geht es auch um Roboter, Biotechnologie, Design und Musik.

Dabei findet die Campus Party zum ersten Mal in Deutschland statt - die Veranstaltung stammt wie Hauptsponsor Telefonica aus Spanien. "Aus insgesamt 66 Ländern haben sich Teilnehmer angemeldet. Die Hälfte der Besucher kommt aus dem europäischen Ausland, vornweg aus Spanien", sagt Pressesprecher Klaus Purkart. Mit 48 Bussen werden Studenten gratis zum Festival nach Berlin gefahren, die sich an einem Ideenwettbewerb der EU-Kommission für deren künftige "digitale Agenda" beteiligt haben. Mehrere Hundert Tickets wurden außerdem verlost.

Aber während in den vergangenen Jahren zu den Campus-Party-Ausgaben in Spanien und Südamerika Tausende Teilnehmer kamen, wurde die Veranstaltungsreihe in Deutschland wenig wahrgenommen.

Was sagt die deutsche Internet-Szene?

  • André Krüger, "Boschblog", Hamburg/Berlin

    "Die Campus-Party klingt eine Fusion von Knoff-hoff-Show und Rock am Ring - auf jeden Fall interessant. Ich habe vor etwa sechs Wochen das erste Mal davon gehört. Die Themen erscheinen vielfältig und das Publikum wird international sein. Außerdem ist Tempelhof ein spannender Veranstaltungsort. Ich habe mich noch nicht ganz entschieden. Falls ich Zeit habe, werde ich hingehen."

  • Carsten Knobloch, bloggt als "Caschy" aus Bremerhaven

    "Der Spaß ist zum ersten Mal in Deutschland. Ein Treffpunkt für die Digitalen - aus allen Sparten. Ich bin verhindert, aber fahrt doch einfach hin und schaut euch das an."

  • Rowan Barnett, Twitter Deutschland:

    "Wenn man in der Techszene unterwegs ist, kennt man die Veranstaltung. Die Organisatoren haben auch eine Kampagne über Twitter gemacht, wo sie Studenten in Europa aufgefordert haben, ihre Ideen für die digitale Agenda der EU mit dem Hashtag #I4DA zu schicken.  Es wird sicherlich eine sehr interessante Veranstaltung - und man kann immer auf Vorträge von Sir Tim Berners-Lee, Yossi Vardi und Paulo Coelho gespannt sein. Ich werde auf jeden Fall reinschauen."

  • Markus Angermeier, StartUp-Gründer, twittert als "Kosmar":

    "Ich habe erst jetzt anlässlich dem Berliner Event erstmals von der "Campus Pary gehört. Es klingt wie die re:publica, nur größer. Ich habe eine Karte."

  • Jeanette Hofmann, Internet-Forscherin:

    "Ich habe erst vor ein paar Wochen davon gehört, aber ich gehöre ja auch nicht zur Zielgruppe und gehe auch nicht hin. Vielleicht ist die Campus Party wie ein unbekanntes Flugobjekt, von dem man noch nicht weiß, ob es jemand zur Kenntnis nehmen wird?"

  • Tobias Arns, Branchenverband Bitkom

    "Die Campus Party kam irgendwie aus dem Nichts. Ich habe von Kollegen davon erfahren und bin erst mal gespannt, ob das Konzept aufgeht. Vielleicht ist es wie der Weltjugendtag der Digital Natives? Ob ich hingehe, weiß ich noch nicht. Vermutlich nicht, obwohl ich die Keynote von Berners-Lee gerne hören würde."

  • Klas Roggenkamp, Internet-Agentur Compuccino

    "Das erste Mal habe ich vor einer ganzen Weile von dem Format gehört, irgendwo im Vorbeigehen. Aber dem Berlin-Event kann ich mich in meiner Filter-Blase nicht wirklich entziehen. Zumindest mein Newsfeed suggeriert mir, dass da 'alle' dabei sein werden. Ich habe ein Freiticket geschickt bekommen, also werde ich mal vorbeischauen. Konkrete Termine habe ich noch nicht, da wird ja ne Menge geboten."

  • Thomas Knüwer, Journalist, Wired Deutschland

    "Ich hatte vor einiger Zeit davon gehört - und es dann wieder verdrängt. Die Besetzung wirkt so weit ganz prima, vor allem mag ich den bereichsübergreifenden Ansatz. Wie die Atmosphäre ist, kann ich nicht sagen. Hinfahren werde ich nicht - irgendwann muss man ja auch mal Geld verdienen."

  • Stefan Poralla, Firma UPcload

    "Wir werden hingehen. Zum ersten Mal habe ich vor einigen Wochen in einer Facebook-Gruppe, in der sich die Berliner Startup-Szene austauscht, davon gehört. Ich bin gespannt und kann es mir noch nicht so richtig vorstellen. Die Location auf dem alten Tempelhofer Flughafen ist - vor allem bei gutem Wetter - klasse und das Programm vielversprechend. Daher ist die Campus Party für mich wie eine Mischung aus Rock am Ring und Techcrunch Disrupt."

zurück
1/4
vor

 

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/campusparty101.html