Stand: 05.04.2017 13:52 Uhr

Telekom lockt mit endlosem Handy-Streaming

Unterwegs Filme aus dem Netz gucken oder Musik per LTE streamen: Wer das häufig macht, kennt den gefürchteten Hinweis seines Mobilfunkproviders-Providers: „Ihr Datenvolumen wurde verbraucht." Damit soll Schluss sein, verspricht die Deutsche Telekom eine "Revolution".

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Die Telekom verspricht den Wegfall des Datenlimits für Musik- und Videostreaming - allerdings nur für ihre Partner.

Die Deutsche Telekom führt zum 19. April eine Tarifoption ein, von der Mobilfunk-Kunden profitieren sollen, die viele Videos oder massenhaft Musik unterwegs streamen. Denn Streamingdienste verbrauchen in der Regel ein hohes Datenvolumen - Handyverträge sehen aber nur einen bestimmten Datenverbrauch pro Kunden vor. Bei der neuen Tarifoption "StreamOn" werden die für das Streaming benötigen Daten laut Telekom nicht auf das Kontingent des Kunden angerechnet. Heißt, das Datenvolumen vom Streaming bleibt völlig unangetastet. Das gilt allerdings nur, wenn die Streaminganbieter auf der Partner-Liste der Telekom stehen.

Von Amazon bis ZDF: Große Namen machen mit

Zum Start des Angebots gehören eine ganze Reihe renommierter Internet- und Medienmarken dazu: Amazon, Netflix, YouTube, Sky, ZDF, Radioplayer, Funk, "Welt", "Spiegel Online", "FAZ" und weitere arbeiten mit dem Unternehmen zusammen. Die Telekom betont, dass "Stream on" kein exklusiver Club sei und sie für weitere Partner offen wären: "Wir diskriminieren hier niemanden. Stream on steht allen Content-Anbietern offen."

Die Teilnahme am Programm kostet laut Telekom den Partner auch kein Geld. Auf der veröffentlichten Partnerliste fehlt bisher zum Beispiel der Musikstreamingdienst Spotify.

Gefährdung der Netzneutralität oder "Revolution"?

Mit Spotify hatte die Telekom schon zuvor zeitweilig eine Partnerschaft. Dabei wurde die Spotify-Nutzung nicht auf das Datenvolumen angerechnet. Kritiker hatten außerdem bemängelt, dass die Nichtanrechnung von Spotify das Prinzip der Netzneutralität, nach der alle Internetdaten beim Transport gleich behandelt werden sollen, aushebele. Auf diesen Vorwurf muss sich die Telekom auch jetzt wieder gefasst machen. Der Telekommunikationsanbieter sieht sich durch die Beteiligung verschiedener Partner offenbar auf der sicheren Seite. Generell ist das "Zero Rating", also die Nicht-Berechnung von Datenvolumen, laut EU-Regeln erlaubt - sofern diese sich auf einzelne Arten von Inhalten bezieht und nicht nur auf bestimmte Angebote. Wie die Telekom technisch feststellt, ob der Kunde das Angebot eines Partners streamt oder nicht, teilt sie in ihrer Pressemitteilung nicht mit.

Die ersten Reaktionen auf das neue Telekom-Angebot im Netz fallen gemischt aus: Aus der Sicht einzelner Kunden ist die Neuerung erfreulich. Nach Ansicht von Kritikern könnte sie auch dazu führen, dass große Internet-Angebote als Partner der Telekom tendenziell bevorzugt werden - für kleinere Anbieter hingegen könnte es schwieriger werden. Andere Stimmen hoffen, dass durch die große Zahl der Partner der Rest der Mobilfunkbranche unter Zugzwang gesetzt wird und langfristig der Trend hin zum Wegfall der Datenlimits gehe.

Günstige Verträge bieten Option nicht

Voraussetzung für die "StreamOn"-Option bei der Telekom ist, dass die Kunden einen entsprechenden Vertrag haben und die kostenlose Zusatzoption wählen. Die günstigeren Verträge der Telekom bieten diese Option nicht. Und: es gibt auch bei den Tarifen mit der Streaming-Option noch Unterscheidungen. Bei teuren Verträgen gilt das kostenlose Streaming für Video- und Musik-Anbieter. Bei den günstigeren nur für das Musik-Streaming.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 04.04.2017 | 17:40 Uhr

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