Stand: 01.11.2015 10:38 Uhr

YouTuberinnen erklären Deutschland für Anfänger

Isabella Müller-Reinhardt (li.) und Abir Alhaffar erklären in ihrem YouTube-Kanal, wie Deutschland funktioniert.

Wissen Sie immer ganz genau, welcher Müll in welche Tonne oder in welchen Sack kommt? Nicht? Wie muss es dann den vielen Flüchtlingen gehen, die sich jetzt in ihrer neuen Heimat zurechtfinden müssen? Abir Alhaffar und Isabella Müller-Reinhardt aus der Region Hannover wollen genau an dieser Stelle helfen. Sie haben vor einigen Tagen den YouTube-Kanal "Deutschland für Anfänger" ins Leben gerufen und erklären darin die schöne neue deutsche Welt - vom Pfandflaschen- bis zum Schulsystem.

Tücken von Gelatine und Mülltrennung

Die 40-jährige Isabella Müller-Reinhardt betreut seit einigen Monaten syrische Familien in Isernhagen in der Region Hannover und hat schnell gemerkt, dass es Fragen zum deutschen Alltag gibt. So entstand die Idee für den YouTube-Kanal. Abir Alhaffar war schnell im Boot. Die 32-Jährige ist vor mehreren Jahren aus Syrien zum Studieren nach Deutschland gekommen, hat die kulturellen Unterschiede selbst erlebt und weiß deshalb, über welche kleinen Alltagsfallen die Flüchtlinge stolpern könnten. In Deutschland enthielten Gummibärchen zum Beispiel Schweine-Gelatine, in Syrien seien sie aus Rinder-Gelatine, erklärt sie. Außerdem habe die deutsche Mülltrennung ihre Tücken: Bio, Papier, blauer Sack, gelber Sack - das gebe es in Syrien nicht, ebenso wenig wie das ausgeklügelte Pfandflaschensystem. "Es gibt bestimmt weltbewegendere Themen als Pfandflaschen, aber wir wollen einfach alles machen", sagt Müller-Reinhardt. "Wir wollen die Flüchtlinge über Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit aufklären, aber wir wollen ihnen auch die banalen Dinge mitgeben, die ihnen helfen, sich in Deutschland zurechtzufinden."

Auch "besorgte Bürger" haben etwas von den Filmen

Nicht nur die Flüchtlinge hätten etwas von den Filmchen, sondern auch die vielleicht etwas besorgten deutschen Bürger, sagen die beiden YouTuberinnen. Wenn die Asylsuchenden zum Beispiel lernten, dass sie ihren Müll nicht einfach wegwerfen dürfen, gebe es ja auch keinen Grund mehr, sich darüber zu beschweren. Viele Flüchtlingsorganisationen hätten die Videos bereits im Netz weiterverbreitet und auch sonst steige die Resonanz. "Ich werde immer benachrichtigt, wenn eine Person den Kanal abonniert", sagt Müller-Reinhardt. Dann sehe sie oft arabische Schriftzeichen und freue sich - denn wieder sehe sich ein arabischer Mensch eines der Videos an.

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