Stand: 05.07.2012 11:34 Uhr  | Archiv

Student ist für YouTube "ein Standardfall"

Bild vergrößern
Google droht dem 21-jährigen Studenten aus Hannover mit einer Klage. (Archivbild)

Der 21-jährige Philip Matesanz kämpft einen augenscheinlich ungleichen Kampf. Der Informatik-Student aus der Wedemark (Region Hannover) wehrt sich gegen Drohungen des Internet-Riesen Google. Die Google-Tochter YouTube will Matesanz offenbar mit Klagen überziehen, sollte er seinen Online-Dienst nicht einstellen. Doch der Student ist sich sicher: "Ich mache nichts Falsches, ich habe Anwälte befragt, die mir gesagt haben, dass alles in Ordnung ist", sagte er im Gespräch mit NDR.de. Als Reaktion auf die Forderung von Google veröffentlichte Matesanz eine Petition. Mehr als 280.000 Menschen haben bereits unterschrieben.

Keine Stellungnahme von YouTube zum Fall

Das Video-Portal YouTube wollte sich auf Anfrage von NDR.de nicht zu dem vorliegenden Fall äußern. Es handele sich um einen Standardfall, sagte eine Sprecherin. Das Unternehmen gehe gegen jeden vor, der gegen die Nutzungsbedingungen verstoße. In welcher Weise der 21-Jährige die Nutzungsbedingungen nach Ansicht von YouTube verletzt hat, sagte die Sprecherin nicht und verwies auf eine schriftliche Stellungnahme, in der es heißt: "Wir haben Verletzungen unserer Nutzungsbedingungen immer ernst genommen und werden diese Nutzungsbedingungen auch weiterhin nachdrücklich durchsetzen, gegenüber Seiten, die dagegen verstoßen."

Dienst ermöglicht Download der Tonspur

Seit 2009 betreibt Matesanz einen Online-Dienst, der es Menschen ermöglicht, den Ton eines Videos von YouTube für den privaten Gebrauch auf den eigenen PC zu laden. Dabei wird die Tonspur extrahiert und als MP3-Format bereitgestellt. "Das ist wie ein Kassettenrekorder für einen Computer", so Matesanz. "Als würde das Radio laufen und man nimmt die Musik auf Kassette auf." Um seine Kosten zu decken, meldete sich der Student beim Werbenetzwerk Google AdSense an. Google AdSense platziert Werbung auf die Seite, dafür erhält man von Google einen Teil der Einnahmen. 2010 aber warf Google den Studenten seinen Angaben zufolge hinaus und behielt das Geld ein - ohne Ankündigung. Begründung: Er verstoße gegen die Nutzungsbedingungen.

Rechtsgutachten spricht für den 21-Jährigen

Bild vergrößern
"Hör´ mir doch erst einmal zu", ruft der Student. "Geht nicht," antwortet der Internet-Riese Google, "bin damit beschäftigt, auf Dir rumzutrampeln."

Nachdem Matesanz schriftlich aufgefordert wurde, seinen Dienst einzustellen, hat er nach eigenen Angaben mehrfach versucht, mit Google ins Gespräch zu kommen - ohne Erfolg. Zuletzt habe er sogar den deutschen Chef-Juristen von Google angerufen. Doch der habe ihm durch eine Empfangsdame ausrichten lassen, dass er genau mit ihm - Philip Matesanz - nicht sprechen wolle. Zuletzt gab der 21-Jährige selbst ein Rechtsgutachten in Auftrag. "Bevor die mich auf das letzte Brot verklagen, muss ich doch für Klarheit sorgen", begründete der Student den für ihn kostspieligen Schritt. Das Gutachten kommt laut dem Nachrichtenticker "heise online" zu dem Schluss, dass kein Verstoß vorliegt. Der kostenfrei nutzbare Dienst YouTube-MP3.org stehe im Einklang mit dem deutschen Urheberrecht, das eine Privatkopie gestatte.

So sicher sich Philip Matesanz juristisch ist, so unsicher fühlt er sich manchmal angesichts der Bedrohung durch den mächtigen Konzern. Nachdem das Unternehmen kein Interesse an einem persönlichen Gespräch hatte, hatte er nun auf eine offizielle Stellungnahme von YouTube gehofft - offenbar wieder ohne Erfolg.