Stand: 25.02.2015 16:00 Uhr  | Archiv

Was bringt WhatsApp für Medien?

von Fiete Stegers

Was ist WhatsApp?

WhatsApp ist ein sogenannter Messenger-Dienst, der kurze Mitteilungen von Handy zu Handy überträgt. Voraussetzung sind die entsprechende App und die Telefonnummer des Empfängers. Die Benutzung ist gratis, es entstehen jedoch Kosten für die Datenübertragung über das Internet. WhatsApp wurde 2014 von Facebook gekauft und mehrfach wegen Sicherheits- und Datenschutzmängeln in der Kritik. In Deutschland hat WhatsApp nach eigenen Angaben 32 Millionen Nutzer (April 2014). Die App wird laut "Mobile Monitor 2014" von fast 70 Prozent der unter 30-jährigen Smartphone-Besitzer täglich genutzt.

Der Messenger-Dienst WhatsApp zählt in Deutschland zu den beliebtesten Smartphone-Apps und hat bei vielen Handynutzern längst der SMS den Rang abgelaufen. Und die App wird nicht nur zwischen zwei Usern genutzt. Ganze Freundeskreise schicken Links und Bilder hin und her. Schulklassen, Sportvereine oder Kita-Eltern organisieren sich über WhatsApp-Mitteilungen in privaten Gruppen. WhatsApp ist, ähnlich wie Facebook, ein Massenphänomen - von Jugendlichen bis zur Nutzern der Generation 60+, die klassischen sozialen Netzwerken skeptisch gegenüber stehen.

Die Gesamtzahl der Nutzer liegt in Deutschland deutlich über der von Twitter. Und es gibt Anzeichen dafür, dass über WhatsApp geteilte Links Website-Betreibern eine stattliche Anzahl Besucher einbringen können.

Ist WhatsApp schon ein Muß für Medien?

Kein Wunder also, dass sich Medien darüber Gedanken machen, ob und wie sie zukünftig auch auf WhatsApp präsent sein müssen. Die Fragen, die sie sich stellen müssen, sind die gleichen wie beim Aufstieg sozialer Netzwerke wie Facebook, Twitter oder - wer erinnert sich noch? - MySpace: Ist die neue Plattform schon relevant in meiner Zielgruppe? Wann ist der richtige Zeitpunkt zu starten? Wenn ein Medium vor der Konkurrenz auf einer neuen Plattform aktiv ist, kann es dort möglicherweise viele User an sich binden. Wartet ein Medium zunächst ab, hat es diesen Startvorteil nicht. Aber dafür kann es von den Erfahrungen anderer profitieren.

Denn Experimente sind notwendig: Welchen Tonfall müssen Journalisten auf der neuen Plattform anschlagen? Mit welchen Themen erreichen sie ihre Nutzer? Welche technische und rechtliche Hürden gibt es bei der Nutzung durch Redaktionen? (Bisher sehen zum Beispiel die WhatsApp-AGB nur eine "persönliche" Nutzung der Plattform und keine "Werbung oder kommerzielle Vermarktung" vor - und eine Funktion zum Massenversenden von Nachrichten gibt es noch nicht) Welche neuen Darstellungsformate aus Kombinationen aus Text, Bild und Link sind dort erfolgreich?

Inhalte einstellen allein bringt keine Relevanz

"Es reicht auf keinen Fall, bei WhatsApp Inhalte hereinzustellen und darauf zu hoffen, dass mein Medium auf einmal wieder ganz relevant und spannend wird", sagt der Medienberater Lars Reppesgaard im ZAPP-Interview. "Wichtig ist, dass ich ein Ziel habe: Ich möchte mehr Leser gewinnen, eine Aktion bewerben oder auf ein Abo aufmerksam machen." Denn bei allem Mut zum Experimenten müssen die Redaktionen aber strategische Gedanken machen: Was genau wollen sie mit ihrem Engagement auf einer neuen Plattform erreichen? Woran lässt sich der Kosten-Nutzen-Aufwand messen - angefangen von Personalaufwand in der Redaktion im Verhältnis zu den erreichten Fans, Followern oder Abonnenten?

"Soziale Netzwerke eigenen sich ganz hervorragend, um Relevanz zu behalten, zurückzugewinnen. Das Monetarisieren muss woanders passieren", gibt Reppesgard zu bedenken. "Wenn ich es schaffe, über Whatsapp Interesse zu erzeugen, dann habe ich auch die Chance, mit Whatsapp Geld zu verdienen. Nicht durch Whatsapp direkt – ich bekomme aber potenzielle Chancen, mit Menschen in den Dialog zu treten, die möglicherweise andere Dienste kaufen."

Wollen die Nutzer überhaupt erreicht werden?

Weitere Informationen

Blog von Andreas Rickmann

Überblick über die WhatsApp-Experimente verschiedener Medien. extern

Blog von Matthias Schwenk

"WhatsApp als Medienkanal? Keine gute Idee!" meint der Medienberater. Redaktionen sollten besser andere Inhalte für ein junges Publikum machen. extern

Gerade im Fall WhatsApp spielt sicher auch noch eine Rolle, wie die umworbenen User reagieren werden, wenn Medien dort großflächig mit eigenen Diensten um Kundschaft buhlen und nicht passiv auf ihren eigenen Websites einen Button zum einfachen Teilen von Inhalten via Whatsapp zur Verfügung stellen. Gefühlt ist die Kommunikation auf WhatsApp intimer als zum Beispiel bei Facebook, wo Nutzer seit langem durch ein "gefällt mir" Interessen an Botschaften von Prominenten, Unternehmen oder Medien bekunden können.

"Wer man nur so seine Dinge hinaus bläst und sagt 'So, hier sind meine Nachrichten - viel Spaß damit' der wird merken, dass die Leute ziemlich schnell das Interesse verlieren", sagt Reppesgard. "Ich kann furchtbar viel richtig machen - und furchtbar viel falsch."

Eines ist aber sicher: Spätestens wenn es zu den meisten dieser Fragen Erfahrungswerte gibt, und professionelle WhatsApp-Berater den Medienhäusern ihre Dienstleistungen verkaufen, wird die nächste Internet-Plattform am Horizont auftauchen, die den anderen den Rang ablaufen könnte.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 25.02.2015 | 23:20 Uhr

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