Stand: 23.03.2017 13:49 Uhr

Zurück in die Zukunft im Computerspielemuseum

von Tobias Nowak

Im Computerspielemuseum in Berlin geht es noch bis Ende April auf eine interaktive Zeitreise - zurück in die "Urzeiten" der Computerspieltechnik in die 1980er-Jahre. Anlass der Ausstellung "Aufschlag Games" ist der 20. Geburtstag des Museums und der 35. Geburtstag des Kult-Computers ZX Spectrum, der damals für viele Gamer und Jungprogrammierer den Einstieg in die Welt der Games bedeutete.

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Computer spielen wie in den 1980er-Jahren - das geht in der Ausstellung "Aufschlag Games" im Berliner Computerspielemuseum.

"Der ZX Spectrum von Sinclair ist ein ganz wichtiger Computer der frühen Heimcomputer-Ära", sagt Andreas Lange, der Direktor des Computerspielemuseums. "Er kam 1982/83 auf den Markt, ist eine englische Erfindung, und war damals der preisgünstigste Heimcomputer, den man sich erwerben konnte. Er hatte aber gleichzeitig schon ganz passable grafische Fähigkeiten. Insofern hat er sich also gut verbreitet."

Der Erfolg des ZX Spectrum beruhte aber auch auf seinem relativ niedrigen Preis: Wer sich die teureren Amigas oder den ebenfalls sagenumwobenen Commodore C64 nicht leisten konnte, war mit dem Spectrum meist sehr zufrieden.

Steinzeitliche Datenträger und akustische Signale

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Aufschlag Games - Der Ausstellungskatalog

Wie die digitalen Spiele in unser Leben traten: Die Sonderausstellung "Aufschlag Games" im Computerspielemuseum in Berlin geht auf eine Zeitreise in die 1970er-Jahre. Download (587 KB)

Ein Grund für den Preisunterschied waren die Datenträger. Der Spectrum benutzte nicht die damals neuen, aber ziemlich teuren Floppy-Discs, sondern immer noch - wie der ebenfalls legendäre Schneider CPC 464 - Audiokassetten.

Aus heutiger Sicht klingt das steinzeitlich. Die Maschine wandelte binären Programmcode in akustische Signale, so wie Modems. Die akustische Speicherung des Programmcodes erlaubte einzigartige Formen der Verbreitung, sagt Lange: "Es gab damals quasi auch schon eine Frühform des Internets", so Andreas Lange. "In bestimmten Computersendungen wurde dieser Code dann über das Radio verbreitet. Die Leute haben die Tonfolge einfach mitgeschnitten und sie zu Hause in ihren Computer eingespielt. Sie hatten sich damit ein Programm quasi runtergeladen. Zu einer Zeit, als es das Internet so noch gar nicht gegeben hat."

Was versteckt sich hinter dem Daten-Gefiepe?

Das Senden von Programmcode für den ZX Spectrum im Radio - eine über 30 Jahre alte Technik - steht auch im Kern der aktuellen Werbekampagne für die Ausstellung "Aufschlag Games" des Computerspielemuseums.

Heutzutage besitzt aber kaum noch jemand einen funktionierenden Spectrum-Rechner. Diese Lücke stopfen moderne Smartphones. Mit ihnen kann man den Programmklang aufnehmen und anschließend entweder in einem sogenannten Emulator einspielen, also einer App, die so tut, als wäre sie ein ZX Spectrum. Oder man geht auf die Website des Computerspielemuseums und schaut sich im Browser an, was sich hinter dem Daten-Gefiepe für ein Programm versteckt.

Ein Spiel im 8bit-Grafik-Look

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Das im 8bit-Grafik-Look gestaltete Museumsspiel stellt das Computerspielemuseum in Berlin selbst in den Mittelpunkt.

Neben einem Pong-ähnlichen Geschicklichkeitsspiel gibt es auch ein Adventure zu entdecken, das das Museum selbst in den Mittelpunkt stellt. Dieses "Museums Game" geht mit 48 Kilobyte auch an die Grenzen dessen, was ein ZX Spectrum ursprünglich verarbeiten konnte.

Laut Andreas Lange kann man die gesamte Ausstellung im Spiel gut erkennen, das Spiel sei aber bewusst im 8bit-Grafik-Look gestaltet: "Ich komme auch vor, mein Gesicht, ich bin der Direktor. Man kann Informationseinheiten sammeln, erfährt tatsächlich auch ein bisschen was über Videospiel- und Computerspiele-Geschichte, und muss gleichzeitig Feinden ausweichen, die Virtual-Reality-Brillen tragen." Lange spricht vom "Kampf der guten alten 8bit-Zeit gegen die neue Zeit", der in dem Spiel auf einer Metaebene mit eingefügt sei.

Das Comeback der "guten alten Zeit"

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Erinnerungen an alte C64-Zeiten werden wach in der Ausstellung im Computerspielemuseum.

Aber gibt es diesen "Kampf" zwischen der guten alten und der eigentlich gar nicht so schlechten neuen Zeit denn in den Augen der jungen Gamer? Ist der vorsintflutliche Pixel-Look nicht zu altmodisch? Lange meint, dass es gerade ein Comeback gebe der alten klassischen Spiele: "Die waren ja oft grafisch sehr einfach gehalten, weil technisch noch gar nicht viel mehr möglich war. Die passen hervorragend mit ihren einfachen Grafiken auch auf die kleinen Handysdisplays, und insofern ist für die Kids von heute, die ja mit Handyspielen selbstverständlich aufwachsen, gar nicht so ein großer ästhetischer Unterschied zwischen den Spielen von heute und denen von früher."

Das Computerspielemuseum unterstützt diese Hinwendung zur Geschichte des Mediums Computerspiele: Dank modernster Digitaltechnik öffnet die Ausstellung "Aufschlag Games" ein Fenster in die fiepende Urzeit der PCs. Und der Blick zurück ist spannend!

Digitale Werke haben kulturellen Wert

Übrigens steigt auch auf öffentlicher Seite das Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist, unsere digitalen Kulturgüter zu bewahren. So beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages im vergangenen November, Mittel für die weltweit größte Sammlung für Computer- und Videospiele zur Verfügung zu stellen. Dafür werden die Bestände des Computerspielemuseums, der Stelle für die Altersfreigabe von Videospielen sowie der Universität Potsdam zusammengelegt. Insgesamt kommt man so auf 50.000 Titel. Diese politische Initiative belegt, dass der kulturelle Wert auch digitaler Werke inzwischen unumstritten ist.

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Das Computerspielemuseum in Berlin

Im Computerspielemuseum in Berlin ist alles versammelt, was Rang und Namen hat. Insgesamt mehr als 300 Exponate. Eine unterhaltsame Zeitreise zum spielenden Menschen im 21. Jahrhundert. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 23.03.2017 | 08:08 Uhr

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