Sendedatum: 28.08.2013 08:20 Uhr  | Archiv

Verlage setzen auf Bezahlinhalte im Netz

von Astrid Corall, NDR Info

Ist die Rede von der Zukunft des Journalismus, dann taucht immer wieder auch die Frage auf, wie man mit Journalismus im Internet Geld verdienen kann. Eine Möglichkeit sind sogenannte Bezahlinhalte und Bezahlschranken, bei denen die Nutzer für Artikel bezahlen müssen. Der Bund Deutscher Zeitungsverleger zählt mehr als 40 Zeitungen in Deutschland, die diesen "Paid Content" bereits etabliert haben.

Wer zum Beispiel auf der Internet-Seite der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" ("HAZ") eine Analyse über das letzte Bundesliga-Spiel von Hannover 96 lesen will, der wird mit einem weißen Euro-Zeichen auf blauem Grund darauf hingewiesen, dass er bezahlen muss.

"HAZ" macht positive Erfahrungen

Im März 2012 hat die Mediengruppe Madsack, zu der die "HAZ" gehört, für ihre 17 Zeitungen Bezahlinhalte eingeführt. Martina Lenk, Geschäftsführerin der Madsack-Online GmbH, ist zufrieden mit den bislang gemachten Erfahrungen: "Wir haben seitdem feststellen können für uns, dass wir in den Zahlen nicht eingebrochen sind, dass wir keinen Unmut der Leser im großen Maßstab hatten und dass wir auch bei den Werbeerlösen natürlich nicht eingebrochen sind. Alles in allem können wir einen ganz großen grünen Haken dranmachen."

Verlage nennen keine genauen Zahlen

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Führungskräfte des Axel Springer Verlags präsentieren das Projekt "BILDplus" im Axel-Springer-Haus in Berlin.

Das Modell, das Madsack benutzt, heißt Freemium. Dabei ist ein Teil der Artikel kostenlos, für manche - meist exklusive - Artikel, Fotos oder Videos muss der Nutzer bezahlen. Wie viel die Verlage damit verdienen, sagen sie nicht. Weder bei Madsack noch bei Springer. Im Juni startete dessen Angebot BILDplus, ebenfalls ein Freemium-Modell. "Für uns ist extrem wichtig, nicht nur von Werbeindustrie abhängig zu sein, um unabhängigen Journalismus garantieren zu können. Dafür brauchen wir diesen Direktkunden-Erlös und versuchen das jetzt mit Bild-plus zu etablieren", sagt Donata Hopfen, Geschäftsführerin von Bild Digital, zu den Beweggründen für das neue Angebot.

Zwischen knapp fünf und 15 Euro kostet ein Abo monatlich, für ein bisschen mehr gibt es auch noch Highlights der Fußball-Bundesliga. Die ebenfalls zu Springer gehörende Zeitung "Die Welt" hat sich das sogenannte Metered Model der "New York Times" zum Vorbild genommen. Hier können Leser 20 Artikel kostenlos lesen, für jeden weiteren müssen sie ein Abo abschließen. In gut einem halben Jahr habe man 47.000 Digital-Abos verkauft, hieß es kürzlich bei der "Welt".

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"Taz" setzt auf freiwilliges Zahlen

Wie Springer setzen immer mehr Verlage in Deutschland darauf, nicht nur mit digitalisierten Ausgaben der Zeitungen - also E-Papern - mit Werbung und Apps Geld zu verdienen, sondern auch mit Inhalten auf der Internetseite.

Dazu gehört auch die "Taz" - allerdings setzt man dort auf Freiwilligkeit: Der Leser kann entscheiden, ob er für Artikel Geld bezahlen möchte. Die Einnahmen lägen bei rund 10.000 Euro monatlich, sagt Aline Lüllmann von taz.de: "Das ist für uns schon ein guter Erfolg, obwohl es immer noch für uns der Anfang von der ganzen Entwicklung ist, weil jetzt auch andere Verlagshäuser nachziehen und Paywalls hochziehen und das die Menschen immer mehr dafür sensibilisiert, dass das ein wichtiges Thema ist."

Seiten müssen interessant bleiben für Werbekunden

Wichtig für die Verlage ist, dass ihre Internetseiten trotz Bezahlschranken keine Leser verlieren und interessant für Werbekunden bleiben. Martina Lenk von Madsack ist in dieser Hinsicht zufrieden. Aus einer Studie gehe hervor, dass die Zahl der Nutzer trotz Einführung der Bezahlschranke signifikant gestiegen sei: "Das ist noch mal wieder ein mutmachender Punkt, vielen zu sagen in Deutschland: Macht Paid Content. Denn ich bin der Verfechter davon, dass, wenn die Tagezeitungen sich zusammenschließen und das gemeinsam machen, vor allem die Großen, die jetzt darüber nachdenken, die "FAZ", die "Zeit", dass das uns allen sehr helfen wird."

Qualität und Exklusivität sind Voraussetzungen für Paid Content

Bei den anderen großen Webseiten wie Zeit.de, Spiegel Online und Süddeutsche.de hat sich die Bezahlschranke - noch - nicht gesenkt. Stefan Plöchinger, Chef von Süddeutsche.de, sagt, man wisse nicht, welches Modell in Deutschland funktioniere: "Deswegen glaube ich geht es darum, dass man flexible Modelle entwickelt, die man immer wieder justieren kann, je nachdem, welche Erfahrung man damit macht. Das macht die Projekte jetzt nicht weniger komplex, aber es macht es natürlich zu einer spannenden Aufgabe herauszufinden, wie genau das Modell aussieht, das funktioniert."

Paid Content, so Plöchinger, sei ein Baustein, aber sicherlich nicht der einzige. Auch für andere Verlage ist klar, dass Bezahlinhalte eine von mehreren Erlösquellen sind. Und noch eins ist klar: Damit die Leser für Artikel Geld bezahlen, müssen die Redaktionen Qualität und Exklusivität liefern.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 28.08.2013 | 08:20 Uhr

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